(+) Handgranaten-Anschlag: Neue Spur in die Security-Branche
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Polizei
Nach Handgranatenanschlag in Hamburger City – steckt ein Machtkampf unter Security-Firmen dahinter ?
Nach der Handgranaten-Explosion in der City sitzen vier Tatverdächtige in U-Haft. Jetzt gibt es erste Hinweise auf das Motiv.
Nach dem Handgranatenanschlag auf ein Geschäft für Herrenmode in der Hamburger City Ende Juli ermittelt das LKA mit Hochdruck. Inzwischen erließ ein Richter Haftbefehl gegen vier mutmaßliche Tatbeteiligte, sie sitzen in U-Haft. Nach MOPO-Informationen könnte die Spur in die Security-Branche führen.
Ein ohrenbetäubender Knall hallte in der Nacht zum 31. Juli durch die Mönckebergstraße. Die Scheiben im Eingangsbereich des Herrenausstatter Braun zersplitterten, weitere wurden von Splittern durchlöchert. Kurz darauf stand fest: Vor dem Geschäft war eine Handgranate explodiert.
Ein Sprengmeister des LKA sowie Kripo-Beamte sicherten bis in die Nacht Spuren. An dem Geschäft entstand hoher Sachschaden. Das Unternehmen antwortete auf MOPO-Nachfrage, dass man erleichtert sei, dass keine Person zu Schaden kam. „Unsere Mitarbeitenden sowie unsere Kundinnen und Kunden sind in Sicherheit.“ Zu möglichen Hintergründen wolle man sich nicht äußern.
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Steckt ein Machtkampf unter Security-Firmen hinter dem Anschlag ?
Nach MOPO-Informationen könnte es sich bei dem Vorfall um den vorläufigen Höhepunkt eines erbitterten Machtkampfes unter Security-Firmen handeln. „Jeder will ein gutes Objekt bewachen dürfen oder den Sicherheitsdienst im Laden stellen“, erfuhr die MOPO von einem Insider. Kein Wunder, denn die Marge ist für die Sicherheitsfirmen enorm.
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Sie verlangen hohe Preise für die Sicherheit ihrer Kunden, bezahlen ihren Mitarbeitern aber oft nur Dumpinglöhne. In Zeiten von vermehrten Ladendiebstählen, die häufig auch von organisierten Gruppen begangen werden, haben Kaufhäuser und Geschäftsinhaber ein großes Interesse daran, die Verluste mithilfe von Security einzudämmen. Ganz verhindern lassen sie sich nicht.
Es gibt kaum noch Unternehmen, Ladenketten und kleine Shops, die keine Security haben. An Einkaufsmeilen wie der „Mö“ und dem Neuen Wall und in Einkaufszentren sind die Sicherheitsdienste gefragt. Nun soll unter den Security-Firmen ein Kampf um die besten Objekte entbrannt sein.
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Schutzgelderpressung: „Dunkelziffer ist sehr hoch“
Möglich ist aber auch Schutzgelderpressung. „Geschäftsinhaber, die nicht zahlen oder Security bestellen wollen, werden von schwarzen Schafen der Branche gezielt unter Druck gesetzt“, so der Insider. „Dabei werden die Ladenbesitzer bedroht oder es werden Sachbeschädigungen in den Geschäften angezettelt.“
Das Bundeskriminalamt beschäftigt sich häufig mit zunehmender Schutzgelderpressung. Laut einem Sprecher gestalten sich die Ermittlungen aber häufig schwierig, weil Opfer aus Angst vor weiteren Übergriffen nicht reden oder den Vorfall gar nicht erst zur Anzeige bringen. Die Dunkelziffer bei diesen Delikten beschreibt der Sprecher als sehr hoch.
Handgranate auf der Mö: Vier Tatverdächtige in U-Haft
Aus Polizeikreisen erfuhr die MOPO, dass die Security-Branche bei den Ermittlungen zu den Hintergründen des Granatenanschlages zwar durchaus eine Rolle spielen könnte, aber: „Wir schließen auch andere Hintergründe nicht aus.“
Vier Tatverdächtige, die kurz nach der Explosion in einem bereitgestellten Auto geflüchtet waren, konnten kurz nach der Tat auf einer Autobahn in Mecklenburg-Vorpommern gestoppt und vorläufig festgenommen werden.
Laut einem Polizeisprecher wurden die Männer im Alter von 19 bis 20 Jahren inzwischen nach Hamburg überführt. Ein Richter erließ Haftbefehl gegen die zwei Deutschen, einen Spanier und einen Nigerianer. Sie sitzen in U-Haft und schweigen.
„Wer sich auskennt, weiß, welche Leute häufig hinter den Security-Firmen stecken“, sagt der Informant zur MOPO. „In diesem Milieu redet man nicht mit den Bullen.“ Mangelnde Kontrollen solcher Betriebe durch Behörden würden den Betreibern ihre Geschäfte erleichtern.
Kriminelle Strukturen im Geschäft mit den Sicherheitsdiensten
Bislang seien die Machenschaften der Betreiber eher im Verborgenen geblieben. Andere Insider, mit denen die MOPO gesprochen hat, befürchten, dass der Vorfall an der „Mö“ der Auftakt zu weiteren Auseinandersetzungen war. In deren Verlauf könnte es auch Verletzte geben.
Thomas Pütz, Vorstandsvorsitzender des Branchenführers Pütz Security, sieht die Entwicklung mit großer Sorge. Schutzgelderpressungen, die auch eskalieren können, hält er für möglich: „Es gibt schwarze Schafe, und die sind dort wo man sie nicht haben will. Und darunter leidet die Branche der überwiegend seriösen Sicherheitsdienste.“
Helfen würde verstärkte Kameraüberwachung, aber dafür seien die Hürden sehr hoch. Er fordert mehr Vor-Ort-Kontrollen der Mitarbeiter der Security-Firmen beziehungsweise ihrer Sub-Unternehmen.
Bundesverband fordert regelmäßige Überprüfungen der Sicherheitsfirmen
Silke Zöller vom Bundesverband der Sicherheitswirtschaft erklärt, dass die Anforderungen zum Führen eines Sicherheitsunternehmens nicht besonders hoch seien. Es genüge ein Gewerbeschein, eine 40-stündige Schulung sowie eine Zuverlässigkeitsprüfung durch das zuständige Bezirksamt. „Spätere, regelmäßige Überprüfungen der Firmen sowie derer Mitarbeiter durch zuständige Behörden sind ausbaufähig“, so Zöller.
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