Walter Merricks: 100 Millionen Pfund für Mastercard-Klage
Walter Merricks weiß endlich, wie viel Geld er an britische Verbraucher ausschütten kann. Der bekannte Verbraucheranwalt und Kläger in der Sammelklage gegen das Kreditkartenunternehmen Mastercard hat vor wenige...
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Walter Merricks weiß endlich, wie viel Geld er an britische Verbraucher ausschütten kann. Der bekannte Verbraucheranwalt und Kläger in der Sammelklage gegen das Kreditkartenunternehmen Mastercard hat vor wenigen Tagen seinen Honorarstreit mit dem Prozessfinanzierer Innsworth Capital beigelegt. „Ich freue mich, mitteilen zu können, dass ich alle Differenzen mit meinem Geldgeber ausgeräumt habe. Infolgedessen hat Innsworth das gegen mich angestrengte Schiedsverfahren eingestellt“, heißt es in Merricks’ schriftlicher Erklärung an die F.A.Z.
Ohne die finanzielle Unterstützung des Finanzierers hätte Merricks keine Anwaltskanzleien bezahlen und die Sammelklage führen können. Merricks und Innsworth Capital hatten sich nach dem Vergleich mit Mastercard über 200 Millionen Pfund darüber zerstritten, wie das Geld verteilt wird. Merricks bestätigte, dass 63 Millionen Pfund direkt an den Finanzierer als Honorar gehen. Er geht davon aus, „mindestens“ 100 Millionen Pfund an die Verbraucher weitergeben zu können. „Dies ist derzeit der höchste Betrag, der jemals im Rahmen einer Sammelklage zugunsten britischer Verbraucher erzielt wurde“, teilte der Jurist mit.
Restaurantbesuch sollte drin sein
Nach Angaben von Merricks, der bis 2009 als Ombudsmann der britischen Finanzbranche in Streitigkeiten zwischen Verbrauchern und Kreditinstituten tätig war, dürfte die Höhe der individuellen Entschädigung sich auf 45 Pfund belaufen. Das hängt davon ab, wie viele der bis zu 46 Millionen Betroffenen ihre Forderung in den kommenden Wochen anmelden. Die britische Zeitung „The Times“ kommentierte, dass das Ergebnis gerade eben für einen Besuch in einem mittelklassigen Restaurant in London ausreichen würde, allerdings „ohne Wein“.
Das Ergebnis der Sammelklage steht bereits seit Mai 2025 fest. Damals stimmte das Competition Appeal Tribunal (CAT), ein speziell für Wettbewerbs- und Verbraucherklagen zuständiges Gericht, einem außergerichtlichen Vergleich zwischen Mastercard und dem Kläger zu. Der amerikanische Kreditkartenanbieter betonte damals, dass er keine Form der Haftung anerkenne, und erklärte sich zur Zahlung von 200 Millionen Pfund bereit. Das war deutlich weniger als die Forderung in Milliardenhöhe.
Eine der größten Sammelklagen Großbritanniens
Konkret hatten Merricks’ Anwälte im Namen von bis zu 46 Millionen britischen Verbrauchern eine Entschädigung für Transaktionsgebühren für den Zeitraum von 1992 bis 2008 verlangt. In der Summe führte das zur Klagesumme von 14 Milliarden Pfund. Es war damals, 2016, eine der größten Sammelklagen in Großbritanniens. Danach dauerte es noch fünf Jahre, bis der Supreme Court dem Verfahren den Weg ebnete. Die Richter des CAT gingen von einer Schadenshöhe von zehn Milliarden Pfund aus.
Als Kläger in der Repräsentativklage, in der ein Kläger stellvertretend für alle anderen Geschädigten Ansprüche geltend macht, stützte Merricks sich gegen Mastercard auf eine Untersuchung der Europäischen Union. Noch lange vor Großbritanniens EU-Austritt hatte die Europäische Kommission Kreditkartenanbieter wie Mastercard und Visa wegen überhöhter Gebührenforderungen an Unternehmen und Händler gerügt und später Bußgelder verhängt. Nach Auffassung von Merricks wurden die ungerechtfertigten Gebühren viele Jahre lang an britische Verbraucher weitergegeben, indem Hersteller ihre Produkte zu höheren Preisen verkauften und Dienstleistungen teurer wurden.
Innsworth, eine Tochtergesellschaft des amerikanischen Finanzinvestors Elliott, hatte den Vergleichsschluss kritisiert. In einer Anhörung argumentierte Innsworth, dass die ursprüngliche Forderung durch den Vergleich unterbewertet worden sei. Doch der Versuch des Finanzierers scheiterte, die Einigung zwischen Merricks und Mastercard vor dem High Court von England und Wales anzufechten. Daraufhin strengte Innsworth das Schiedsverfahren gegen Merricks an.