Leonhard Wöhr bekommt Titel Altbürgermeister – einstimmig

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Leonhard Wöhr bekommt Titel Altbürgermeister – einstimmig

Stand: 10.08.2026, 07:30 Uhr

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Urkunde für den Altbürgermeister: Zur Ernennung von Leonhard Wöhr (2.v.l.) zum Altbürgermeister gratulierten (v.l.) Zweiter Bürgermeister Florian Holzmann-Penzenstadler, Bürgermeister Simon Pause und Dritter Bürgermeister Anian Rutz.

Urkunde für den Altbürgermeister: Zur Ernennung von Leonhard Wöhr (2.v.l.) zum Altbürgermeister gratulierten (v.l.) Zweiter Bürgermeister Florian Holzmann-Penzenstadler, Bürgermeister Simon Pause und Dritter Bürgermeister Anian Rutz. © Gemeinde Weyarn

Der Gemeinderat verleiht dem ehemaligen Bürgermeister die Ehrenbezeichnung. Wöhr selbst war von der Entscheidung überrascht.

Weyarn – Es war ein für ihn ungewohnter Stuhl, auf dem Leonhard Wöhr (CSU) im Sitzungssaal Platz nahm. Am Rand des Zimmers zwischen den Fenstern auf den Klosterplatz hinaus. Keine drei Meter entfernt von dem Stuhl, von dem aus in den vergangenen zwölf Jahren eine ungezählte Zahl von Sitzungen leitete. Auf dem Bürgermeisterplatz sitzt seit dem 1. Mai Simon Pause (SPD). Der führte mit wenigen Worten, die aber viel aussagen, in den Tagesordnungspunkt vier ein, die Verleihung der Ehrenbezeichnung „Altbürgermeister“ an Leonhard Wöhr. Den Titel trägt bereits Michael Pelzer.

„Wir haben darüber in der nichtöffentlichen Sitzung abgestimmt“, berichtete Pause, „aber wir hätten es auch öffentlich machen können, denn wir waren uns alle einig.“ Seine Laudatio selbst begann Pause mit einem Wortspiel. „Altpapier, Alteisen, Altbestand, Altbau, Altkleidersammlung. Im ersten Moment denkt man bei diesen Wörtern ans Wegwerfen, Abreißen, an Vergangenes“, sagte Pause. Beim zweiten Hinhören komme aber der große Wert des Alten in den Blick, es gebe auch positive Verknüpfungen: Altmeister etwa, Altbairisch oder Altweibersommer. Die höchste Punktzahl gebe er dem Altbürgermeister – ein Titel, den man aufgrund des besonderen Einsatzes für das Gemeinwohl verliehen bekommt.

Bei Wöhr habe das Engagement in der Gemeindepolitik vor 30 Jahren angefangen. Erst mit dem Vorsitz im Arbeitskreis Geschichte, dann als Mitglied in der Teilnehmergemeinschaft Dorfentwicklung, ab 2002 mit einem Mandat für die CSU im Gemeinderat. 2014 wurde Wöhr als Nachfolger von Michael Pelzer zum Bürgermeister gewählt und auf diesem Posten sechs Jahre später bestätigt. „Dass damals niemand mit dir konkurrieren wollte, zeigt, wie glücklich die große Mehrheit mit dir als Bürgermeister war“, erklärte Pause.

Das Amt habe er mit Leib und Seele ausgefüllt und sich auch als Kreisrat und auf anderen Posten des Landkreises engagiert. Pause zählte einige der Meilensteine in Wöhrs Amtszeit auf. Besonders hob er die Ruhe und Gelassenheit hervor, mit der Wöhr die Gemeinde durch die Corona-Pandemie geführt habe. Bei allem lasse sich seine Handschrift in drei Worten zusammenfassen: Akribie, Fairness und Verlässlichkeit. Er sei über alle Parteien als gerecht wahrgenommen worden. „Das ist keine Selbstverständlichkeit.“

Demokratie lebe von Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, die einen Streit anhören, obwohl er anstrengend ist, die einen Kompromiss suchen, obwohl es einfacher wäre, stur zu bleiben. Es sei ihm eine große Ehre, sagte Pause, Leonhard Wöhr den Titel Altbürgermeister verleihen zu dürfen.

Nach der Übergabe der handgemalten Urkunde sagte auch Wöhr ein paar Worte. „Die Überraschung und Geheimhaltung ist Euch gelungen“, attestierte er den Gemeinderäten. Allein hätte er all das Erreichte nicht geschafft. „Ich hatte einen konstruktiven Gemeinderat, vertrauenswürdige Stellvertreter, eine gute Verwaltung und nicht zuletzt engagierte Bürger an der Seite.“ Er stünde bei Fragen weiterhin zur Verfügung, versprach er und fügte mit einem Schmunzeln an: „Ich fühle mich im Moment wie im Urlaub, und ich gebe zu, ich bin froh, bei den Temperaturen nicht im Büro sitzen zu müssen.“ Zum Anstoßen wurde die Sitzung kurz unterbrochen. Wöhr blieb anschließend auf seinem ungewohnten Stuhl sitzen und verließ den Saal zum Ende des öffentlichen Teils – das erste Mal seit vielen Jahren.