Musikindustrie führt Kennzeichnung für KI-generierte Songs ein

Künstliche Intelligenz komponiert, textet und singt inzwischen täuschend echte Songs. Für Hörerinnen und Hörer ist oft kaum noch erkennbar, ob die Musik von Menschen oder Maschinen stammt. Die Musikindustrie hat deshalb eine einheitliche Kennzeichnung von KI-generierter Musik beschlossen.

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Musikindustrie führt Kennzeichnung für KI-generierte Songs ein
Zu sehen sind viele Hände eines Festival-Publikums.

AUDIO: Musikindustrie beschließt Kennzeichnung von KI-Songs (3 Min)

Transparenz

Musikindustrie will KI-Songs künftig kennzeichnen

Stand: 18.07.2026 05:00 Uhr

Künstliche Intelligenz komponiert, textet und singt inzwischen täuschend echte Songs. Für Hörerinnen und Hörer ist oft kaum noch erkennbar, ob die Musik von Menschen oder Maschinen stammt. Die Musikindustrie hat deshalb eine einheitliche Kennzeichnung von KI-generierter Musik beschlossen.

von Sarah Bötscher, MDR AKTUELL

  • Die Musikindustrie will KI-generierte und KI-unterstützte Songs künftig mit zwei Logos kennzeichnen.
  • Experten zweifeln am Nutzen der neuen Kennzeichnung.
  • Künstlerverbände sehen zwar Chancen durch KI, warnen aber vor Nachteilen für Kreative.

Der wohl bekannteste KI-Song der vergangenen Monate war der Rockschlager über den Buckelwal Timmy: "Er hat sich das nicht ausgesucht, nicht das Leid, nicht diese Not", heißt es im Refrain des Songs. Das Lied wurde komplett mit Künstlicher Intelligenz erstellt. Solche Titel sollen künftig einheitlich gekennzeichnet werden.

Die Musikindustrie hat sich auf zwei Logos geeinigt: eines für "KI-generierte" und eines für "KI-unterstützte" Musik. Steffen Holly vom Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie hält davon wenig: "Ehrlich gesagt: absolut nutzlos."

Aus seiner Sicht geht der Vorschlag am eigentlichen Problem vorbei: "Es werden schon heute so viele Sachen im Musikproduktionsprozess verwendet. Wenn ich zum Beispiel tausende Klänge durchforste: "Will ich mich da stundenlang durchklicken oder nehme ich einfach eine KI, beschreibe den Klang und wähle mir in Zukunft eine Vorauswahl aus? Ist das schon KI, ist das kennzeichnungspflichtig?"

Experte zweifelt am Nutzen der neuen Logos

Holly nennt noch ein Beispiel: "Gitarristen kopieren seit Jahren weltweit Sounds von Gitarrenaufnahmen, das nutzt jeder. Also eigentlich müsste ich theoretisch alle vergangenen Stücke nochmal neu untersuchen und das wollen nicht mal die Protagonisten dieses Vorschlags."

Holly verweist auch auf den AI Act der Europäischen Union. Das Gesetz enthält eine Transparenzpflicht und schreibt vor, dass künstlich erzeugte oder bearbeitete Inhalte als solche gekennzeichnet werden müssen. Wer betrügen will, könne das aber ohnehin tun, meint Holly. Seine Prognose: Schon in einem Jahr werden wir nicht mehr erkennen können, ob ein Song mit Künstlicher Intelligenz erstellt wurde oder nicht.

Originalität und Kreativität in Gefahr

Jörn Arnecke, Leiter des Zentrums für Musiktheorie an der Musikhochschule Franz Liszt in Weimar, sieht den Vorstoß der Musikindustrie nicht ganz so pessimistisch. Er hält das einheitliche Logo für einen ersten Schritt, um Hörern Orientierung zu geben.

Gleichzeitig ist Arnecke dafür, menschengemachte Musik in Zukunft stärker wertzuschätzen: "Aus meiner Sicht ist die große Gefahr, dass KI natürlich statistische Durchschnittswerte abbildet und dass man auf die Weise an Originalität und Besonderheit verliert und sicherlich auch an echter Emotion. Und da müssen wir auch bereit sein, noch mehr zu bezahlen, um noch echte Menschen dabei zu unterstützen, Musik voranzubringen. Das wollen wir ja und das muss uns auch etwas wert sein."

Deutscher Musikrat sieht Kreative unter Druck

Das meint auch Antje Valentin, Generalsekretärin des Deutschen Musikrats. Sie hält die Kennzeichnung für absolut sinnvoll – vor allem, um die Künstler zu schützen. Kritisch sieht sie aber, dass Songtexte oder Kompositionen nicht gekennzeichnet werden müssen.

Die Frechheit ist, dass KI nur deswegen Musik erzeugen kann, weil der Input Millionen Kreativer da hineingeflossen ist - sie wurden ausgebeutet und arbeitslos gemacht. Antje Valentin, Generalsekretärin des Deutschen Musikrats

Generell sei KI eine Herausforderung für den gesamten kreativen Bereich: "Wenn es jetzt darum geht, Hintergrundmusik zu schaffen, Werbemusik usw. Dann wird schon zunehmend KI dafür eingesetzt. Und die Frechheit dabei ist, dass ja die KI nur deswegen Musik erzeugen kann, weil der Input Millionen Kreativer da hineingeflossen ist. Das heißt, sie wurden ausgebeutet und gleichzeitig arbeitslos gemacht."

Auf der anderen Seite kann KI für Künstler auch ein kreatives Werkzeug sein, meint Valentin. Künstliche Intelligenz sei also nicht per se etwas Schlechtes.

Auf einer Präsentation ist ein mit Hilfe von KI erstelltes Deepfake von Landtagspräsidentin Aigner zu sehen. Es zeigt sie mit einem Glas Bier in der Hand.