Nur noch 34 Zentimeter: Elbe-Pegel in Magdeburg weiter abgerutscht
Die Wasserpegel an der Elbe in Sachsen-Anhalt sinken immer weiter. Jetzt wurden in Magdeburg nur noch 34 Zentimeter gemessen. Der bis zu diesem Sommer niedrigste je gemessene Elbpegel lag hier bei 45 Zentimeter. Bei Barby ganz in der Nähe sind es nur noch zehn Zentimeter.
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Wasserstände auf Talfahrt
Stand: 18.08.2026 14:08 Uhr
Die Wasserpegel an der Elbe in Sachsen-Anhalt sinken immer weiter. Jetzt wurden in Magdeburg nur noch 34 Zentimeter gemessen. Der bis zu diesem Sommer niedrigste je gemessene Elbpegel lag hier bei 45 Zentimeter. Bei Barby ganz in der Nähe sind es nur noch zehn Zentimeter.
von MDR SACHSEN-ANHALT
Der Wasserstand der Elbe sinkt immer weiter. An der Strombrücke in Magdeburg liegt der Pegelstand momentan bei 34 Zentimetern. Das geht aus offiziellen Wasserstandsmeldungen des Bundes hervor. Der bis zu diesem Sommer niedrigste je gemessene Elbpegel lag hier bei 45 Zentimetern. Er wurde im Juli 2019 gemessen. In Barby südlich von Magdeburg nähert sich der Pegelstand sogar dem einstelligen Bereich. Er liegt derzeit bei noch zehn Zentimetern.
Schon davor war der Pegelstand an der Magdeburger Strombrücke auf einen Rekord-Tiefstwert von 37 Zentimetern gesunken. Daten des Informationsportals ELWIS der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes verzeichneten zeitweise sogar nur noch 36 Zentimeter. Die Zahlen sind allerdings noch nicht offiziell bestätigt.
Welche Folgen hat das Niedrigwasser der Elbe?
Daniel Bachmann, Professor für Wasserwirtschaft an der Hochschule Magdeburg-Stendal, sagte dem MDR, dass das natürlich außergewöhnlich sei. Etwa für die Binnenschifffahrt sei das Niedrigwasser der Elbe und anderer großer Flüsse in Deutschland ein großes ökonomisches Problem.
Hydrologe Daniel Bachmann forscht seit Jahren an Niedrigwasser von Flüssen.
Was zeigt der Pegel?
Ein Pegelwert zeigt nicht, wie tief ein Fluss ist. Nach Angaben der Bundesanstalt für Gewässerkunde wird der Wasserstand von einem festgelegten Pegelnullpunkt aus gemessen. Dieser kann sogar oberhalb der Flusssohle liegen. Da die Bezugspunkte und örtlichen Bedingungen an jedem Pegel unterschiedlich sind, lassen sich Werte verschiedener Messstellen nicht unmittelbar miteinander vergleichen, erklärt die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung.
Fähren in Sachsen-Anhalt stellen Betrieb ein
Das anhaltende Niedrigwasser hat inzwischen auch Folgen für den Fährverkehr. Nach Angaben der Betreiber steht die Fähre Breitenhagen in Barby (Salzlandkreis) derzeit still. Auch die Saalefähre im Ortsteil Rosenburg sowie die Gierseilfähre Westerhüsen haben ihren Betrieb eingestellt. Gleiches gilt für die Elbfähre Ferchland – Grieben.
"Hungerstein" zeigen Niedrigwasser
Aufgrund des niedrigen Wasserstandes sind entlang des Flusses vielerorts auch die sogenannten "Hungersteine" zu sehen – wie in Westerhüsen. Ein MDR-Reporter vor Ort konnte beobachten, dass sich dort bereits ein Trampelpfad zu den Steinen gebildet hat, den etwa Angler nutzen. Generell sind sie jedoch ein starkes Warnsignal. Ihren Namen haben sie sprichwörtlich vom Hunger, den tiefe Wasserstände Landwirten, Fischern und Händlern in der Vergangenheit brachten. Sie haben oft etwa Jahreszahlen eingraviert.
Ein "Hungerstein" in Westerhüsen.
Wittenberg meldet neuen Tiefstand der Elbe
Einen Rekordwert hat die Elbe auch in Wittenberg gebrochen: Die Elbe hat dort den niedrigsten Wasserstand erreicht, der jemals gemessen wurde. Der bisherige Rekord stammte aus dem Jahr 2019 und lag bei 67 Zentimetern. Am Mittwoch wurden 54 Zentimeter gemessen. Beim Elbehochwasser 2002 erreichte der Wasserstand am Pegel Wittenberg 7,06 Meter – den höchsten dort bekannten Wert.
Auch in Wittenberg erreicht die Elbe Rekord-Tiefstwerte.
Noch kein Fischsterben in Sachsen-Anhalt
Die extrem niedrigen Pegelstände der Flüsse in Sachsen-Anhalt haben für die Fische in den Gewässern im Land noch keine größeren Auswirkungen, wie der Landesanglerverband mitteilt. Entwarnung gebe es allerdings noch keine. So gilt in einigen Gewässern weiterhin ein Angelverbot.
DLRG warnt vor Gefahren für Schwimmer
Trotz der sinkenden Flüsse ist es für Schwimmer darin nicht ungefährlicher. Darauf weist die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) hin. Ihr Sprecher, Martin Holzhause, verweist gegenüber MDR SACHSEN-ANHALT auf Hindernisse unter Wasser wie Felsen oder Schrott. Auch Strömungen oder Strudel könnten bei Niedrigwasser stellenweise stärker ausfallen, sagt Holzhause weiter. Sie könnten "Personen von den Füßen reißen."
Video: Historisches Niedrigwasser in der Elbe (3 Min)
Holzhause rät, nur gute Schwimmer sollten in strömenden Gewässern schwimmen. Am sichersten sei das Schwimmen an bewachten Badestellen, wie in Seen oder Schwimmbädern.
Trinkwasserversorgung in Sachsen-Anhalt bleibt stabil
Schwimmer sollten laut DLRG zudem beachten, dass weniger Wasser auch schlechtere Wasserqualität bedeutet. Die Keimbelastung ist höher und die Lebensretter warnen vor möglichen gesundheitlichen Folgen.
Video: Trockenheit bedroht Fischzucht (2 Min)
Während die Flüsse gerade vergleichsweise wenig Wasser führen, ist die Versorgung mit Trinkwasser in Sachsen-Anhalt weiter gesichert. Der Talsperrenbetrieb des Landes erklärte, dass die Rappbodetalsperre im Harz in etwa so gefüllt sei, wie auch in den vergangenen 20 Jahren.
NABU warnt vor Stress für Flüsse und Tiere
Auch der NABU warnt vor den Folgen der historischen Tiefststände für Natur, Wasserhaushalt und die Energieversorgung. "Die Pegelstände zeigen, unter welchem Stress unsere Flusslandschaften stehen", sagt Jens Richter, Landesgeschäftsführer des NABU Sachsen-Anhalt.
Nach Angaben des NABU beginnt die Krise für die Natur schon lange, bevor die Schifffahrt Probleme bekommt. Wenn Flüsse immer weniger Wasser führen, erwärmen sie sich demnach schneller und enthalten weniger Sauerstoff. Fische und andere Tiere finden dann immer schlechtere Lebensbedingungen vor. Flache Ufer und Seitenarme trocknen aus – das sind laut NABU wichtige Rückzugsorte und Kinderstuben für viele Arten gehen verloren. Der Verband fordert deshalb, wieder mehr Wasser in der Landschaft zu speichern, zum Beispiel durch naturnahe Auen und Moore.
Sachsen-Anhalt hält an der Elbe als Wasserstraße fest
Sachsen-Anhalt will trotz der immer trockeneren Sommer an der Elbe als Wasserstraße festhalten. Infrastrukturministerin Lydia Hüskens (FDP) sagte dem MDR, notwendig seien Maßnahmen, damit in normalen Sommern das ein oder andere Schiff mehr fahren könne. Man sollte sich davon verabschieden, dass die Elbe nur naturbelassen sei.
MDR (A. Damm, M. Wilczek, M. Köhne, T. Gropius, H. Leonard, S. Liermann, S. Gall); zuerst veröffentlicht: 04. August 2026