Unser eigener Weltraumschrott könnte den Asteroiden „Apophis“ beim Erde-Vorbeiflug treffen

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Unser eigener Weltraumschrott könnte den Asteroiden „Apophis“ beim Erde-Vorbeiflug treffen

„Lässt sich nicht vollständig ausschließen“: Weltraumschrott könnte Asteroid „Apophis“ treffen

Stand: 19.08.2026, 14:00 Uhr

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2029 rast Asteroid „Apophis“ näher an die Erde heran als Satelliten. Für die Erde bedeutet das keine Gefahr – für den Asteroiden möglicherweise schon.

München – Wenn der Asteroid „Apophis“ am 13. April 2029 an der Erde vorbeirast, werden viele Menschen genau hinschauen. Der Abstand zwischen der Erde und dem etwa 370 Meter großen Gesteinsbrocken beträgt dann nämlich nur knapp 32.000 Kilometer – das ist näher, als die Orbits geostationärer Satelliten verlaufen. Eine Gefahr für die Erde stellt das jedoch nicht dar: Seit vielen Jahren wird der Asteroid beobachtet und seine Umlaufbahn genau berechnet – Fachleute sind sich sicher, dass er an der Erde vorbeischrammen wird.

Der Asteroid Apophis („Gott des Chaos“) schrammt im April 2029 ganz knapp an der Erde vorbei. (Symbolbild)

Der Asteroid Apophis („Gott des Chaos“) schrammt im April 2029 ganz knapp an der Erde vorbei. (Symbolbild) © picture alliance/dpa/Nasa

Doch könnte der Weltraumschrott, der um die Erde kreist, eine Gefahr für den Asteroiden „Apophis“ darstellen? Das ist eine Frage, die sich ein italienisches Forschungsduo gestellt hat. Giulia Schettino und Alessandro Rossi vom Istituto di Fisica Applicata (IFAC) des italienischen Forschungsrats CNR haben sich mit dieser Frage beschäftigt. „Ich habe mich gleich gefragt, ob es eine Möglichkeit gibt, dass es ein Treffen mit der großen Population von menschengemachtem Weltraumschrott gibt“, erklärt Rossi bei ScienceAlert.com. Die Forschungsarbeit wurde im Fachmagazin The Planetary Science Journal veröffentlicht.

Asteroid „Apophis“ kommt der Erde näher als GEO-Satelliten

Dass „Apophis“ der Erde so nah kommt, ist für die Forschung ein Glücksfall – die ESA-Mission „RAMSES“ und die NASA-Sonde „OSIRIS-APEX“ sollen den Vorbeiflug ganz aus der Nähe des Asteroiden beobachten. Denn Fachleute erwarten, dass die Erdanziehungskraft deutlich auf den Asteroiden wirken wird: Sie dürfte seine Rotation verändern und möglicherweise Landrutsche oder Beben auf dem Asteroiden verursachen. Für die Forschung ist das ein Geschenk des Himmels – bisher wurden Asteroiden immer nur weit von der Erde entfernt untersucht.

„Auch wenn die Wahrscheinlichkeit einer Kollision vermutlich äußerst gering ist, lässt sich die Möglichkeit einer Begegnung nicht vollständig ausschließen“, schreibt das Forschungsduo in seiner Arbeit. Sollte Asteroid „Apophis“ während seines Vorbeiflugs von Weltraumschrott getroffen werden, bedeutet das jedoch keine Gefahr für die Erde, betont Rossi. Die Flugbahn des Asteroiden würde durch einen solchen Einschlag nicht bedeutend verändert.

Asteroid „Apophis“ könnte bei seinem Erd-Vorbeiflug von Weltraumschrott getroffen werden

„Die Folgen wären höchstwahrscheinlich die Entstehung eines kleinen Kraters und einer Auswurfwolke“, so Rossi. Ein Kessler-Syndrom – eine bisher nur theoretische Kettenreaktion von Zusammenstößen im Erdorbit – sei nicht absehbar. Dass es tatsächlich zu einem Treffer kommt, gilt als extrem unwahrscheinlich. Der Grund: Der geostationäre Orbit in rund 36.000 Kilometern Höhe erstreckt sich über einen gewaltigen Raum, in dem sich Müllteile weit verteilt befinden – ganz im Gegensatz zum stark überfüllten erdnahen Orbit (LEO), in dem etwa die ISS oder „Starlink“-Satelliten fliegen.

Geostationärer Orbit und niedriger Erdorbit

Der geostationäre Orbit (GEO) ist eine kreisförmige Umlaufbahn in einer Höhe von 35.786 Kilometern über dem Äquator. Satelliten, die sich auf dieser Umlaufbahn bewegen, umkreisen die Erde einmal in 23 Stunden und 56 Minuten. Von der Erde aus scheinen sie immer über einem festen Punkt zu stehen. Es handelt sich dabei beispielsweise um Fernsehsatelliten, Satelliten, die für die Meteorologie im Einsatz sind, aber auch Kommunikations- und Militärsatelliten.

Die meisten Satelliten befinden sich dagegen im niedrigen Erdorbit (LEO), der sich über eine Höhe von etwa 200 bis 2000 Kilometern über der Erde erstreckt. „Starlink“-Satelliten befinden sich meist in einer Höhe von 550 Kilometern, die Internationale Raumstation ISS fliegt auf rund 400 Kilometern Höhe und das bekannte „Hubble“-Weltraumteleskop fliegt in einer Höhe von nicht mehr ganz 500 Kilometern. Im LEO befindet sich deshalb auch der meiste Weltraumschrott, vor dem Fachleute immer wieder warnen und dem die ISS häufiger ausweichen muss.

Trifft Weltraumschrott den Asteroiden „Apophis“, gäbe es hauptsächlich Auswirkungen für die Forschung

Für die Forschung hätte ein solcher Treffer von „Apophis“ jedoch Auswirkungen: Ihre Messergebnisse würden verändert und es wäre schwierig, herauszufinden, welche Wirkung die Erde auf den Asteroiden hatte und was der Einschlag von Weltraumschrott ausgelöst hat. „Insbesondere könnte ein möglicher Zusammenstoß mit einem zurückgelassenen Trümmerteil die Rotationsdynamik des Asteroiden beeinflussen und den Erfolg eines geplanten Oberflächenexperiments gefährden“, heißt es in der Studie.

Momentan ist nur ein Teil des Weltraumschrotts im sogenannten geostationären Orbit bekannt und wird beobachtet. Deshalb fordert das Forschungsteam in der Studie eine „umfassende statistische Analyse der räumlichen Verteilung aktiver und verlassener Objekte in der Nähe des Asteroiden (sowie des vorbeifliegenden Raumfahrzeugs) während seiner Annäherung an die Erde“. Das sei „angesichts der Bedeutung des ‚Apophis‘-Vorbeiflugs“ angebracht. (Quellen: Studie, ScienceAlert.com, eigene Recherche) (tab)