Leihmutter: „Wollte helfen und bin froh, dass sie eine glückliche Familie sind“

Nach acht erfolglosen IVF-Versuchen fand Narzny McKinney eine Hebamme, die ihre Leihmutter wurde. Beide Frauen sind glücklich darüber. Sieht so die ideale Variante von Leihmutterschaft aus?

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Leihmutter: „Wollte helfen und bin froh, dass sie eine glückliche Familie sind“

Nach einem langen Kampf mit Unfruchtbarkeit und acht erfolglosen IVF-Versuchen blieben Narzny McKinney noch zwei kostbare Embryos – ihre letzte Chance auf ein biologisches Kind. Nachdem sie ihre Möglichkeiten abgewogen hatte, entschied sich die Britin, eine Leihmutter zu finden, die ihr Kind für sie austragen sollte. Kommerzielle Leihmutterschaften sind in Großbritannien verboten. Legal sind nur sogenannte altruistische Leihmutterschaften, bei denen die Leihmutter nicht für die Schwangerschaft als eine Art Dienstleistung bezahlt wird.

„Wir waren an diesem Punkt schon acht Jahre dabei, und ich wollte einfach nicht riskieren, dass noch etwas schiefgeht“, sagte McKinney. „Es war eine schwere Entscheidung, aber absolut die richtige.“

Sie und ihr Mann Roy meldeten sich bei zwei britischen Leihmutteragenturen an und begannen, Veranstaltungen zu besuchen, bei denen künftige Eltern die Chance haben, potenzielle Leihmütter kennenzulernen.

Die Nachfrage nach Leihmutterschaften in Großbritannien ist stark gestiegen

Doch die stark gestiegene Nachfrage – bedingt durch eine Zunahme von Unfruchtbarkeit sowie durch ältere Menschen und gleichgeschlechtliche Paare, die Eltern werden möchten – sorgte dafür, dass McKinney und ihr Partner kaum Glück hatten, dort jemand anderen kennenzulernen als Paare, die sich in derselben Lage befanden wie sie selbst.

„Das ist emotional ziemlich zehrend, weil man natürlich jedes Mal mit hohen Erwartungen hingeht. Man könnte praktisch an fast jedem Wochenende zu so einem Treffen gehen; es nimmt einen großen Teil des Lebens ein“, sagte sie. Sie zogen auch in Betracht, ins Ausland zu gehen – wie es eine wachsende Zahl von Menschen in Großbritannien tut, und Agenturen berichten von einer regelrechten Nachfrageflut –, wussten aber, dass dies logistisch schwierig werden würde.

Zwei Jahre Wartezeit für eine Leihmutter

Nach zwei Jahren des Wartens erhielten sie einen Anruf von der Agentur Nappy Endings (ein englisches Wortspiel mit „nappy“, deutsch: „Windeln“, und „Happy End“) mit der Nachricht, dass sich eine Leihmutter gefunden habe – Sarah Turner, dreifache Mutter und Hebamme aus London, die schon immer Leihmutter werden wollte.

Turner erzählte: „Ich habe mich immer sehr glücklich geschätzt, dass ich risikoarme Schwangerschaften hatte und ohne Probleme Kinder bekommen konnte. Deshalb dachte ich mir, dass ich gerne jemandem helfen würde, dem das nicht so leichtfiel wie mir. Ich war sehr offen dafür. Ich habe viel recherchiert. Ich kenne mich selbst gut und war ziemlich entspannt, was das anging.“

Die beiden Paare verstanden sich auf Anhieb, und kurze Zeit später wurde Turner, damals 41 Jahre alt, mit einem der letzten beiden Embryonen schwanger.

Die Rollen von Mutter und Leihmutter

Von Anfang an bemühte sich Turner sehr darum, McKinney so weit wie möglich in die Schwangerschaft einzubeziehen – sie kaufte ihr ein Armband, das jedes Mal vibrierte, wenn das Baby trat.

„Nachdem ich selbst drei Babys bekommen habe, kann ich mir nicht einmal vorstellen, wie schwer es für Narzny gewesen sein muss, einer anderen Frau zu vertrauen, dass sie ihr Baby für sie austrägt, ohne es selbst tun zu können“, sagte Turner. „Das ist mir richtig nahegegangen, und ich saß oft da und dachte: Wie muss sie sich wohl fühlen? Sie muss mir vertrauen, dass ich alles richtig für sie mache. Deshalb dachte ich, es wäre schön, wenn sie spüren könnte, wie sich das Baby bewegt, und dadurch etwas mehr Sicherheit hätte.“

McKinney sagte, die enge Beziehung zwischen ihr als Mutter und der Leihmutter sei entscheidend dafür gewesen, dass der Prozess gut verlief und sich für alle Beteiligten stimmig anfühlte: „Wir sind gemeinsam zu allen Terminen gegangen. Ich habe mich wirklich eingebunden gefühlt.“

Eine Geburt lässt sich nicht planen

Nach akribischer Planung für die Geburt selbst warfen sie alle sorgfältig geschmiedeten Pläne über den Haufen, als Turner so schnell zu Hause entband, dass McKinney und ihr Mann – die eine 40-minütige Autofahrt entfernt wohnten – es nicht rechtzeitig schafften.

„Die Leute haben oft gesagt: ‚Mein Gott, wie fühlst du dich dabei, das verpasst zu haben?‘ Aber ich glaube, wir wären so gestresst und nervös gewesen – so war es eigentlich schön, anzukommen und zu hören: ‚Alles erledigt, er ist wohlauf und perfekt‘“, sagte sie.

Die schwierigste Zeit für die Leihmutter: Nach der Geburt

Turner räumte ein, dass die Zeit direkt nach der Geburt für sie der schwierigste Teil des gesamten Prozesses war. „Da kommen die Hormone ins Spiel, und dagegen kann man nichts machen. Das war schon eine Herausforderung“, sagte sie.

„Der Kopf weiß, dass da kein Baby sein sollte, aber der Körper weiß das nicht. Aber Narzny und Roy waren einfach perfekt; sie haben mich nicht einfach fallen lassen, sobald sie ihr Baby hatten. Sie haben sich gemeldet, Fotos geschickt, wir haben uns besucht. Sie haben wirklich darauf geachtet, wie es mir geht.“

Heute genießt McKinney das Muttersein mit dem einjährigen Zak und trifft sich noch immer regelmäßig mit Turner und ihrer Familie.

Die rechtliche Situation zur Leihmutterschaft

Beide sind sich einig, dass gewisse rechtliche Reformen – zusammen mit besserer Aufklärung und einem größeren Bewusstsein dafür, wie Leihmutterschaft funktioniert – ihre Erfahrung reibungsloser gemacht hätten. Nach geltendem britischem Recht müssen die Leihmutter und ihr Ehepartner bis zum Abschluss einer gerichtlichen Elternschaftsanordnung nach der Geburt als rechtliche Eltern des Kindes eingetragen sein.

McKinney sagte, sie habe drei verschiedene Gerichte aufsuchen müssen, um die Elternschaftsanordnung zu erwirken, mit der die rechtliche Elternschaft auf sie und Roy übertragen wurde – etwas, das nach Ansicht von Aktivist:innen bereits ab der Geburt gelten sollte. Zudem habe es Monate gedauert, für Zak einen Reisepass zu bekommen.

„Das ist schade, denn er gehört natürlich seit dem ersten Tag zu uns, aber die rechtlichen Dokumente, die das belegen, hinken ziemlich hinterher“, sagte sie.

Kritik an den Eltern

McKinney erzählte außerdem, sie sei auf Menschen gestoßen, die annahmen, sie habe sich absichtlich für eine Leihmutterschaft entschieden, weil sie nicht selbst gebären wollte, oder die infrage stellten, ob sie zu ihrem Kind „dieselbe Bindung“ haben würde.

„Das sagt man doch Vätern nicht, oder? Das würde man auch nicht sagen, wenn wir unser Kind adoptiert hätten. Das würde niemand für eine akzeptable Aussage halten“, sagte sie.

Turner stimmte zu, dass mehr Aufklärung und Akzeptanz nötig seien. „Denn dann müssten sich die Menschen nicht mehr so fühlen, als müsse das alles hinter verschlossenen Türen ablaufen oder als sei es etwas, wofür man sich schämen müsste“, sagte sie. „Familien können auf ganz unterschiedliche Weise entstehen, und es ist eigentlich wunderschön, dass wir einander dabei helfen können.“

Die beiden sagten, sie seien nie mit Ablehnung wegen der Leihmutterschaft konfrontiert worden, seien sich aber bewusst, dass manche Menschen Vorurteile und Kritik gegenüber dieser Praxis hegen.

Warum sich Sarah Turner entschied, Leihmutter zu werden

„Ich weiß, dass inzwischen deutlich mehr Prominente das machen, aber bei uns lag es an ihrer Fruchtbarkeit. Es war nicht so, dass sie dachte: ‚Ach, ich habe keine Lust, eine Schwangerschaft auszutragen, dann lasse ich das eben jemand anderen machen.‘ Es war ein rein medizinischer Grund“, sagte Turner. „Deshalb hat uns dazu auch niemand etwas Negatives gesagt.“

Turner fügte hinzu, dass Menschen ihre Entscheidung, Leihmutter zu werden, zwar oft als unglaublich selbstlose Tat feiern, sie selbst das aber nicht in so großen Worten sieht.

„Ich sehe das ziemlich entspannt“, sagte sie. „Alle sagen, das sei eine so tolle Sache, die ich getan hätte. Ich denke da nicht unbedingt so drüber nach. Ich bin froh, dass ich es getan habe, ich bin froh, dass die beiden ihr Baby haben, und ich bin froh, dass sie eine glückliche Familie sind – es ist einfach schön, zu sehen, wie sie zusammenwachsen.“