Frauen-Fussball: Martina Voss-Tecklenburg stürzte nach dem WM-Debakel ab. Jetzt startet sie neu im FCZ
Als Nationaltrainerin der Schweiz und von Deutschland war die Trainerin hochgelobt – bis sie nach dem WM-Debakel 2023 entlassen wurde. Für die Schweiz ist ihre Rückkehr eine gute Nachricht.
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Nach ihrem Absturz trat Martina Voss-Tecklenburg in Unterhaltungsshows auf – jetzt lanciert sie im FCZ ihre Karriere neu
Als Nationaltrainerin der Schweiz und von Deutschland war die Trainerin hochgelobt – bis sie nach dem WM-Debakel 2023 entlassen wurde. Für die Schweiz ist ihre Rückkehr eine gute Nachricht.
23.08.2026, 05.30 Uhr
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Eine starke Stimme für den Schweizer Frauen-Fussball: Martina Voss-Tecklenburg.
James Gourley / Shutterstock / Imago
Im Juni 2025 sagte Martina Voss-Tecklenburg in der NZZ: «Auf der Arbeitsebene muss ich mich nicht mehr beweisen.» Sie sprach von Angeboten aus dem Ausland, die sie anders als vor zehn Jahren abgelehnt habe. Sie finde, sie müsse nicht mehr alles machen.
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Seit einer Woche weiss man, was sie nicht machen muss, aber will. Im Oktober wird die 58-Jährige den FCZ Frauen übernehmen, der zurzeit interimsmässig vom technischen Direktor Alessandro Mangiarratti betreut wird. Das klingt zunächst nach einem Coup des FCZ, der in der vergangenen Saison im enttäuschenden fünften Rang platziert war. Voss-Tecklenburg war Schweizer Nationaltrainerin, bevor sie das deutsche Frauen-Nationalteam übernahm; eines der besten der Welt in einem Land, das den Fussball ernst nimmt. Ohne dem FCZ oder der Schweizer Liga zu nahe zu treten: Von diesem Niveau sind sie weit entfernt.
Voss-Tecklenburg betont immer, dass sie die Schweiz mag; bei SRF trat sie an der Frauen-EM vor einem Jahr als Expertin auf. Und mit der früheren Schweizer Eishockey- und Fussballinternationalen Kathrin Lehmann hat sie in Zürich Fussballcamps für Mädchen durchgeführt. Doch es ist wohl weniger die Nähe zu dem Land als der Bruch in ihrem Leben, der sie in die Schweiz zurückbringt.
Persönliche Krisen wurden öffentlich verhandelt
Voss-Tecklenburg hatte immer Drive; sie selbst bezeichnet sich als «Power- und Stehaufmenschen». Wo sie war, ging sie «all in». Unkonform zu sein, hat ihr so wenig Angst gemacht wie eine direkte Ansprache. Auch persönliche Probleme wurden öffentlich verhandelt, etwa als sie in ihrer Zeit als Spielerin aus dem deutschen Nationalteam ausgeschlossen wurde.
Voss-Tecklenburg war damals mit Inka Grings zusammen, ebenfalls eine Nationalspielerin. Diese hatte offenbar eine Affäre. Die damalige Nationaltrainerin löste die Situation, indem sie Voss-Tecklenburg nach Hause schickte. Über die Verletzung sprach diese genauso wie über die Erfahrungen als junge alleinerziehende Mutter, die Fussball auf höchstem Niveau spielt und noch einen Beruf ausübt.
Mit ihrer Power, Erfahrung und dem Sachverstand hat sie den Schweizer Frauen-Fussball auf ein neues Niveau gehoben und wesentlich zum Aufbau von professionellen Strukturen beigetragen; 2015 qualifizierte sich die Schweiz erstmals für ein grosses Turnier, die WM in Kanada. Der nächste Schritt war nur logisch: 2018 wurde Voss-Tecklenburg deutsche Frauen-Bundestrainerin.
Sie startete mit Schwung. 2022 erreichte das Team überraschend den EM-Final, den es erst in der Verlängerung gegen die englischen Gastgeberinnen verlor. Deutschland war begeistert. Voss-Tecklenburg wurde als Architektin des neuen deutschen Selbstverständnisses gelobt. Ihr wurde etwa im «Spiegel» beschieden, dass sie «nicht nur taktisch analysieren, sondern eine Mannschaft emotional packen und ein ganzes Land mitreissen kann».
Umso härter war der Aufprall im darauffolgenden Sommer. Deutschland schied an der WM in Australien und Neuseeland bereits in der Gruppenphase aus. Wie stark es geknirscht hatte in der Delegation, wurde nun gnadenlos seziert. Das abgelegene Camp, die späte Kaderbekanntgabe, hilflose taktische Entscheide, mangelnde Kommunikation: Es war das Bild eines Debakels. Die Beziehung zwischen Trainerin und Team schien unwiederbringlich zerrüttet.
Voss-Tecklenburg tauchte ab, wurde krankgeschrieben. Wie schlecht es ihr in den Wochen nach dem verpatzten Turnier ging, drang nur gerüchteweise an die Öffentlichkeit. Später sprach sie von einem totalen Zusammenbruch, begleitet von Panikattacken und Schlaflosigkeit. Sie erzählte, wie der Job sie schon jahrelang ausgelaugt habe, von Nächten mit kaum Schlaf und einem Gedankenkarussell, das nicht zu bremsen gewesen sei. In diese Zeit fiel auch das Insolvenzverfahren um das Bauunternehmen ihres Mannes Hermann Tecklenburg.
Noch in der Erholungsphase hielt sie zwei Vorträge, einen beim Bayerischen Zahnärztetag über «Change Management im Frauenfussball» – ein Fehler, wie sie später zugab. Spielerinnen zeigten sich irritiert, sie warteten immer noch auf eine Aussprache mit der Trainerin, eine Aufarbeitung des WM-Debakels hatte es nicht gegeben. Anfang November 2023 wurde der Vertrag mit ihr aufgelöst.
Kraft und Kontrolle verloren
Der Bruch mit dem DFB, der Wandel des öffentlichen Bildes von der dynamischen, strahlenden Bundestrainerin zur überforderten Kranken war ein brutaler Einschnitt. Die Powerfrau, die immer allem gewachsen schien, hatte Kraft und Kontrolle verloren. Es wurde ruhig um sie in Deutschland. Bis sie im Frühling 2025 überraschend ausserhalb des Fussballkontextes wieder auftauchte. Voss-Tecklenburg war Kandidatin in der RTL-Unterhaltungsshow «Die Verräter», einem Mix aus Krimi und psychologischen Manövern. Im Jahr darauf trat sie in der Kochshow «Promi Taste» auf.
Nun kann es ein Alarmzeichen sein, wenn Prominente ausserhalb ihres Fachgebiets Aufmerksamkeit suchen. Voss-Tecklenburg sagte in dem Gespräch im vergangenen Jahr, sie reize die Herausforderung, sie liebe es zu spielen und Neues auszuprobieren. In den letzten Monaten hielt sie zudem Referate und trainierte Kinder in der von ihr gegründeten Fussballschule. Die Frage, welche Alternativen zu der Stelle in Zürich sich ihr in den vergangenen drei Jahren geboten hatten, bleibt unbeantwortet; Voss-Tecklenburg lässt über den FCZ ausrichten, dass sie bis zum Stellenantritt am 1. Oktober keine Interviews gebe. Auch der Verein äussert sich erst dann zu den Umständen der Anstellung.
Für die Schweizer Liga ist ihre Rückkehr ins Trainermetier ein Gewinn. Sie kann nicht nur von der Fachkenntnis und Erfahrung der Trainerin profitieren, sondern mindestens ebenso von der Aufmerksamkeit, die ihr Name bringt. Ein Jahr nach der berauschenden Heim-EM kämpft die Frauen-Liga zwar nach wie vor mit Problemen, weder können die meisten Spielerinnen vom Fussball leben, noch bietet sie jungen Talenten eine Perspektive zur Weiterentwicklung. Doch zumindest bei den Akteurinnen setzt sich der Trend der Aufwertung fort.
Nach Ramona Bachmann Anfang Jahr sind weitere Nationalspielerinnen zurückgekehrt, zuletzt Luana Bühler, die ebenfalls zum FCZ gestossen ist. Neben der charismatischen Imke Wübbenhorst von YB hat der Schweizer Frauen-Fussball mit Voss-Tecklenburg eine weitere starke Stimme gewonnen.
Martina Voss-Tecklenburg wäre nicht sie selbst, wenn sie eine Krise nicht auch als Entwicklungschance sehen würde. Vor einem Jahr sagte sie: «Ich habe so viel Energie in alle Themen reingegeben, vierzig Jahre lang gepowert – dass man sich trotzdem selber nicht vergessen darf, ist sicherlich das grösste Learning.» Sie wollte die Krise nicht als Geschenk verstanden haben, das höre sich «etwas doof» an: «Aber ohne sie wäre mir vielleicht dieser neue Blick nicht vergönnt gewesen.» Auf die Frage, was eine frühere Bundestrainerin überhaupt noch machen könne, sagte sie: «Alles.» Der FCZ hat es gerne gehört.
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»
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