Nach Lungen-OP: Eine Arzt-Anweisung kann Mette-Marit nur schwer erfüllen

KI-Stimme. InfoDie Ruhe genießen und jeden Stress vermeiden: Eine Kronprinzessin sollte das wohl hinbekommen, was für Normalsterbliche nach der Klinikentlassung oft gar nicht zu machen ist. Aber Mette-Marit (52...

  • 6 min read
Nach Lungen-OP: Eine Arzt-Anweisung kann Mette-Marit nur schwer erfüllen

KI-Stimme. Info

Die Ruhe genießen und jeden Stress vermeiden: Eine Kronprinzessin sollte das wohl hinbekommen, was für Normalsterbliche nach der Klinikentlassung oft gar nicht zu machen ist. Aber Mette-Marit (52), die vor etwa einem Monat nach ihrer Lungentransplantation aus der Klinik entlassen wurde, muss weder kochen noch einkaufen noch das Bad putzen. Norwegens Royal kann sich zurückziehen, pflegen lassen, alle Termine absagen und einfach nur gesund werden. Doch die nötige Ruhe wird empfindlich gestört. Dafür sorgt ihr Erstgeborener, Marius Borg Høiby, der seinen Hausarrest mit Fußfessel nicht im Gefängnis, sondern auf dem royalen Anwesen verbringt.

Newsletter Illustration

Soeben erst wurde sein Aufenthalt auf dem Schloss mit Park und Pool noch verlängert: Das Bezirksgericht in Oslo entschied Anfang der Woche, dass Marius, der im Juni unter anderem wegen zwei Vergewaltigungen sowie Gewalt gegen eine Ex-Freundin zu vier Jahren Haft verurteilt wurde, weitere vier Wochen in Untersuchungshaft bleiben muss. Die U-Haft verbringt er daheim, also auf Schloss Skaugum, dem offiziellen Wohnsitz des norwegischen Kronprinzenpaares Haakon und Mette-Marit, die er im Nachbarschloss besuchen darf.

Lesen Sie auch

Mit Fußfessel im royalen Park – Privilegien für Marius sorgen für Wirbel

Dass Marius nun auf dem wunderschönen Gut, etwa 20 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Oslo am Fuße des Berges Skaugumsåsen gelegen, herumschlendert, schlägt in Norwegen allerdings Wellen. Inhaftiert auf einem royalen Wohnsitz, klinge doch ganz nach einer Art privilegierter „Zwangs-WG“, hieß es schnell. Laut der Zeitung „SE og HØR“ finde seine Haft unter äußerst luxuriösen Bedingungen statt: Marius Borg Høiby könne „auf einem mehrere Hundert Meter großen Areal des Anwesens nach Herzenslust herumtollen“.

Normalerweise, so heißt es, dürfen Untersuchungshäftlinge in Norwegen, die Fußfesseln tragen, sich in ihrer Wohnung oder ihrem Haus frei bewegen, jedoch nicht in einem Bereich von mehreren Hundert Metern. Marius hingegen könne im weitläufigen Garten flanieren und die schönen Außenanlagen und Einrichtungen des Anwesens nutzen. Laut Medienberichten haben die norwegische Polizei und der dänische Gefängnis- und Bewährungsdienst das Grundstück genauestens vermessen, um sicherzustellen, dass Høiby die elektronische Grenze nicht überschreitet. Ansonsten geht der Alarm los.

Norweger verärgert: „Schlag ins Gesicht der Frauen, denen er Gewalt angetan hat“

Was der royale Spross alles darf, darüber sprach die norwegische Zeitung „VG“ mit Tor Erik Larsen, dem Vorsitzenden der Gewerkschaft des Strafvollzugsdienstes. Dass er sämtliche ihm zur Verfügung stehenden elektronischen Geräte nutzen kann – klar, das darf jeder, der mit Fußfessel zu Hause ist. Ist also kein Aufreger. Aber dass er, wie Medien berichteten, Freunde zum Grillen einlädt und Partys schmeißt? Eigentlich müsse das Gericht das ausdrücklich erlauben. Aber wer soll das kontrollieren, so Tor Erik Larsen. Niemand halte vor dem Anwesen Wache. „Theoretisch kann er eine Party feiern“, so Larson. Nur Betrinken, das sei strengstens verboten und würde auch kontrolliert.

Marius Borg Høiby at Sakugum

Marius Borg Høiby, hier bei einem Freundschaftsfußballspiel auf Skaugum im Jahr 2022, wo er jetzt seine U-Haftstrafe mit Fußfessel verbüßt.© picture alliance / NTB | Lise Åserud

Die komfortablen Lebensumstände des Problemsohnes lösen bei den Norwegern kräftige Royal-Allergien aus. Königshaus-Experte Michael Begasse sagt es in einem Interview mit web.de so: „Wir sprechen hier also von keiner Zweizimmerwohnung ohne Balkon. Und das sorgt in Norwegen für Kopfschütteln und bei den Opfern seiner Taten möglicherweise auch für völliges Unverständnis.“ Und mit Fußfessel feiern hat dann wohl auch ein gewisses Geschmäckle. Die „Partys“ seien wohl auch, so Begasse, „ein Schlag ins Gesicht der Frauen, denen er Gewalt angetan hat“.

Das Ganze wirft ein weiteres schlechtes Licht auf die Royals und befeuert abermals die Krisenstimmung. Denn der Zuspruch vor allem für Mette-Marit ist nach Bekanntwerden ihrer Verwicklungen in der Epstein-Affäre ohnehin auf einem gefühlten Nullpunkt angekommen. Insgesamt unterstützen nur noch rund 60 Prozent der Norweger die Monarchie, was einen historischen Tiefpunkt darstellt und die Royals unter Druck setzt.

Was Schonung für Mette-Marit bedeutet: Experte klärt auf

Dabei sollte doch jeglicher Wirbel vermieden werden. Der Chef der Lungenabteilung im Rikshospitalet, der Universitätsklinik in Oslo, hatte bei Mette-Marits Entlassung nach der Lungentransplantation unbedingte Schonung verordnet, damit sich ihr Zustand stabilisiere. Im Normalfall dauere es oft etwa ein Jahr.

  • Deutschland: Xenia von Sachsen – Die Prinzessin, die einst angespuckt wurde
  • England: Lady Louise – Sie ist die Geheimwaffe von König Charles
  • Luxemburg: Angst im Palast? Großherzogin Maria Teresa in der Kritik
  • Thailand: Die reichste Prinzessin der Welt, die kaum jemand kennt

Nach ihrem Klinikaufenthalt hat man Mette-Marit nur einmal öffentlich gesehen, ganz privat, auf dem Sofa im Schloss, als Norwegen bei der Fußball-WM gegen Brasilien gewonnen hatte. Dass sie jeden Tag nur still im Sofa sitzt, ist wohl eher nicht der Fall. Denn Schonung sei nicht mit Untätigkeit gleichzusetzen, sagt Lungenexperte Dr. Markus Kamler dieser Redaktion. „Bewegung ist absolut wichtig, wenn der Betroffene dazu in der Lage ist“, so der Leiter der Abteilung für thorakale Transplantation am westdeutschen Zentrum für Organtransplantation des Universitätsklinikums Essen.

Vor allem müsse die Atemmuskulatur durch ein gezieltes Atemtraining trainiert werden, „damit sich die Lunge gut entfalten kann“, erklärt er. Die Lunge sei in einer „Eisbox“ geliefert worden, deshalb brauche sie Zeit, bis sie sich komplett ausgedehnt habe und damit voll funktionstüchtig sei. „Diesen Prozess kann man unterstützen mit Übungen aus der Physiotherapie.“

Kronprinzessin Ingrid Alexandra steht ihrer Mutter bei

Patienten würden, so der Facharzt, nach und nach auch ein Ausdauertraining aufnehmen. „Also Spazierengehen, Radfahren. In den ersten sechs Wochen sollte es noch etwas brustkorbschonend sein, aber danach, wenn nach etwa acht Wochen alles fest angewachsen ist, ist jede Bewegung erlaubt. Auch Brustschwimmen.“ Nach einem Jahr etwa könne man wieder ein ganz normales Leben führen. Und das tun, was man vorher auch getan hat. „Ich kenne einen Transplantierten, der mit dem Rad die Alpen überquert hat“, so Kamler. Allerdings müssten Betroffene besonders vorsichtig beim Aufenthalt in der Sonne sein. „Durch das heruntergefahrene Immunsystem besteht das Risiko von Hauttumoren. Eine regelmäßige Hautkontrolle ist daher sehr wichtig.“

Auch interessant

Norway National Day

Ganz oben in Sachen Gesundheit stehe natürlich auch die Psyche, da sind sich die Experten einig. Familiäre Unterstützung ist also gefragt. Ehemann Haakon, der als großer Kümmerer gilt, muss allerdings die royalen Pflichten erfüllen. Und der jüngste Sohn, Prinz Sverre Magnus (20), wird Oslo bald verlassen: Fürs Studium im Fach Business Management verschlägt es ihn zunächst nach Lissabon und dann nach Paris und Berlin.

Immerhin hat Mette-Marit eine echte Stütze an ihrer Seite: ihre Tochter Ingrid Alexandra (22). Als die Operation ihrer Mutter anstand, hatte die junge Frau Sydney verlassen und war in ihre Heimat zurückgereist. Als Austauschstudentin kann sie nun erst mal an der sozialwissenschaftlichen Fakultät in Oslo weiterstudieren. Das Verhältnis von Mutter und Tochter gilt übrigens als äußerst stabil. Für Ingrid Alexandra ist Mette-Marit offenbar so etwas wie eine Freundin. Wie sie einmal sagte: „Wir können zusammen auf der Couch liegen und ,Sex and the City‘ gucken.“