„Klare Kante“: Dobrindt verteidigt harten Migrationskurs – doch Kommunen warnen vor Problemen

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„Klare Kante“: Dobrindt verteidigt harten Migrationskurs – doch Kommunen warnen vor Problemen

Massiver Sprung bei Schutz-Widerrufen: BAMF erkennt Syrern Status ab – doch Abschiebung bleibt blockiert

Stand: 19.08.2026, 13:52 Uhr

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Das BAMF entzieht Syrern massenhaft den Schutzstatus, Bayern meldet mehr Aufenthaltsbeendigungen als Neuzugänge. Doch ein Problem bleibt.

München/Berlin – Für die Menschen in Syrien ist die Lage auch nach dem Sturz des Diktators Baschar al-Assad im Dezember 2024 alles andere als sicher. Während Amnesty International vor einem weiteren politischen Zusammenbruch warnt, agiert der „Islamische Staat“ (IS) mit geschätzt 5000 Kämpfern weiterhin in der Region. Dennoch vollzieht sich in der deutschen Asylpolitik eine radikale Kehrtwende: Das BAMF erkennt syrischen Geflüchteten immer häufiger den Schutzstatus ab.

Ein Arbeiter fährt mit einem Lastwagen an einem beschädigten Gebäude im Lager Yarmouk vorbei

In Syrien sind zahlreiche Gebäude nach dem jahrelangen Syrienkrieg zerstört. Hier ein Gebäude im Lager Yarmouk, Damaskus. © Ghaith Alsayed/dpa

Wie aus einer Antwort der schwarz-roten Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht, verloren im ersten Halbjahr 2026 über 1900 Syrer nach einer Überprüfung ihren Status. Das entspricht einer Quote von 23,2 Prozent – ein massiver Sprung im Vergleich zu 2025 (3,7 Prozent) und 2024 (3,1 Prozent). In den meisten Fällen wird dabei der subsidiäre Schutz wegen einer vermeintlich verbesserten Lage im Herkunftsland widerrufen.

Abschiebung von Syrern in Deutschland: Aufenthaltsbeendigung in Bayern über Neuzugänge

In Bayern leben aktuell rund 88.000 Syrer, davon rund 40.000 mit einem befristeten Aufenthaltstitel. Stand Juli waren 1200 Syrer ausreisepflichtig. Für die bayerische Staatsregierung hat die Beendigung des Aufenthalts bei wegfallenden Schutzgründen oberste Priorität. Das bayerische Landesamt für Asyl und Rückführungen (LfAR) führt außerdem eine spezielle „Taskforce Straftäter“, die aktuell 218 schwere Straftäter mit syrischer Staatsangehörigkeit in Bearbeitung hat.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) betonte jüngst, dass die Zahl der Aufenthaltsbeendigungen im Freistaat mittlerweile deutlich über der Zahl der Neuzugänge liegt. Dennoch gibt es einen entscheidenden Dämpfer für die bayerische „Rückführungsoffensive“: Seit Januar 2026 konnten bundesweit keine Straftäter mehr nach Syrien abgeschoben werden, da keine Passersatzpapiere von der syrischen Seite ausgestellt werden.

Um einfacher abschieben zu können: BAMF weitet Kriterien für Widerruf aus

Seit Mitte Juni hat das BAMF seine Kriterien für den Widerruf ausgeweitet. Im Visier stehen nun verstärkt Personengruppen, die als „nicht besonders schutzbedürftig“ eingestuft werden. Dazu gehören:

  • Langzeitverfahren: Menschen, deren Asylverfahren länger als 21 Monate dauern.
  • Selbstversorger: Personen, denen zugetraut wird, ihren Lebensunterhalt in Syrien selbstständig zu sichern, oder die auf ein stabiles familiäres Netzwerk vor Ort zurückgreifen können.

Während der Schutzstatus für viele Syrer fällt, bleibt die praktische Umsetzung der Ausreise schwierig. In bayerischen Unterkünften führt dies zu einem „Fehlbelegungs-Dilemma“: Rund 54.000 Menschen im Freistaat leben in Asylunterkünften, obwohl sie diese eigentlich verlassen müssten, aber auf dem angespannten Wohnungsmarkt – etwa in der Metropolregion München – keine Bleibe finden.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) verteidigt den harten Kurs der „Migrationswende“ mit „Kontrolle, Kurs und klarer Kante“, während bayerische Kommunalpolitiker wie der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß (CSU) davor warnen, die Probleme durch den rein bürokratischen Statusentzug lediglich auf die nächste Ebene zu verlagern. (Quellen: dpa/frühere Berichterstattung/BAMF/Bayerisches Innenministerium) (sischr)