„Nur Idioten oder Verräter“: AfD-Wahlsieg spaltet internationale Staatschefs – Gerät die Brandmauer-Strategie ins Wanken?
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Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt: Internationale Reaktionen reichen von Jubel bis offenem Entsetzen
Stand: 08.09.2026, 14:12 Uhr
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Kein Kommentar nötig – oder doch? Staats- und Regierungschefs reagieren auf den AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt, und ziehen Schlüsse für eigene Strategien.
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vom 7. September 2026 hat Europa und die Welt aufgewühlt. Die AfD erzielte mit rund 44 Prozent der Stimmen ihr bundesweit bestes Wahlergebnis der Parteigeschichte. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund führte die Partei zu einem Erdrutschsieg. Die CDU brach auf knapp 17 Prozent ein. Das Ergebnis blieb nicht ohne Echo – von Washington bis Warschau meldeten sich Staats- und Regierungschefs zu Wort.

Aus dem europäischen Rechtspopulismus kamen rasche Glückwünsche. Italiens Vize-Regierungschef Matteo Salvini, Chef der Lega, schrieb auf X: „Glückwunsch an meine Freundin Alice Weidel und die gesamte AfD zum Triumph in Sachsen-Anhalt.“ Ungarns abgewählter Ministerpräsident Viktor Orbán jubelte auf X: „Eine Riesen-Wahlnacht für Deutschland und Europa“ – und ergänzte: „Das ist erst der Anfang.“ Österreichs FPÖ-Chef Herbert Kickl erklärte laut dpa, der „starke Wind der Freiheit von 1989“ wehe wieder durch Deutschland – ein Vergleich zum Mauerfall.
Jubel, Entsetzen – und taktische Umstellungen? Reaktionen auf den AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt
Innerhalb einzelner Länder gingen die Meinungen auseinander. Italiens Außenminister Antonio Tajani, Chef der konservativen Forza Italia, bezeichnete das AfD-Ergebnis laut RND als „äußerst schlechte Nachricht“. Macrons Parteikollege Gabriel Attal nannte die Brandmauer-Strategie allein „kein ausreichend attraktives politisches Projekt“ – man müsse laut Tagesschau „konkrete Maßnahmen und eine Vision“ anbieten. Für den Präsidentschaftskandidaten Jean-Luc Mélenchon von der Partei LFI war das Ergebnis ein „Desaster“, das auf die „Verblendung der Parteien der Mitte“ zurückzuführen sei. Frankreichs Ex-Präsident François Hollande zählte die AfD zu den „radikalsten extrem rechten Parteien Europas“.
Polens Regierungschef Donald Tusk fand die schärfsten Worte des Abends. „In Polen können sich nur Idioten oder Verräter am Triumph der AfD in Deutschland erfreuen“, schrieb der liberalkonservative Politiker noch am Wahlabend auf X – und richtete den Vorwurf direkt gegen die polnischen Oppositionsparteien Konfederacja und PiS. Aus Tschechien kamen unterschiedliche Stimmen: Parlamentspräsident Tomio Okamura gratulierte der AfD im öffentlich-rechtlichen Fernsehen CT. Der konservative Ex-Innenminister Vit Rakusan dagegen forderte laut dpa, Demokraten dürften „so gewichtige Themen wie Migration und andere brennende soziale Fragen“ nicht den Populisten überlassen.
Die Wahl hat das Land in eine schwierige Lage gebracht – hier eine kommentierende Analyse. Eine Mehrheit ohne die AfD ist rechnerisch nur in einem Fünf-Parteien-Block aus CDU, SPD, Linke, Grünen und BSW möglich – mit einer wackeligen Mehrheit von gerade zwei Sitzen. Eine rein theoretische Koalition aus AfD und CDU hingegen wäre stabil, aber bundespolitisch nicht möglich: Sie würde die Berliner Regierungskoalition aus CDU und SPD unter massiven Druck setzen. Merz hat die Brandmauer zur AfD bislang nicht angetastet, und es gibt auch keine Indizien, dass eine solche Koalition für die CDU denkbar wäre. Das Bündnis Sahra Wagenknecht hat dagegen bereits Signale für eine mögliche Zusammenarbeit gesendet.
Auch aus den USA kamen Reaktionen. US-Präsident Donald Trump teilte am Wahlabend auf Truth Social eine Hochrechnung des Wahlergebnisses mit Stand 19:57 Uhr – ohne jeden Kommentar, da die Balken-Grafik offenbar für sich sprach. Tech-Milliardär Elon Musk, der seit Monaten offen mit der AfD sympathisiert, war weniger zurückhaltend. „Gut gemacht“, schrieb er auf X als Kommentar unter einen Beitrag von AfD-Chefin Alice Weidel. AfD-Spitzenkandidat Siegmund antwortete umgehend und dankte Musk für seine „Unterstützung“ noch in der Wahlnacht.