(+) Rhein, Donau und auch die Elbe! Hamburgs Strom führt immer weniger Wasser

Hamburg Nicht nur Rhein und Donau betroffen! „Niedrigwasser in der Elbe nimmt dramatisch zu“ Die Süderelbe mit Blick auf die Bahnbrücke in Harburg. Hier ist ein beliebter Angelspot. ...

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(+) Rhein, Donau und auch die Elbe! Hamburgs Strom führt immer weniger Wasser

Hamburg

Nicht nur Rhein und Donau betroffen! „Niedrigwasser in der Elbe nimmt dramatisch zu“

Die Süderelbe mit Blick auf die Bahnbrücke in Harburg. Hier ist ein beliebter Angelspot.
Florian Quandt

Niedrige Wasserstände, hohe Temperaturen und Sauerstofflöcher: Der Elbe geht es in diesem Sommer so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht. Wenn es jetzt wieder heiß wird, droht ein massives Fischsterben.

Das Wasser glitzert in der Sonne, an den sattgrünen Ufern lauern Fischreiher auf Beute und an den Stränden kreischen die Möwen im wilden Flug. Die Elbe zeigt sich gerade von ihrer schönsten Seite. Doch der Eindruck trügt gewaltig. Unter der schönen Oberfläche geht es dem Fluss dramatisch schlecht. Es gibt lauter Negativ-Rekorde zu verzeichnen und mittlerweile ist dadurch bereits jede zweite Fischart in der Unterelbe gefährdet. Aber es gibt auch Profiteure – und die wachsen auf gewaltige Ausmaße an.

Sie japsen und quälen sich, bis sie kläglich ersticken. Mittlerweile ist es fast normal, dass im Sommer in Hamburg sterbende Fische an die Ufer treiben. Doch es passiert immer früher, in diesem Jahr war es bereits ab Juni so weit. In der Hitzeperiode hatte das Wasser teils 28 Grad und der Sauerstoffgehalt lag im kritischen Bereich.

Da gab es bereits tote Aale, Brassen und Störe. Beim Anglerverband heißt es dazu: „Die meisten Fische sterben unbemerkt unter der trüben Wasseroberfläche. Andere überleben zwar, können jedoch in ihrem Wachstum und ihrer Fortpflanzung beeinträchtigt werden.“

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Selbst der Stint gilt mittlerweile als „gefährdet“

Auch die Hamburger Umweltbehörde resümiert, dass es den meisten Fischen in der Unterelbe „mäßig bis schlecht“ geht. Die Hälfte der heimischen Fischarten steht schon auf der Roten Liste. Der Stint wurde kürzlich von „ungefährdet“ auf „gefährdet“ hochgestuft. Die Ursache sind mehrere Faktoren, die sich zu einem wahren Negativ-Strudel entwickeln. Zum einen nehmen laut Umweltbehörde (Bukea) „die Niedrigwasserphasen dramatisch zu“, der Fluss führt einfach zu wenig Wasser.

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Ein zentraler Grund dafür ist der Klimawandel: „Früher wurde insbesondere im März und April sehr viel Wasser als Folge der Schneeschmelze aus den Gebirgen in die Oberelbe eingetragen“, so Bukea-Sprecher Alexander Fricke. Seit fünf bis sechs Jahren gibt es das kaum noch. Zudem regnet es auch immer weniger – auch in Ostdeutschland und Osteuropa, von wo aus die Elbe sich speist.

Trauriger Rekord: Wasserstände in der Elbe immer niedriger

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Niedrige Wasserstände bedeuten aber automatisch wärmeres Wasser, das weniger Sauerstoff binden kann und außerdem langsamer fließt und sich so stärker in der Sonne aufheizt. Das ist ein regelrechter Wachstumsbooster für Algen – sie produzieren zwar Sauerstoff – aber bei sehr hohen Temperaturen wachsen sie sehr stark und sterben dann massenhaft ab. Diese Prozesse verbrauchen zusätzlich Sauerstoff.

Besondere Probleme haben mit den höheren Temperaturen vor allem die typischen Kaltwasserfische im Hamburger Raum. „Sie bekommen Stress, ihr Immunsystem springt an und die verbrauchte Energie fehlt ihnen dann bei der Bewältigung der Hitzefolgen, der Abwehr von Krankheiten oder auch für die Fortpflanzung“, so Fricke. In diesem Jahr wurde bereits im Juni an der Messstation Bunthaus eine traurige Rekord-Temperatur von fast 28 Grad Wassertemperatur gemessen.

Fische laichen früher – doch ihre Nahrung ist noch nicht gewachsen

Seit Urzeiten eingespielte Prozesse geraten aus dem Takt. Das Laichen der Fische etwa hängt von der Wassertemperatur ab. Ist es früher warm, startet auch die Fortpflanzung früher. Auch die Larven schlüpfen früher, doch ihre Futterorganismen sind noch gar nicht da. Denn die richten sich beim Wachstum nach dem Licht und nicht nach der Temperatur. „Dadurch können ganze Kohorten an Nachwuchs sterben.“

Wenn es dem Stint schlecht geht, dann ist die geringste Sorge, dass die Hamburger ihn nicht auf den Teller bekommen. Er ist die Hauptbeute für Seeschwalben, Robben und Seehunde – jetzt zum Ende Juli müssten so langsam die ersten Jung-Stinte im Meer ankommen. Wenn zu viele von ihnen in der Unterelbe im Sauerstoffloch sterben, sind ganze Seeschwalben-Populationen gefährdet.

Für den Fischnachwuchs kann auch die starke Trübung der Elbe tödlich sein. Sie verstärkt zudem das Sauerstoffloch in der Elbe. Sie wird befördert durch die Elbvertiefungen, das ständige Ausbaggern der Fahrrinne und durch hohe Einträge aus der Landwirtschaft (z. B. Stickstoff) und den Klärwerken (Phosphate) in den Fluss.

Klimawandel: In der Elbe bei Hamburg ersticken die Fische

Wie fast überall beim Klimawandel gibt es aber auch hier Profiteure der Erwärmung und ihrer Folgen: Dazu gehört zur Freude vieler Angler der Zander. Er kommt mit den steigenden Temperaturen noch klar und als Lauerjäger spielt ihm trübes Wasser quasi in die Flossen. Der Fachmann hat dafür eine anschauliche Messeinheit, den „catch per unit“: Früher dauerte es drei Stunden, um in Hamburg einen Zander an die Angel zu bekommen, heute ist nur noch eine Stunde dafür nötig.

Zudem vermehren sich Neubürger unter den Fischen ganz besonders schnell, darunter der Wolga-Zander und die Schwarzmaulgrundel. Und die ist ein gefürchteter Laichräuber. „Von denen kann man in der Dove Elbe innerhalb weniger Stunden an die 300 Tiere fangen“, berichten Angler. Beliebtestes Fotomotiv ist der Wels, wenn Angler ihn am Haken haben, denn er ist mittlerweile oft ein beachtlicher Oschi. Der mag warmes Wasser und kommt mit Sauerstoffarmut zurecht. Besonders bei Geesthacht werden gerade immer größere Exemplare aus dem Wasser geholt.