Nach Syrien verlassen die US-Truppen nun auch den Irak
Neuer Naher Osten Nach Syrien verlassen die US-Truppen nun auch den Irak Aus den syrischen Kurdengebieten hat sich die US-Armee bereits im April zurückgezogen, nun ist der kurdisch-irakische Norden an ...
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Neuer Naher Osten
Nach Syrien verlassen die US-Truppen nun auch den Irak
Aus den syrischen Kurdengebieten hat sich die US-Armee bereits im April zurückgezogen, nun ist der kurdisch-irakische Norden an der Reihe
Analyse
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Gudrun Harrer
Politisch geht im Nahen Osten nichts weiter, zumindest nicht nach den Wünschen der USA: Sowohl die Umsetzung des Gaza-Plans als auch eine Normalisierung am Persischen Golf sind in weiter Ferne. Aber Washington bemüht sich um militärische Konsolidierung und schickte vergangene Woche den Kommandanten des für die Region militärisch zuständigen Central Command (Centcom), Admiral Brad Cooper, auf eine große Tour. Sie führte ihn zehn Tage lang durch Israel, Irak, Jordanien, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain.
Zuletzt machte Cooper auch Station auf dem Flugzeugträger USS Lincoln im Arabischen Meer. Die Lincoln ist zum Symbol der militärischen Überdehnung der USA im Iran-Krieg geworden: Sie ist seit rund 270 Tagen, weit über die übliche Zeit, im Einsatz. Es wird von psychischen und physischen Problemen der Besatzung, von Hygiene- und Versorgungsmängeln berichtet, die laut New York Times von einem iranischen Angriff auf die US-Marinebasis in Bahrain schon zu Kriegsbeginn mitverursacht worden sein sollen.
Nach Coopers Besuch in Israel berichteten israelische Medien – begierig aufgegriffen in Social Media –, der Centcom-Chef habe sich für eine Fortsetzung der Angriffe auf den Iran, inklusive iranische Infrastruktur, ausgesprochen, unter Beteiligung Israels. Centcom-Sprecher Tim Hawkins bezeichnete dies jedoch später auf Anfrage des israelischen Senders i24News als "regelrechte Erfindung".
Aber die Region hat Angst vor einer Fortsetzung des Kriegs. Auch wenn die arabischen Staaten über den derzeitigen Stand der Auseinandersetzung entsetzt sind – die Islamische Republik hat nicht nur überlebt, sondern ist aggressiver geworden und will die Spielregeln am Golf neu schreiben –, hat kaum jemand Vertrauen in die US-Fähigkeiten, die Lage schnell umzudrehen.
Mit oder ohne die USA?
Die große Analyse-Frage ist derzeit, ob die Suche der regionalen Staaten nach einer neuen Sicherheitsarchitektur in Abstimmung mit den USA stattfindet oder vielmehr an ihnen vorbeilaufen. Das wichtigste Beispiel dafür ist der am 7. August unterzeichnete Mekka-Pakt, ein Verteidigungs- und Beistandsbündnis – Details unbekannt – zwischen Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan. Ist er ein Zeichen der Frustration über Washington, der Abkehr der Region von der engen Partnerschaft mit den USA? Oder lagern die USA Sicherheit an Staaten aus, mit denen sie zusammenarbeiten, und orchestrieren das Ganze, während sie sich selbst zurückziehen?
Admiral Coopers Treffen in Jordanien war dem Management gleich zweier militärischer US-Abzüge gewidmet: dem aus Syrien, der sang- und klanglos im April erfolgte; und dem aus dem Irak, der Ende September abgeschlossen sein soll. Damit läuft die US-Präsenz auf dem Boden in den beiden Ländern offiziell aus. Sie hatte 2014 angesichts des Siegeszugs des "Islamischen Staats" (IS) begonnen. In Syrien ohne, in Bagdad mit Zustimmung der damaligen Führung.
Generalstabschefs unter sich
Formell diente Coopers Treffen mit den Generalstabchefs aus Syrien, dem Irak, der irakischen Peshmerga und des Gastgebers Jordanien der Übergabe des gemeinsamen Kommandos der Anti-IS-Mission, das immer ein US-General innehat. Aber die USA bemühen sich um eine neue Kooperation und Koordination der syrischen und der irakischen Sicherheitskräfte besonders im Grenzgebiet. Und das lange an den strategischen Rand gedrängte Jordanien wird als Gastgeber von US-Truppen derzeit immer wichtiger.
Syrien und den Irak zusammenzubringen, ist auch eine politische Herausforderung: Der syrische Interimspräsident Ahmed al-Sharaa gehörte einst zu jenen Al-Kaida-Kämpfern, die in den Irak zogen, um nicht nur die USA, sondern auch die neue irakische Führung zu bekämpfen. Das Vertrauen Bagdads in Damaskus nach dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 war also nicht besonders ausgeprägt. Aber Sharaa ist und war seit Jahren ein Mann der USA, wenn es darum geht, den "Islamischen Staat" zu bekämpfen.
In Syrien findet derzeit eine große Neustrukturierung der Sicherheitskräfte statt: Die USA unterstützen Damaskus bei der Integration der Milizen in die Armee, auch auf Kosten ihrer alten Verbündeten, der linksprogressiven syrischen Kurden. Immerhin wird auch die irakisch-kurdische Führung beigezogen: Der Präsident der Regionalregierung in Erbil, Nechirvan Barzani, war kürzlich bei Sharaa in Damaskus. Dabei ging es auch um die für die Kurden wichtige Frage, wie gewisse SDF-Strukturen innerhalb der syrischen Armee erhalten werden können.
Auch die Türkei macht mit
Mit der Auflösung der SDF wird nebenbei eine alte Forderung der Türkei erfüllt, die in den kurdischen Milizen immer nur einen Arm der PKK sah. Ihrerseits muss aber auch Ankara etwas liefern. Das zeigt das soeben vom Parlament verabschiedete Gesetzespaket, das früheren PKK-Angehörigen erlauben soll, in die Türkei zurückzukehren.
Im Irak hat sich die US-Armee bereits im ersten Halbjahr vom arabischen Teil in den kurdischen Norden zurückgezogen. Aber auch dort wird sie ihre Präsenz zumindest formell beenden. Die irakische Regierung hat ihrerseits zugesagt, dass sie die Iran-loyalen schiitischen Milizen entwaffnen will. Ob diese – und Teheran – mitspielen, wird sich zeigen. (Gudrun Harrer, 17.8.2026)
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