Versteckt und abgetaucht - Manager im Untergrund: „Deutschland und Russland sind im Krieg“

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Versteckt und abgetaucht - Manager im Untergrund: „Deutschland und Russland sind im Krieg“

Nowitschok-Komplott gegen Deutschen: Rüstungschef im Untergrund – seine Botschaft ist eindeutig

Stand: 01.09.2026, 21:09 Uhr

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Der Donaustahl-Chef enthüllt im Ronzheimer-Podcast, wie er im Untergrund lebt. Grund ist eine Warnung vor einem Giftanschlag aus Russland.

Berlin – Seine Botschaft ist eindeutig: „Deutschland und Russland befinden sich im Krieg.“ Und Stefan Thumann unterstreicht im Podcast von Paul Ronzheimer am Beispiel der Sabotage, wie beim Drohnenvorfall in Leipzig, was er damit wirklich meint. „Das ist ein ganz normaler Kriegsakt. Das wird ja auch von den russischen Streitkräften hier kontrolliert und koordiniert.“ Da gebe es keinen Grund mehr, von einem hybriden Krieg zu sprechen. „Es ist einfach ganz normaler Krieg, nur dass die halt noch nicht so viele Truppen bei uns haben.“

Stefan Thumann steht vor einer Wand

Stefan Thumann gründete 2020 das Rüstungsunternehmen Donaustahl. © Donaustahl

Der Chef des Drohnenherstellers Donaustahl lebt seit Monaten im Versteck. Er musste untertauchen, nachdem deutsche Sicherheitsbehörden kurz vor Weihnachten 2025 Alarm geschlagen hatten. Die Botschaft war unmissverständlich: Der russische Militärgeheimdienst GRU plant demnach einen Giftanschlag auf ihn. Als Tatwaffe gilt Nowitschok – jenes Kontaktgift, das Russland einst bereits gegen den Kreml-Kritiker Sergei Skripal eingesetzt hat. „Ich fasse keine Türklinken mehr an“, sagt Thumann im Ronzheimer-Podcast. „Ist halt einfach so.“ Der Grund für das Mordkomplott: Seine Firma beliefert Kiew im Ukraine-Krieg mit Drohnen und Gefechtsköpfen. Thumann ist damit für Russland ein militärischer Gegner – auch auf deutschem Boden.

Drastische Botschaft: „Deutschland und Russland sind im Krieg“

Der Alltag des Rüstungsmanagers ist heute von absoluter Isolation geprägt. Er bewohnt ein Areal innerhalb einer Wohnanlage mit mehreren angemieteten Wohnungen und wird rund um die Uhr bewacht. „Meine Liebsten sind nicht um mich herum und ich bin vollständig isoliert“, schildert er seine Lage. „Ich lebe mit meinen Personenschützern alleine.“ Ein gewöhnliches Leben – ob Einkaufen oder Kneipenbesuche – ist unmöglich; für Abwechslung sorgt lediglich das regelmäßige Wechseln der Safehouses. Seine Familie hat er seit fast einem Jahr nicht mehr persönlich gesehen; die Kommunikation beschränkt sich auf verschlüsselte Messenger.

Gedanklich hat Thumann auch schon mit seinem Tod abgeschlossen: Testament, Patientenverfügung und Organspende sind geregelt, und die Firmengeschäfte wurden so strukturiert, dass sie auch ohne ihn weiterlaufen. „Mein Tod ist in dieser Geschichte zumindest einkalkuliert“, meint er nüchtern. Dennoch plagen ihn Albträume. Seit einer Reise in die Ukraine träumt er wiederkehrend davon, dass russische Soldaten in sein Zimmer eindringen. Einmal wachte er auf, weil er sich im Schlaf als Reflex gegen die Wand geworfen hatte.

Leipziger Drohnenfund: Thumann nennt es „normalen Krieg“

Der Fall Thumann reiht sich ein in eine Serie mutmaßlicher russischer Operationen auf deutschem Boden. Besondere Aufmerksamkeit erregte ein Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle. Dort war Anfang August im Sicherheitsbereich zwischen ukrainischen Frachtmaschinen eine mit Sprengstoff präparierte Drohne entdeckt worden. Da die Drohne nicht detonierte, blieb ein größerer Schaden aus. Der Flughafen gilt als zentraler Umschlagplatz für militärische Hilfslieferungen an die Ukraine.

Die Bundesanwaltschaft bewertete das Ereignis als „schwerwiegenden Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur in Deutschland“ und ermittelt wegen des Verdachts des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion sowie des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr. Laut Berichten der Bild-Zeitung, die sich auf Sicherheitskreise beruft, handelte es sich um einen Anschlagsversuch im Auftrag Russlands. Auch Medien wie die Welt am Sonntag und Politico berichteten, die Bundesregierung mache Moskau verantwortlich. Fachleute vermuteten bereits unmittelbar nach dem Vorfall eine hybride Angriffsaktion Russlands.

Schönefeld, Brandenburg, Deutschland, 07.06.2024: ExpoCenter-Airport: Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung Berlin ILA: Drohne Maus DS-M-V1A1 mit einer Granate am Stand von Donaustahl. Auch bezeichnet als Selbstmorddrohne oder Kamikaze-Drohne.

Die Kamikaze-Drohne Maus DS-M-V1A1 von Donaustahl ist für Aufklärungs- wie auch für zielgerichtete Angriffe konzipiert. © Imago

Russische Sabotage in Deutschland: Merz kündigt Reaktion an

Bundeskanzler Friedrich Merz hatte im ARD-Sommerinterview am 30. August bereits eine klare Reaktion angekündigt. „Wir haben eine weitgehende Einigung in der Bundesregierung, wie wir reagieren“, sagte er. Auf die Frage, ob Deutschland überhaupt angemessen reagieren könne, falls Russland ​hinter dem Angriff stecke, sagte Merz: „Warten wir mal ab, ​was angemessen reagieren heißt.“ Außenminister Johann Wadephul betonte am Rande seines Besuchs in Algier: „Von unserer Seite gibt es keine Überreaktionen, aber Reaktionen, wenn wir angegriffen werden.“

Fachleute hatten hinter dem Drohnenangriff in Leipzig ⁠schon unmittelbar danach einen entsprechenden Angriff Russlands vermutet. Der Vorfall hat die Debatte über die Sicherheit der kritischen Infrastruktur ⁠in Deutschland und mögliche Gegenmaßnahmen verschärft. So wuchs im Bundestag der Druck auf die Regierung. Die Grünen forderten Kanzler Merz zu entschlossenerem Handeln auf. „Die Bundesregierung muss endlich aufhören, zögerlich, verdruckst und verzagt zu sein“, sagte Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz. „Leipzig war eine militärische Aktion.“ Er forderte zudem ein wöchentliches Lagebild über russische Geheimdienstaktivitäten in Deutschland sowie verschärfte Visaregeln für russische Staatsbürger.

Dieses Spiel ist erst dann vorbei, wenn einer von uns beiden stirbt.

Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Siemtje Möller sprach sich für Sanktionen gegen die russische Schattenflotte aus. Schärfere Umweltauflagen könnten die Durchfahrt alter Schiffe unter fremder Flagge behindern, mit denen Russland Sanktionen beim Öltransport umgeht. Sie gehe davon aus, dass die Bundesregierung „ein ganzes Bündel an verschiedenen Maßnahmen“ beschließen werde. Linken-Chef Luigi Pantisano sprach sich ebenfalls für verschärfte Sanktionen aus – etwa das Einfrieren von Oligarchenvermögen und Strafmaßnahmen gegen Geheimdienste, „die in Verbindung stehen mit irgendwelchen Sabotage-Akten“. Wichtig sei aber, dass Sanktionen „da ankommen, wo sie hin sollen, und nicht am Ende die Bevölkerung treffen“.

Thumann sieht sein persönliches Schicksal eng verwoben mit dem Verlauf des Ukraine-Krieges

Unterdessen bestätigt der Leipziger Drohnenvorfall den Chef des Drohnenherstellers Donaustahl in seiner Meinung, dass es sich hier nicht mehr um einen hybriden Krieg oder hybride Kriegsführung handele. Den Begriff benutze er gar nicht mehr. Trotz der ständigen Lebensgefahr denkt Stefan Thumann auch nicht daran, seine Arbeit einzustellen oder die Lieferungen an Kiew im Ukraine-Krieg zu beenden. „Da wird man mich auch nicht davon abbringen können“, betont er entschlossen im Podcast von Paul Ronzheimer.

Angst zu zeigen, lehnt er ab: „Ich bin Deutscher und habe keine Angst. Ich empfinde mich als Patriot und glaube, dass keine Angst zu haben in Bezug auf Moskau eine deutsche Pflicht ist.“ Thumann sieht sein persönliches Schicksal mittlerweile eng verwoben mit dem Verlauf des Ukraine-Krieges und dem Schicksal des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Seine Einschätzung der Lage formuliert er unmissverständlich: „Dieses Spiel ist erst dann vorbei, wenn einer von uns beiden stirbt.“ (Quellen: Podcast von Paul Ronzheimer, dpa, AFP, Reuters) (cs)