Linke-Politiker Pantisano: "Meine Aussage war falsch"
Pantisano rudert erneut zurück "Meine Aussage war falsch"09.08.2026 - 23:02 UhrLesedauer: 4 Min.Luigi Pantisano ist bereit, die AfD in Sachsen-Anhalt zu verhindern – fordert aber etwas dafür. Ukraine und Versta...
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Pantisano rudert erneut zurück
"Meine Aussage war falsch"
09.08.2026 - 23:02 UhrLesedauer: 4 Min.
Luigi Pantisano ist bereit, die AfD in Sachsen-Anhalt zu verhindern – fordert aber etwas dafür. Ukraine und Verstaatlichung sind auch Themen im Sommerinterview.
Linken-Chef Luigi Pantisano knüpft die Verhinderung einer AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt womöglich an Bedingungen. Im ZDF-Sommerinterview wurde der Parteivorsitzende am Sonntag gefragt, ob die Linke den CDU-Spitzenkandidaten Sven Schulze unterstützen würde, wenn der nur mit ihren Stimmen zum Ministerpräsident gewählt werden könnte. Seine Partei habe in den vergangenen Jahren mitgeholfen zu verhindern, dass die AfD in ostdeutschen Ländern an die Macht kommt, sagte Pantisano. "Wir haben Verantwortung gezeigt. Die Frage ist: Ist der Herr Schulze bereit dazu, diese Verantwortung auch zu tragen und zu übernehmen?"
Pantisano verwies damit auf den Unvereinbarkeitsbeschluss der Union gegenüber der Linken. "Berlin direkt"-Moderatorin Diana Zimmermann warf dem Linken-Chef vor, mit seinem Faschismusvorwurf an die Adresse der Christdemokraten deren Bereitschaft für Zugeständnisse geschmälert zu haben. Pantisano nannte es "kleinlich", wenn das der Fall sein sollte. "Da sind wir alles erwachsene Menschen, die die Verantwortung wahrnehmen müssten für dieses Land. Es geht darum zu verhindern, dass eine rechtsextreme Partei an die Macht kommt."
"Meine Aussage war falsch und ich habe mich dafür auch entschuldigt", sagte Pantisano im Sommerinterview zu seinem Vorwurf, die Union würde faschistische Politik betreiben. Wie genau es dazu kurz vor seiner Wahl gekommen war, wurde im Sommerinterview nicht klar. Stattdessen sagte der Sohn italienischer Einwanderer, er und viele Menschen hätten Angst, von Rechtsextremen aus dem Land geworfen zu werden. "Da will ich an die Verantwortung der CDU appellieren, die sie hat, zu verhindern, dass solche Politiker an die Macht in diesem Land kommen."
Ist die Linke koalitionsfähig?
Die Moderatorin warf im ZDF-Sommerinterview wiederholt die Frage auf, wie koalitionsfähig die Linke ist und ob sie bereit wäre, von Forderungen abzurücken, die kein Regierungspartner mitträgt. Mit Blick auf die Wahl in Berlin sagte Pantisano zwar: "Koalitionsverhandlungen finden dann nach einer Wahl statt." Zugleich bekräftigte er: "Unser entscheidender Koalitionspartner sind die Berlinerinnen und Berliner", was Zimmermann mit Lachen quittierte.
Als sie zum Schluss noch einmal fragte, ob Pantisano die Linke mit nicht koalitionsfähigen Positionen in eine Sackgasse führe, bekräftigte der Parteivorsitzende erneut: "Die Koalition, die wir haben, ist die mit den Menschen." Er sah auch hier potentielle Partner in der Verantwortung: "Dann müssen sich die anderen Parteien fragen, ob sie bereit sind dazu, Politik zu machen für die Menschen."
Bezahlbarer Wohnraum ist ein Hauptthema, mit der die Linke punkten will und Pantisano schlug immer wieder den Bogen hierher, auch, als es um seine Opposition zu Waffenlieferungen an die Ukraine ging. Zimmermann sagte, Deutschland sei ja auch bedroht. "Na ja, die größte Bedrohung empfinden die Menschen in ihrer Sicherheit in ihrem Wohnraum", erwiderte der Linken-Chef.
Pantisano zu Enteignungen
"Ich glaube nicht, dass das alles lösbar ist, indem wir jeden dritten Euro unserer Steuergelder in Rüstung ausgeben, während gleichzeitig die Menschen in diesem Land sich unsicher fühlen in ihrer eigenen Wohnung, weil sie die Sorge haben, aus der Wohnung geworfen zu werden", fügte er hinzu und bekräftigte die Forderung nach der Enteignung von Wohnkonzernen. "Es muss ein Ende haben, dass die Menschen die Hälfte des Monats für die Aktionäre von Vonovia arbeiten gehen", sagte Pantisano.
Auch bei Werksschließungen hat die Linke angeregt, diese Betriebe in öffentliches oder genossenschaftliches Eigentum zu überführen. Die Beschäftigten müssten stärker in Entscheidungen eingebunden werden, verlangte er: "Sie sind diejenigen, die am besten wissen, was man in ihren Werken produzieren kann." So könnten in einer Autofabrik künftig beispielsweise Züge gebaut werden.
Auf die Frage, warum Arbeiter die Linke bislang so selten wählen, sagte Pantisano: "Sie tun es nicht, weil wir in den letzten Jahren zwar viel über Arbeiterinnen und Arbeiter gesprochen haben, aber zu wenig mit ihnen. Das sind die Fehler, die wir begangen haben."
Antisemitismus in der Linken?
Mitte Juni hatte der Bayerische Rundfunk über radikale interne Chat-Nachrichten der Linksjugend Solid berichtet, darunter Aussagen wie "Israel verrecke". Co-Parteivorsitzende Ines Schwerdtner hatte sich öffentlich von den Inhalten distanziert und Gespräche angekündigt. Die laufen laut Pantisano noch. "Sowohl islamistische Haltungen wie auch antisemitische Haltungen haben keinen Platz in der Linken", sagte er.
Pantisano betonte aber auch, er sei stolz darauf, dass die Linke als einzige Partei jungen Menschen solche Diskussionen ermögliche. Den Terrorangriff der Hamas erwähnte er dabei nicht direkt, sondern sprach von dem "Krieg, der am 7. Oktober in Israel begonnen hat und dann fortgeführt worden ist durch die rechtsextreme israelische Regierung".
Nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day sagte der Linken-Chef, der Hass gegen queere Menschen beginne in den Köpfen von in Deutschland aufgewachsenen Attentätern. "Wo haben wir diesen jungen Mann verloren?", fragte Pantisano. Hier müsse der Staat insbesondere mit Bildungsarbeit reagieren. Mehr Polizeibefugnisse seien hingegen nicht immer unbedingt die Lösung.
Auch bei dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine beharrte Pantisano auf der Parteilinie und lehnte deutsche Waffenlieferungen ab. "Wir müssen Konflikte nicht mit Kriegen lösen, sondern mit Diplomatie", sagte er. Da setzte sich die Bundesregierung zu wenig ein. "Jede Waffe, die wir liefern in die Ukraine, muss ein junger ukrainischer Mann in die Hand nehmen, damit an die Front gehen und schießen."