BMW Umbau: Milan Nedeljković plant Abbau von 8000 Stellen
Am Tag, nach dem BMW die Belegschaft in München auf einer Betriebsversammlung über neue Einschnitte informiert hat, bemüht sich der neue Vorstandsvorsitzende Milan Nedeljković, den Blick zu weiten. Bis zu 8000 ...
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Am Tag, nach dem BMW die Belegschaft in München auf einer Betriebsversammlung über neue Einschnitte informiert hat, bemüht sich der neue Vorstandsvorsitzende Milan Nedeljković, den Blick zu weiten. Bis zu 8000 Stellen, so ist zu hören, will die weiß-blaue Premiummarke abbauen – eine Zäsur für den Konzern, der bislang deutlich besser durch die Krise zu kommen schien als viele Wettbewerber. Für den Neuen an der Spitze geht es aber um weit mehr. Das Tempo in der Entwicklung soll steigen, die ganze Organisation flexibler werden, bis hin zu dem Schritt, mehr Technik und Komponenten zuzukaufen, statt sie selbst zu entwickeln.
„Wir hinterfragen kritisch unsere Arbeitsweise und überprüfen Kernprozesse und Strukturen, die bisher als unantastbar galten“, sagte Nedeljković am Donnerstag. Vieles setze BMW schon um, doch die Analyse gehe weiter. Bis spätestens Ende nächsten Jahres will er das Gesamtpaket auf den Weg bringen.
Damit stehen nun auch die Bayerischen Motorenwerke vor einem tiefgreifenden Umbau. Innerhalb weniger Wochen hatte sich das Management um Nedeljković mit dem Gesamtbetriebsrat auf ein „Personalstrukturprogramm“ geeinigt, das der Konzern nun zügig umsetzen will. Zuletzt war bekannt geworden, dass ein Großteil des geplanten Stellenabbaus auf Deutschland entfallen dürfte. In einer Telefonkonferenz am Donnerstag vermied es der neue Vorstandschef jedoch weiterhin, Details zur Verteilung der geplanten Einschnitte zu nennen. Das Angebot, BMW gegen eine Abfindung zu verlassen, begleite die Neuaufstellung der Organisation, die nun anlaufe, sagte Nedeljković.
Chinageschäft belastet die ganze Autobranche
Dass die Lage äußerst angespannt ist, untermauern die Geschäftszahlen für das zweite Quartal. Wie die beiden anderen deutschen Autokonzerne, Volkswagen und Mercedes, bekommt auch BMW die Umbrüche in China mit Wucht zu spüren. Vor allem wegen des drastischen Rückgangs der Verkäufe in der Volksrepublik ist der Gewinn vor Zinsen und Steuern im zweiten Quartal um mehr als ein Drittel auf 1,6 Milliarden Euro gesunken. Blickt man allein auf die Kernsparte „Automobile“, ist der Einbruch sogar noch stärker: Hier sackte das operative Ergebnis um mehr als 60 Prozent auf 629 Millionen Euro ab. Das führt zur ungewöhnlichen Situation, dass BMW im abgelaufenen Quartal vor Zinsen und Steuern mehr mit seinen Finanzdienstleistungen verdiente als mit der Herstellung von Autos. Der Gewinn in der Autosparte habe die Konsensschätzung der Börsenfachleute getroffen, schrieb Philippe Houchois vom Analysehaus Jefferies am Donnerstag in einer ersten Reaktion. Der Mittelzufluss sei hingegen etwas höher als erwartet. Der Aktienkurs legte leicht zu.
Nedeljković, der den Chefposten in der BMW-Zentrale am Münchner Petuelring im Mai von Oliver Zipse übernommen hatte, kündigte in der Telefonkonferenz einen Kraftakt an, um wieder mehr Gewinn zu machen. „Wir wissen, dass wir das Unternehmen wieder auf einen soliden, nachhaltigen Kurs hin zu der Premium-Profitabilität bringen können, zu der es fähig ist“, sagte er. Ziel sei es, bis zum Beginn des nächsten Jahrzehnts wieder eine operative Umsatzrendite von 8 bis 10 Prozent zu erreichen. Im zweiten Quartal lag die Marge im Konzern bei 5,4 Prozent, im Automobilgeschäft nur noch bei 2,3 Prozent. Das liegt zwar innerhalb des Korridors, den BMW anpeilt, nachdem der Konzern Mitte Juni seine Prognose für 2026 gekappt hatte. Die Zahlen seien jedoch „nicht zufriedenstellend“, so Nedeljković.
In China setzt BMW weiter große Hoffnungen auf seine „Neue Klasse“, eine Generation neuer Elektroautos. Auch in Europa sollen sie das Geschäft auf eine neue Basis stellen, und die Reaktion der Kunden sei gut, hieß es am Donnerstag. So sei BMW auf dem Weg, um für das vollelektrische Premium-SUV iX3 die Marke von 100.000 Bestellungen zu erreichen. Auch die Limousine i3, das zweite Modell der Neuen Klasse, verzeichne unmittelbar nach Beginn einer vorgezogenen Bestellphase im Juni eine starke Nachfrage.
In Summe, so berichtete Finanzvorstand Walter Mertl, seien inzwischen fast ein Drittel aller ausgelieferten Autos in Europa Elektrofahrzeuge. So sei BMW auch auf Kurs, um die CO₂-Emissionsziele der EU im Jahr 2026 abermals zu erreichen. In Amerika legte BMW ebenfalls zu. Für Belastungen sorgten dagegen Einfuhrzölle, die inzwischen sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten fällig werden. Mertl rechnete vor, dass sie BMW im Autogeschäft 1,25 Prozentpunkte Marge gekostet hätten.