Nur noch 118 Gewinnwarnungen – warum das kein gutes Zeichen sein muss

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Nur noch 118 Gewinnwarnungen – warum das kein gutes Zeichen sein muss

Stand: 11.08.2026, 14:32 Uhr

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Die Zahl der Gewinnwarnungen fällt kräftig. Doch dahinter steckt nicht nur Erholung: Deutschlands Unternehmen rechnen inzwischen vorsichtiger.

118 Gewinnwarnungen veröffentlichten deutsche börsennotierte Unternehmen 2025 – deutlich weniger als 2024 mit 153 und 2023 mit 160. Entwarnung ist das trotzdem nicht. Die aktuelle Gewinnwarnungsstudie von EY-Parthenon zeigt: Ein wichtiger Grund für den Rückgang ist die vorsichtigere Planung der Unternehmen. Wer Umsatz, Gewinn und Risiken von Beginn an konservativer kalkuliert, muss seine Prognose später seltener senken. Besonders angespannt bleibt die Lage in der Automobil- und Chemieindustrie.

Sinkendes Liniendiagramm auf Aktienmarkt

Finanziell stark nach einer Krise ©  IMAGO / Ikon Images

Weniger Warnungen, aber nicht weniger Risiko

Der Rückgang von 153 auf 118 Gewinnwarnungen wirkt beruhigend – ist es aber nur bedingt. Laut EY-Parthenon-Experte Andreas Warner kalkulieren Unternehmen ihre Prognosen inzwischen deutlich zurückhaltender: Wer von Anfang an konservativer plant, muss seltener nachkorrigieren. Die eigentliche wirtschaftliche Lage hat sich also weniger verbessert, als die reine Zahl suggeriert.

Wo es wirklich brennt: Auto und Chemie

Während der Gesamttrend nach unten zeigt, bleibt die Lage in zwei Schlüsselbranchen angespannt. In der Automobilindustrie warnten 2025 neun von 15 DAX-gelisteten Unternehmen – 60 Prozent, nach einem historischen Höchstwert von 75 Prozent im Vorjahr. Chinesischer Preisdruck, ein neuer Zollkonflikt mit den USA und schwache E-Auto-Nachfrage in den USA und Teilen Europas belasten weiter. Noch dramatischer die Chemieindustrie: Hier verdoppelte sich die Zahl der Warnungen von drei auf sechs Unternehmen – die Hälfte aller gelisteten Chemiekonzerne. Der Branchenverband meldet die niedrigste Kapazitätsauslastung seit 20 Jahren.

Das eigentliche Problem steckt im Umsatz

Über alle Branchen hinweg bleibt rückläufiger Umsatz der häufigste Warngrund – mehr als jede zweite Gewinnwarnung nennt ihn. An zweiter Stelle stehen mit 17 Prozent hohe Finanzierungskosten, getrieben von Bankmargen und anhaltender Inflation. Lieferketten- und Personalkostenprobleme, die 2022 noch dominierten, spielen mit 14 Prozent inzwischen eine kleinere Rolle – ein Zeichen, dass sich operative Störungen normalisiert haben, während strukturelle Nachfrageschwäche bleibt.

2026 könnte besser werden – doch die nächste Rechnung wartet schon

Ökonomen erwarteten für 2026 zunächst ein BIP-Wachstum von 1,0 bis 1,2 Prozent bei rund 2 Prozent Inflation – Bedingungen, die weitere Rückgänge bei Gewinnwarnungen begünstigen könnten. Doch der Krieg im Iran, geopolitische Spannungen und mögliche Energiepreissprünge trüben die Aussicht. "Das derzeitige Umfeld birgt weitere Inflationsrisiken", warnt Warner. Die entscheidende Zahl ist deshalb vielleicht gar nicht die 118. Interessanter ist, wie viel Puffer Unternehmen inzwischen in ihre Prognosen einbauen. Weniger Gewinnwarnungen können schließlich zweierlei bedeuten: bessere Geschäfte – oder niedrigere Erwartungen. Für 2026 dürfte genau dieser Unterschied entscheidend werden. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit Markt und Mittelstand)

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