Laut Gesundheitsatlas: Adipositas im Saarland – wo gibt es die meisten Diagnosen?
Die Unterschiede zwischen den Landkreisen im Saarland in Sachen Adipositas-Diagnosen sind enorm. Bundesweit ist das Land Durchschnitt, aber direkt hinter der Grenze gibt es einen bundesweiten Spitzenreiter.
- 5 min read
Laut Gesundheitsatlas Adipositas im Saarland – wo gibt es die meisten Diagnosen?
Die Unterschiede zwischen den Landkreisen im Saarland in Sachen Adipositas-Diagnosen sind enorm. Bundesweit ist das Land Durchschnitt, aber direkt hinter der Grenze gibt es einen bundesweiten Spitzenreiter.
21.08.2026 , 19:54 Uhr
Bundesweit liegt der Anteil an Adipositas-Diagnosen bei 10,7 Prozent. Das Saarland befindet sich zwar nahe am Median, die Unterschiede in den Landkreisen sind jedoch groß.
Foto: Jan Woitas
Fleischkäsweck, Lyoner, Schwenker: das „Soulfood“ im Saarland geht nicht unbedingt als Schonkost durch. Doch wie schlägt sich das angebliche Lebensmotto „Hauptsach gudd gess“ in der Gesundheit des Landes nieder? Der von der AOK herausgegebene Gesundheitsatlas Deutschland zeigt für 2024 deutliche regionale Unterschiede beim Anteil dokumentierter Adipositas-Diagnosen. Das Saarland liegt insgesamt zwar nur knapp über dem Bundesdurchschnitt, aber es gibt deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Landkreisen. Und direkt hinter der Grenze liegt ein Landkreis, der bundesweit sogar zu den Kreisen mit dem höchsten Adipositas-Anteil zählt.
Zwischen den einzelnen Landkreisen im Saarland gibt es große Adipositas-Unterschiede
Insgesamt liegt das Saarland sehr nah am Bundeschnitt mit einem Wert von 10,7 Prozent (Bundesschnitt: 10,5 Prozent). Im Vergleich der 16 Bundesländer landet das kleinste Flächenland auf Rang acht.
Wer sich die einzelnen Landkreise anschaut, sieht deutlich Unterschiede zwischen dem Osten und Westen des Saarlandes. „Spitzenreiter“ ist der Landkreis St. Wendel, am Ende der Tabelle steht Saarlouis.
- St. Wendel – 13,54 Prozent
- Saarpfalz-Kreis – 11,93 Prozent
- Neunkirchen – 11,44 Prozent
- Regionalverband Saarbrücken – 10,82 Prozent
- Merzig-Wadern – 8,97 Prozent
- Saarlouis – 8,86 Prozent
Zwischen St. Wendel und Saarlouis liegen damit 4,68 Prozentpunkte. Warum die Werte zwischen den Regionen so unterschiedlich ausfallen, lässt sich aus den Daten allein allerdings nicht ablesen. Aussagen über mögliche Ursachen – etwa Einkommen, Ernährungsgewohnheiten oder die medizinische Versorgung – wären ohne zusätzliche Untersuchungen spekulativ.
Direkt hinter der Grenze gibt es einen Adipositas-Höchstwert
Ein auffälliger Vergleich ergibt sich mit dem an den Saarpfalz-Kreis grenzenden Landkreis Zweibrücken. Nach den vorliegenden Daten aus 2024 kommt der rheinland-pfälzische Kreis auf einen Adipositas-Anteil von 15,35 Prozent und liegt damit bundesweit auf Platz acht der Landkreise mit dem höchsten Anteil.
Damit liegt der Wert dort 4,65 Prozentpunkte über dem Saarland insgesamt und 1,81 Prozentpunkte über dem Landkreis St. Wendel. Der Grenzvergleich zeigt deshalb: Nicht das Saarland als Ganzes ist bundesweiter Spitzenreiter. In der Region gibt es aber einzelne Gebiete mit deutlich höheren Werten.
Insgesamt hat Rheinland-Pfalz eher wenig Adipositas-Inzidenzen und einen Wert von 9,86 Prozent.
Sachsen-Anhalt führt das Bundesländer-Ranking an
Bundesweit steht Sachsen-Anhalt mit 13,68 Prozent an der Spitze. Dahinter folgen Mecklenburg-Vorpommern mit 13,15 Prozent und Thüringen mit 12,52 Prozent. Auch Brandenburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen liegen über dem Saarland.
So sieht das bundesweite Adipositas-Ranking aus:
- Sachsen-Anhalt – 13,68 Prozent
- Mecklenburg-Vorpommern – 13,15 Prozent
- Thüringen – 12,52 Prozent
- Brandenburg – 11,55 Prozent
- Niedersachsen – 11,45 Prozent
- Nordrhein-Westfalen – 11,03 Prozent
- Sachsen – 10,71 Prozent
- Saarland – 10,7 Prozent
- Hessen – 10,11 Prozent
- Bayern – 10,09 Prozent
- Schleswig-Holstein – 9,95 Prozent
- Bremen – 9,92 Prozent
- Rheinland-Pfalz – 9,86 Prozent
- Berlin – 9,37 Prozent
- Baden-Württemberg – 9,21 Prozent
- Hamburg – 8,02 Prozent
Die Deutschland-Tendenz ist laut den vorliegenden Daten gegenüber 2023 leicht angestiegen. Der Wert bleibt jedoch unter dem Höchststand der Pandemiejahre: 2021 lag der Anteil bei 11,18 Prozent. Auch das Niveau der Jahre vor der Corona-Pandemie, in denen der Wert bei etwa 10,6 Prozent stagnierte, wird 2024 nicht überschritten.
Vor allem Menschen ab 50 sind von Adipositas betroffen
Adipositas betrifft nach den Daten des Gesundheitsatlas vor allem ältere Menschen. Sowohl Männer als auch Frauen weisen ab einem Alter von 50 Jahren überdurchschnittliche Werte auf. Ausgewertet werden die Altersgruppen in Fünfjahresschritten, etwa 50 bis 54 oder 55 bis 59 Jahre.
Erst ab einem Alter von 90 Jahren liegen die Werte bei beiden in den Daten dargestellten Geschlechtern wieder unter dem Durchschnitt. Auch beim Geschlecht gibt es Unterschiede: Bundesweit sind 9,06 Prozent der Männer und 11,91 Prozent der Frauen betroffen. Diese Angaben beziehen sich auf den untersuchten Datensatz und sind nicht automatisch auf jede Bevölkerungsgruppe übertragbar.
Wie wird Adipositas diagnostiziert?
Für die Einordnung orientieren sich Ärztinnen und Ärzte zunächst am Body-Mass-Index, kurz BMI. Er wird berechnet, indem das Körpergewicht in Kilogramm durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat geteilt wird.
Bei Erwachsenen gelten drei Grade der Adipositas:
- Grad 1 (erhöht): 30,0 bis 34,9
- Grad 2 (hoch): 35,0 bis 39,9
- Grad 3 (sehr hoch): ab 40,0
Eine 1,80 Meter große Person mit einem Gewicht von 100 Kilogramm erreicht einen BMI von rund 30,9 und liegt damit im Bereich einer Adipositas Grad 1.
Der BMI ist allerdings nur ein grober Orientierungswert. Er berücksichtigt nicht, wie sich das Körpergewicht zusammensetzt. Menschen mit viel Muskelmasse können deshalb einen hohen BMI haben, obwohl ihr Körperfettanteil vergleichsweise niedrig ist. Für die medizinische Einschätzung können daher weitere Faktoren wichtig sein – etwa die Körperzusammensetzung und die Verteilung des Körperfetts.
Neben dem BMI entscheidet Taillenumfang über Adipositas-Diagnose
Eine zusätzliche Orientierung bietet der Taillenumfang. Nach Angaben der Deutschen Adipositas-Gesellschaft spricht ein Umfang von mindestens 88 Zentimetern bei Frauen beziehungsweise mindestens 102 Zentimetern bei Männern für eine bauchbetonte Adipositas. Diese Form gilt als mit einem deutlich erhöhten Risiko für Folgeerkrankungen verbunden.
Der Gesundheitsatlas Deutschland weist für 2024 eine sogenannte 1-Jahres-Prävalenz aus. Berücksichtigt werden also Adipositas-Diagnosen, die im jeweiligen Jahr ambulant oder stationär dokumentiert wurden. Nicht behandelte oder nicht dokumentierte Fälle können in der Statistik fehlen. Die Zahlen zeigen deshalb vor allem, wo besonders viele Diagnosen erfasst wurden – und nicht zwingend die vollständige tatsächliche Verbreitung der Erkrankung.
(sot)
-
Saarbrücken
-
Nachrichten
-
Panorama
-
Zur Startseite