Nach Eigenbedarfskündigung: Bezahlbar und barrierefrei – Die verzweifelte Suche nach einem neuen Zuhause
Karin und Peter müssen ihre Wohnung in Wittlich wegen Eigenbedarfs des Vermieters verlassen. Eine neue Bleibe zu finden, ist für die beiden schwierig – und die Zeit läuft ihnen davon.
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Nach Eigenbedarfskündigung Bezahlbar und barrierefrei – Die verzweifelte Suche nach einem neuen Zuhause
Wittlich · Karin und Peter müssen ihre Wohnung in Wittlich wegen Eigenbedarfs des Vermieters verlassen. Eine neue Bleibe zu finden, ist für die beiden schwierig – und die Zeit läuft ihnen davon.
21.08.2026 , 08:01 Uhr
Die Freunde Peter M. und Karin B. sitzen in der Wohnung, die ihnen wegen Eigenbedarfs gekündigt wurde – zu Besuch ist der Hund ihrer Schwester.
Foto: Anna-Lena Görgen
„Man ist hilflos“, sagt Karin B.. Sie sitzt am Esstisch ihrer Wohnung in Wittlich, in der sie seit Oktober 2020 lebt. Doch lange wird sie dort nicht mehr wohnen können. Vor dreieinhalb Monaten wurde ihr wegen Eigenbedarfs gekündigt. Seitdem suchen die 53-Jährige und ihr guter Freund Peter M. eine neue Bleibe. Die beiden möchten zusammen wohnen bleiben. Das ist für sie keine Frage. „Ich kann ihn nicht fallen lassen“, sagt Karin.
Peter, 61, ist seit einem Oberschenkelhalsbruch gehbehindert und auf einen Rollstuhl angewiesen. Er bezieht Grundsicherung, Karin erhält eine Erwerbsminderungsrente. Eine Wohnung zu finden, die für beide geeignet und zugleich bezahlbar ist, erweist sich deshalb als schwierig.
Wohnung nur für Berufstätige? Wohnungssuche in Wittlich gestaltet sich schwierig
Dabei hatte die Wohnungssuche zunächst vielversprechend ausgesehen. Eine größere Wohnung im Erdgeschoss wäre für die beiden grundsätzlich infrage gekommen. „Das Interesse war da, aber die Miete ist zu teuer“, erzählt Karin. Die Kosten müssten auch vom zuständigen Leistungsträger als angemessen anerkannt werden. Für Peter ist die Suche ohnehin mit besonderen Anforderungen verbunden. Die neue Wohnung sollte möglichst im Erdgeschoss liegen oder über einen Aufzug erreichbar sein.
Auch die weitere Umgebung spielt eine Rolle. Am liebsten würden die beiden in Wittlich bleiben. Peters 85-jährige Mutter lebt in einem Seniorenheim in der Stadt, er besucht sie regelmäßig. Wegen seiner körperlichen Einschränkungen wäre ein längerer Weg für ihn kaum zu bewältigen. In kleineren Orten fahren zudem weniger Busse. Trotzdem haben sie ihren Suchradius inzwischen auf 20 Kilometer Umkreis erweitert. Sie haben in vielen Dörfern nach einer Wohnung gesucht. Bisher ohne Erfolg.
„Leute sagen oft, man findet doch eine Wohnung, wenn man sucht, aber es ist nicht leicht“, sagt Karin. Besonders schwierig sei es für Menschen, die nicht im klassischen Arbeitsverhältnis stünden. Viele Wohnungsanzeigen richteten sich ausdrücklich nur an Berufstätige. „Man wird direkt aussortiert.“
Freunde suchen behindertengerechte Mietwohnung im Wittlicher Raum
Karin hat das Gefühl, dass sie sich bei manchen Vermietern schon durch ihre Lebenssituation rechtfertigen müsse. Eine Anzeige ist ihr im Gedächtnis geblieben: „Single-Wohnung, 72 Quadratmeter, nur an Berufstätige – ich trau mich gar nicht mehr zu sagen, dass ich Frührentnerin bin.“
Auch Peter erlebt seine Behinderung bei der Wohnungssuche als Hindernis. „Es wird dumm geguckt, wenn ich mit dem Rollator zur Wohnungsbesichtigung komme“, sagt er. Karin ärgert das. „Er ist geistig fit“, betont sie. „Ich war jahrelang selbstständig“, fügt er hinzu.
Seine jetzige Situation sei auch deshalb entstanden, weil er nach einer Erkrankung zwei Jahre in einem Pflegeheim verbracht habe. In dieser Zeit verlor er seine damalige Wohnung. Zunächst hatte er aus verschiedenen Gründen eine gesetzliche Betreuerin. Nach seinen Angaben konnte auch diese keine neue Wohnung für ihn finden. Schließlich zog er bei Karin ein. Das Betreuungsgericht habe zudem entschieden, dass er keinen gesetzlichen Betreuer mehr brauche.
Die zwei Freunde kennen sich schon seit Jahren. Als Karin sich von ihrem damaligen Partner trennte, war Peter für sie da. „Er hat mir vor Jahren geholfen, als mich mein Ex-Freund nicht mehr in die Wohnung gelassen hat“, erzählt sie. Damals sei sie zu Peter gezogen, er habe sie aufgefangen.
Nun habe sich die Situation umgekehrt. Sie verstehen sich gut, das Zusammenleben funktioniere. Umso größer ist die Sorge, dass sie trotzdem keine gemeinsame Wohnung finden.
„Man hat Angst, auf der Straße zu landen“
„Man hat Angst, auf der Straße zu landen“, sagt Peter. Für den Fall, dass er tatsächlich wohnungslos würde, könnte ihm nach eigener Aussage eine Unterbringungsmöglichkeit über die zuständige Behörde angeboten werden. Eine Unterkunft mit mehreren fremden Menschen möchte er jedoch nicht. Wegen seiner körperlichen Einschränkungen sei insbesondere die gemeinsame Nutzung eines Badezimmers schwierig. Auch deshalb ist für ihn klar: Eine eigene, geeignete Wohnung muss her.
Der Gedanke an den Auszug fällt schwer. Nicht nur wegen der Wohnung selbst. Die beiden fühlen sich auch in ihrer Hausgemeinschaft wohl und verstehen sich gut mit den anderen Bewohnern. Nun müssen sie trotzdem nach einer neuen Bleibe suchen.
Bis Ende August könnte Karin noch Widerspruch gegen die Eigenbedarfskündigung einlegen. Eigentlich möchte sie „keinen Streit“. Sie hofft jedoch, sich damit noch einige Monate zusätzliche Zeit für die Wohnungssuche verschaffen zu können.
Die Frage nach dem Warum: Keine Antwort nach Wohnungsabsage
Die Belastung ist inzwischen auch psychisch zu spüren. „Man verliert Kraft und Hoffnung“, sagt Karin. „Familienangehörige, Freunde und Bekannte unterstützen uns emotional, aber es ist trotzdem eine schwierige Situation.“ Besonders enttäuscht sie, dass sie auf ihre Bewerbungen zwar Absagen bekommt, aber kaum erfährt, warum. „Ich frage immer, woran es gelegen hat, aber ich bekomme keine Antworten.“
Sie möchte dabei auch mit einem Vorurteil aufräumen: Menschen, die staatliche Unterstützung erhielten, seien nicht automatisch Menschen, die nicht arbeiten wollten. „Das kann jedem Menschen passieren, beispielsweise durch einen Herzinfarkt“, sagt sie. Als sie selbst ihre Erwerbstätigkeit aufgeben und eine Erwerbsminderungsrente beziehen musste, sei das für sie ein schwerer Einschnitt gewesen. Sie habe gerne gearbeitet.
Was ihr fehle, sei Verständnis für Menschen, die auf Unterstützung angewiesen seien. Besonders bedauert sie, dass „das Mitmenschliche in der Gesellschaft verloren geht“. Sie wünsche sich, dass Vermieter Menschen wie ihr und Peter überhaupt eine Chance gäben.
Noch haben die beiden die Hoffnung nicht aufgegeben. Vielleicht gibt es eine Wohnung, die bald frei wird, bezahlbar ist und ihren Bedürfnissen entspricht. Vielleicht liest jemand diesen Artikel und kennt genau so eine Wohnung.