Migrationskrise in Spanien: Ceuta zeigt, wie brüchig Europas Zusammenhalt ist

Wie schnell die europäische Solidarität angesichts des Ansturms auf Ceuta bröckelt, ist erschreckend. Die Mitgliedstaaten reagieren mit Vorwürfen statt mit einer gemeinsamen Strategie. Die wahre Tragödie gerät dabei in den Hintergrund.

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Migrationskrise in Spanien: Ceuta zeigt, wie brüchig Europas Zusammenhalt ist

Migrationskrise in Spanien Ceuta zeigt, wie brüchig Europas Zusammenhalt ist

02.08.2026 · 15:25 Uhr

 Migranten überqueren die Grenze von Marokko in die spanische Exklave Ceuta.

Migranten überqueren die Grenze von Marokko in die spanische Exklave Ceuta.

Foto: Antonio Sempere

Meinung | Berlin · Wie schnell die europäische Solidarität angesichts des Ansturms auf Ceuta bröckelt, ist erschreckend. Die Mitgliedstaaten reagieren mit Vorwürfen statt mit einer gemeinsamen Strategie. Die wahre Tragödie gerät dabei in den Hintergrund.

Die Bilder von Ceuta gingen um die Welt – und sie dürften lange nachhallen. Noch sind viele Fragen zu dem Ansturm auf die spanische Exklave unbeantwortet. Doch klar ist: Die Tausenden Menschen, die in den vergangenen Tagen durch die Straßen Ceutas liefen und wenig später nach Marokko zurückkehrten, haben die EU erschüttert. Auch wenn sich die Lage mittlerweile entspannt hat: Die ersten Reaktionen aus den Mitgliedsstaaten haben kein gutes Licht auf die europäische Solidarität geworfen. Es scheint, als ende europäischer Zusammenhalt spätestens beim Thema Migration.

Als Reaktion auf Ceuta haben 22 der 27 EU-Staats- und Regierungschefs in einem gemeinsamen Brief vor unkontrollierten Grenzübertritten und der Instrumentalisierung von Migration gewarnt. Es dürfe nicht zugelassen werden, „dass eine illegale Einreise anschließend in einen legalen Aufenthalt übergehen kann“, hieß es in dem Schreiben, das auch Bundeskanzler Friedrich Merz und Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni unterzeichnet haben. Die Formulierung dürfte als Spitze gegen die spanische Regierung zu verstehen sein, die im Frühjahr damit begonnen hatte, Hunderttausenden vor Ende 2025 irregulär Eingereisten eine Aufenthaltsgenehmigung zu erteilen.

Inhaltlich ist die Kritik zwar nachvollziehbar. Die Frage ist aber, was es bringt, Europas Uneinigkeit auf diese Weise öffentlich zur Schau zu stellen. Melonis Forderung, das Schengen-Abkommen gegenüber Spanien vorübergehend auszusetzen, ist deshalb vor allem eines: blanker Populismus. Wer in Ceuta ankommt, kann von dort nicht ohne Weiteres in andere EU-Staaten weiterreisen. Die spanische Exklave ist von Marokko und dem Mittelmeer umschlossen. Und Italien hat ohnehin keine gemeinsame Grenze mit Spanien.

Doch darum ging es vielen in ihren ersten Reaktionen auf die Ereignisse gar nicht. Stattdessen setzte sich der Eindruck durch, dass sich in der Krise zunächst einmal jeder selbst der Nächste ist. Die Suche nach einer gemeinsamen Antwort wurde vom öffentlichen Streit überlagert. Das ist eine schlechte Nachricht – vor allem, wenn man bedenkt, dass das nicht die letzte Migrationskrise in Europa gewesen sein dürfte.

Völlig in den Hintergrund rückte zudem das humanitäre Leid. Dabei sollen mehr als 70 Menschen bei dem Massenandrang ums Leben gekommen sein. Eine Tragödie. Es waren Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben, die mutmaßlich durch Gerüchte in sozialen Medien und von Schleppern in Bewegung gebracht wurden. Ihr Schicksal sorgte kaum für Empörung, dafür wurde ihre Not politisch instrumentalisiert. Das ist die vielleicht bitterste Erkenntnis aus den Ereignissen von Ceuta.

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