Reaktion auf russische Bedrohungen: NATO stellt sich hinter Deutschland – EU setzt auf Ukraine-Expertise
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Stand: 01.09.2026, 20:31 Uhr
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Nach dem Drohnenvorfall in Leipzig sieht die Bundesregierung Russland als klaren Schuldigen. NATO und EU stellen sich hinter Deutschland – auch Moskau reagiert.
Berlin/Brüssel – Die Bundesregierung hat Russland für den gescheiterten Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich gemacht und ein Bündel an Vergeltungsmaßnahmen angekündigt. Gleichzeitig will die EU die Kriegserfahrung der Ukraine stärker für den Aufbau europäischer Verteidigungsfähigkeiten nutzen.

Die Bundesregierung ist zu dem Schluss gekommen, „dass Russland den hybriden Angriff in Leipzig vom 4. August zu verantworten hat“. Das erklärten Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Außenminister Johann Wadephul (CDU) gemeinsam in Berlin. Dobrindt betonte: „Wir befinden uns nicht im Krieg, aber wir sind tägliches Ziel hybrider Kriegsführung.“ Der CSU-Politiker warnte zudem, dass Deutschland mit weiteren Angriffen rechnen müsse. „Wir gehen davon aus, dass Deutschland das Ziel weiterer hybrider Angriffe Russlands ist. Dabei ist auch davon auszugehen, dass es eine Bereitschaft gibt, durch hybride Angriffe auch größere Schäden auszulösen“, sagte er.
Russland reagiert auf Statement der Bundesregierung: „Sponsert den Terrorismus“
Als Reaktion auf den Angriff kündigte die Bundesregierung mehrere Maßnahmen an: Das russische Generalkonsulat in Bonn wird zum 18. September geschlossen. Der Vertrag über das Russische Haus in Berlin wird gekündigt – es besteht seit Längerem der Verdacht, dass das Kulturinstitut zu Spionagezwecken genutzt wird. Weitere Personen sollen auf EU-Sanktionslisten gesetzt werden, etwa mit Einreiseverboten. Zudem werden die Einreisekontrollen für russische Staatsangehörige verschärft, der Druck auf die sogenannte russische Schattenflotte erhöht sowie „weitere Maßnahmen im nachrichtendienstlichen Bereich“ ergriffen.
Außenminister Wadephul ordnete die Einbestellung des russischen Botschafters an. NATO-Generalsekretär Mark Rutte begrüßte die geplanten Schritte: „Die Beweise sind eindeutig.“ Die NATO stehe in voller Solidarität an der Seite Deutschlands.
Aus Moskau kam eine harsche Antwort. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, teilte mit, die Reaktion Russlands werde wie bei früheren einseitigen und ungerechten Sanktionen ausfallen. Russland mache Deutschland verantwortlich für die Beteiligung an Terroranschlägen gegen russische Bürger. Mit Blick auf die deutschen Waffenlieferungen und Milliardenhilfe an die Ukraine sagte Sacharowa, Deutschland „sponsert den Terrorismus“.
NATO-Rat und EU setzen auf Stärkung der Verteidigung – mithilfe der Ukraine
Deutschland wird den NATO-Rat am Mittwoch mit dem gescheiterten Drohnenangriff auf den Leipziger Flughafen befassen. In dem Gremium werde es eine Aussprache über die wachsende hybride Bedrohung durch Russland geben – die Bundesregierung will dabei jedoch nicht Artikel 4 des NATO-Vertrags in Anspruch nehmen. Der Artikel wurde seit Gründung des Bündnisses 1949 nur neunmal aktiviert – darunter dreimal seit Beginn des Ukraine-Kriegs, aber nie von Deutschland.
Angesichts des „russischen Angriffs“ auf den Flughafen Leipzig Anfang August stehe die EU „voll und ganz“ an der Seite Deutschlands, schrieb Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf X. Die EU bleibe „trotz dieser schwerwiegenden und häufiger werdenden Vorfälle“ geeint.
Parallel dazu will die EU beim Schließen von Lücken in Europas Verteidigung künftig verstärkt auf die Kriegserfahrung der Ukraine zurückgreifen. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas gab nach einem Treffen der EU-Verteidigungsminister in Irland bekannt, dass von kommender Woche an Experten aus der Ukraine, Großbritannien und mehreren EU-Staaten gemeinsam Vorschläge erarbeiten sollen. Doch Ausgaben allein seien „nicht automatisch eine Garantie für Erfolg“. Ziel sei es, „einige der klügsten Köpfe“ aus dem Sicherheits- und Verteidigungsbereich zusammenzubringen. (Quellen: AFP, dpa) (nak)