Merz vor der Ablösung? So denken die Deutschen wirklich über einen möglichen Kanzlerwechsel in der Union

StartseitePolitikNeue Umfrage zeigt: Das denken die Deutschen wirklich von einem KanzlerwechselStand: 04.08.2026, 22:01 UhrKommentareUns auf Google folgenFriedrich Merz hat gerade mal gut ein Jahr seiner Kanzle...

  • 5 min read
Merz vor der Ablösung? So denken die Deutschen wirklich über einen möglichen Kanzlerwechsel in der Union

Neue Umfrage zeigt: Das denken die Deutschen wirklich von einem Kanzlerwechsel

Stand: 04.08.2026, 22:01 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Friedrich Merz hat gerade mal gut ein Jahr seiner Kanzlerschaft hinter sich. Doch die Zahl derer, die ihn austauschen würden, nimmt immer mehr zu.

Berlin – Sommerpause lautet die Gegenwart für Friedrich Merz. Doch egal, wie sehr der Bundeskanzler dieser Tage Abstand von den täglichen Regierungsgeschäften sucht: Diese unerfreulichen Zahlen werden ihn sicher erreichen. Laut einer neuen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag vom Stern und von RTL raten 43 Prozent der Teilnehmer CDU und CSU zu einem Kanzlerwechsel. 51 Prozent würden dagegen weiter auf den 70-Jährigen setzen.

Friedrich Merz geht mit Mappe in der Hand und gesenktem Blick von Auto weg

Es läuft alles andere als rund: Über die Zukunft von Bundeskanzler Friedrich Merz wird immer lauter diskutiert. © RALF HIRSCHBERGER / AFP

Konkret lautet die Frage, die den 1000 Befragten am 30. und 31. Juli gestellt wurde: Wenn anstelle von Friedrich Merz jemand anderes aus der Union Bundeskanzler bzw. Bundeskanzlerin wäre, würde das der Union helfen, bei den Wählern wieder an Zustimmung zu gewinnen? Bei einer Erhebung zwei Monate zuvor hatten noch 41 Prozent für einen Tausch an der Spitze der Regierung plädiert, 53 Prozent stimmten dagegen.

Merz vor Ende der Kanzlerschaft? Fast die Hälfte der Union-Wähler für Tausch an Regierungsspitze

Interessant: Den neuesten Zahlen zufolge glauben die Menschen im Westen der Bundesrepublik eher an einen positiven Effekt für die Union durch einen Kanzler-Wechsel als jene im Osten. Im Westen sind 44 Prozent der Befragten für eine Ablösung, im Osten 35 Prozent. Während 46 Prozent der teilnehmenden CDU- oder CSU-Wähler eine solche Personalrochade befürworten, sind es unter den Anhängern von Koalitionspartner SPD sogar 49 Prozent.

Noch höher liegt der Wert lediglich unter den Linke-Wählern. Hier raten 53 Prozent der Union, die Merz-Kanzlerschaft vorzeitig zu beenden. Bei den Anhängern der Grünen sind 47 Prozent dafür. Etwas überraschend stimmen nur 28 Prozent der AfD-Supporter für eine rasche Merz-Ablösung. Das könnte damit zu erklären sein, dass sie entweder keinen für sie geeigneten Nachfolger in den Reihen der Union sehen oder CDU und CSU unabhängig vom Spitzenpersonal auf dem absteigenden Ast vermuten.

Unzufriedenheit mit Merz wächst: Viele Ankündigungen und fragwürdige Personalrochaden

Die Unzufriedenheit mit Merz wuchs während seiner nunmehr knapp 15-monatigen Amtszeit besonders wegen vieler vollmundiger Ankündigungen. So prognostizierte er direkt zum Start, die Bürger würden schon im Sommer 2025 spürbare Veränderungen wahrnehmen, und rief im vergangenen Jahr mehrmals den „Herbst der Reformen“ aus. Auch die wiederholte Kritik an der Arbeitsmoral vieler Deutscher brachte ihm wenig überraschend keinerlei Pluspunkte ein.

Zuletzt sorgten die Personalwechsel innerhalb der Regierung für große Fragezeichen. Zumal der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann zum Gesundheitsminister aufstieg, obwohl der Merz-Vertraute rund ein Jahr zuvor deutlich gemacht hatte, sich in diesem Ressort nicht auszukennen. Die Ablösung von Verkehrsminister Patrick Schnieder zog sich zudem über mehrere Tage hin, was offenbar darin begründet lag, dass der von Merz favorisierte Nachfolge-Kandidat Fritz Güntzler die Übernahme des Amtes ablehnte. Letztlich übernahm Steffen Bilger, zuvor Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Nina Warken, Philipp Amthor, Friedrich Merz und Carsten Linnemann (v.l.) gehen gutgelaunt an einem Busch vorbei

Neue Rollen in der Regierung: Bundeskanzler Friedrich Merz (2.v.r.) berief Nina Warken zur Kanzleramtschefin, ihren Posten als Gesundheitsminister bekam Carsten Linnemann (r.), und Philipp Amthor wurde Staatsminister für die Bund-Länder-Beziehungen im Kanzleramt. © picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Sollte Merz während der Legislaturperiode ausgetauscht werden, würde er wohl als der Bundeskanzler mit der kürzesten Amtszeit in die Geschichte eingehen. Hier liegt bislang Kurt Georg Kiesinger mit 1055 Tagen ganz „vorne“. Merz steht an diesem Dienstag bei 455 Tagen. Jener Kiesinger profitierte seinerzeit von der Unruhe in der Union, die seinem Vorgänger Ludwig Erhard letztlich das Amt kostete. Der damalige Kanzlertausch von Erhard zu Kiesinger dürfte für CDU und CSU jedoch eine Warnung sein, denn drei Jahre später fanden sie sich erstmals in der Opposition wieder.

Sonntagsfrage: Merz und Union verlieren weiter an Boden auf die AfD

Die aktuelle Kanzler-Krise wird jedoch auch vom neuesten Trendbarometer von RTL/ntv untermauert. Von den 2501 Bürgern, die Forsa zwischen dem 28. Juli und dem 3. August befragte, zeigten sich nur 14 Prozent mit der Arbeit von Merz zufrieden. 85 Prozent sehen sein Wirken als Regierungschef kritisch.

Selbst unter den CDU- und CSU-Anhängern ist jeder Zweite unzufrieden, nur 48 Prozent heben den Daumen. Die Zustimmung unter den Wählern der anderen vier im Bundestag vertretenen Parteien ist vernichtend gering: 19 Prozent der SPD-Wähler, neun Prozent der Grünen-Anhänger, drei Prozent der Linke-Wähler und zwei Prozent der AfD-Supporter attestieren dem CDU-Chef gute Arbeit.

Sonntagsfrage

AfD: 28 Prozent

Union: 21 Prozent

Grüne: 16 Prozent

SPD: 12 Prozent

Linke: 12 Prozent

FDP: 4 Prozent

Sonstige: 7 Prozent

Quelle: RTL/ntv-Trendbarometer

Bei der Sonntagsfrage des Trendbarometers vergrößert die Rechtsaußen-Partei derweil ihren Vorsprung an der Spitze und liegt bei 28 Prozent – sieben Prozentpunkte vor der Union. Hinter den Grünen mit 16 Prozent landen SPD und Linke mit jeweils zwölf Prozent. Die FDP würde mit vier Prozent die Rückkehr in den Bundestag verpassen. Im Vergleich zur Vorwoche gewinnt die AfD einen Prozentpunkt hinzu, die Linke verliert einen.

Während die sonstigen Parteien, zu denen auch das BSW zählt, zusammen auf sieben Prozent Zustimmung kommen, bleibt der Anteil der Nichtwähler und Unentschlossenen bei 27 Prozent. Mehr als jeder vierte Wahlberechtigte ist also noch offen oder so politikverdrossen, dass er sein Kreuz verweigert. (Quellen: Forsa-Umfrage für Stern und RTL, RTL/ntv-Trendbarometer) (mg)