Meinung: Streit um Ockfener Geisberg: Ein Plädoyer für Vernunft und Gemeinsinn
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Meinung Streit um Ockfener Geisberg: Ein Plädoyer für Vernunft und Gemeinsinn
Meinung | Schoden/Ockfen · Die Auseinandersetzung zwischen Schoden und Ockfen um die geschichtsträchtige Weinlage droht zu eskalieren. Wie unser Autor Dirk Tenbrock die Situation bewertet.
10.08.2026 , 07:44 Uhr
Um diese Lage dreht sich der Streit: Ockfener Geisberg. Das historisches Etikett stammt von 1942.
Foto: TV/Dilibris RLP
Das, was die wenigen außenstehenden Beobachter bei der Bürgerversammlung im Schodener Gemeindehaus hören und sehen, löst Kopfschütteln aus.
Der Streit um einen Gebietstausch zwischen den Gemeinden Ockfen und Schoden zur Erhaltung des Lagennamens „Ockfener Geisberg“, der nötig ist für eine ökonomisch sinnvolle Bewirtschaftung des Weinbergs, droht zu einer Provinzposse zu werden. Was in einigen Moselgemeinden reibungslos geklappt hatte, scheint hier – und man muss es do deutlich sagen – vor allem am Widerstand der Schodener zu scheitern.
Sonst schimpfen immer alle über die Regulierungswut der EU-Behörden. Wenn sich dann aber eine Gelegenheit bietet, diesen mal ganz legal ein Schnippchen zu schlagen, dann herrscht wieder Kirchturmdenken und alte Animositäten bestimmen das Handeln.
Sicher gibt es Versäumnisse in der Kommunikation. Die Verantwortlichen des betroffenen Weingutes Van Volxem und dessen Besitzer, Roman Niewodniczanski, hätten beispielsweise früher auf die Gemeinden zugehen können. Aber deshalb den Winzer, der seit 25 Jahren mit viel Einsatz und mit zweistelligen Millioneninvestitionen (auf eigenes, persönliches Risiko), entscheidend zur Renaissance des Saar-Weinbaus beigetragen hat, jetzt so auflaufen zu lassen, das ist schon fragwürdig.
Die Emotionen der Schodener Bürger und die Identifikation mit „ihrem“ Geisberg in allen Ehren, aber ohne ein einziges, rationales und stichhaltiges Argument (in der Versammlung wurde jedenfalls keines vorgebracht) gegen die Erhaltung des Status quo wird es schwer mit der Glaubwürdigkeit.
Zumal seit Donnerstagabend ein „unmoralisches Angebot“ im Raum steht: Gegen einen „Nachteilsausgleich“ (was die Nachteile konkret sind, wurde allerdings nicht deutlich) würde man sich offen für einen Tausch zeigen. Heißt das, man würde sich die emotionalen Vorbehalte und das Herzblut abkaufen lassen?
Der führungslose Gemeinderat – es hat sich nach zwei Jahren immer noch niemand gefunden, der die Verantwortung und den Posten des Ortsbürgermeisters übernimmt – scheint auf Zeit zu spielen, um das bestmögliche Ergebnis herauszuschlagen.
Und wenn ein Gemeinderatsmitglied vorwurfsvoll von der „Weinlobby und ihren Erfüllungsgehilfen“ spricht, dann entbehrt das nicht einer gewissen Polemik, die man in unserem politisch auseinanderdriftenden Land leider immer häufiger hört. Und verkennt auch, dass das Wohl und Wehe unserer Region und ihrer Infrastruktur entscheidend von den beiden wichtigsten Wirtschaftszweigen Tourismus und Weinbau abhängt.
Jetzt müssen sich alle Akteure wieder beruhigen und die Vernunft walten lassen. Die Gemeinderäte und der Eigentümer des Geisbergs sollten sich zeitnah zusammenraufen, um die Kuh vom Eis zu bekommen. Im Interesse des Gemeinwohls.