Forscher entdecken altes Erbe: Neandertaler-Gen könnte bis heute Muskeln stärken
KI-Stimme. InfoDie Neandertaler sind seit rund 40.000 Jahren ausgestorben – ihr Erbgut lebt jedoch in vielen Menschen weiter. Forscher haben nun eine Genvariante genauer untersucht, die moderne Menschen von ihr...
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KI-Stimme. Info
Die Neandertaler sind seit rund 40.000 Jahren ausgestorben – ihr Erbgut lebt jedoch in vielen Menschen weiter. Forscher haben nun eine Genvariante genauer untersucht, die moderne Menschen von ihren ausgestorbenen Verwandten geerbt haben. Noch heute könnte der sogenannte Wachstumshormonrezeptor bei manchen Menschen Auswirkungen auf den Körperbau haben.
Rezeptor reagiert stärker auf Wachstumshormone
Wachstumshormone werden in der Hirnanhangsdrüse gebildet und über das Blut im Körper verteilt. Sie fördern unter anderem das Wachstum von Muskeln und Knochen. Damit sie wirken können, müssen sie an einen Rezeptor auf der Oberfläche von Körperzellen andocken.
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Genau dieser Rezeptor unterscheidet sich bei der Neandertaler-Variante leicht von der heute am häufigsten vorkommenden Form. Zwei Veränderungen im Eiweißaufbau sorgen offenbar dafür, dass Wachstumssignale besonders effizient an die Zellen weitergegeben werden. Das Hormon selbst ist dabei unverändert – entscheidend ist die stärkere Reaktion des Rezeptors.
Im Labor wachsen Zellen deutlich schneller
Um den Effekt zu überprüfen, statteten die Forscher im Labor gezüchtete Zellen mit den unterschiedlichen Rezeptorvarianten aus. Nach der Zugabe von Wachstumshormon reagierten Zellen mit dem Neandertaler-Rezeptor deutlich stärker: Ihr Wachstum fiel rund 40 Prozent höher aus als bei Zellen mit der heute verbreiteten Variante.
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Die Wissenschaftler betonen allerdings, dass sich dieser Laborwert nicht direkt auf den menschlichen Körper übertragen lässt. Er zeigt lediglich, wie unterschiedlich die Zellen unter kontrollierten Bedingungen auf das Hormon reagieren.
Daten von mehr als einer Million Menschen ausgewertet
Ob sich dieser Effekt auch im Alltag nachweisen lässt, überprüfte das Team anhand genetischer und medizinischer Daten von mehr als einer Million Erwachsenen.
Dabei zeigte sich: Menschen mit der Neandertaler-Variante verfügten im Durchschnitt über rund 270 Gramm mehr Muskelmasse als Personen ohne diese Genvariante.
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Nach Einschätzung der Forscher ergänzen sich damit die Ergebnisse aus Labor und Bevölkerungsstudien. Während die Zellversuche eine stärkere Reaktion auf Wachstumshormone zeigten, fanden sich in den Daten realer Menschen messbare Unterschiede beim Körperbau.
Effekt zeigt sich offenbar erst im Erwachsenenalter
Bei Kindern ließ sich dieser Zusammenhang dagegen nicht nachweisen. Das Forschungsteam wertete dafür die Daten von mehr als 6000 Kindern aus. Bis zum Alter von elf Jahren fanden sich keine messbaren Unterschiede.
Die Wissenschaftler vermuten deshalb, dass der Effekt erst mit der Pubertät einsetzt. In dieser Lebensphase steigt die Ausschüttung von Wachstumshormonen deutlich an – ein empfindlicherer Rezeptor könnte dann stärker ins Gewicht fallen. Wann genau dieser Einfluss beginnt, ist allerdings noch unklar.
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Vor allem in Süd- und Ostasien verbreitet
Die Genvariante gelangte nach Einschätzung der Forschern vor rund 47.000 Jahren durch die Vermischung von modernen Menschen mit Neandertalern in das Erbgut des Homo sapiens.

Heute ist sie regional sehr unterschiedlich verbreitet. In Europa tragen sie nur etwa 0,5 Prozent der Menschen. In Teilen Süd- und Ostasiens kommt sie deutlich häufiger vor, in einigen südasiatischen Bevölkerungsgruppen bei bis zu 24 Prozent.
Auch Kiefer und Zähne unterscheiden sich leicht
Neben der Muskelmasse fanden die Forscher weitere kleine Unterschiede. Träger der Genvariante hatten im Durchschnitt etwas kürzere Zahnwurzeln und einen leicht verkürzten hinteren Bereich des Unterkiefers. Beide Merkmale erinnern an Eigenschaften, die auch von Neandertalern bekannt sind.
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Die Wissenschaftler weisen jedoch darauf hin, dass die Genvariante nur einen kleinen Beitrag zum Körperbau leistet. Wie viel Muskelmasse ein Mensch entwickelt, hängt von zahlreichen weiteren Faktoren ab – darunter andere Gene, Ernährung, Bewegung, Alter und der Hormonhaushalt.