„Eine Frage der Fairness“: Mit diesem Plan wollen die Grünen in Sachsen-Anhalt den Strompreis senken
StartseitePolitikLandtagswahl Sachsen-Anhalt: Grüne wollen Strom günstiger machen – mit diesem PlanStand: 04.08.2026, 22:22 UhrKommentareUns auf Google folgenDie Grünen bangen um ihren Wiedereinzug in den Landt...
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Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Grüne wollen Strom günstiger machen – mit diesem Plan
Stand: 04.08.2026, 22:22 Uhr
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Die Grünen bangen um ihren Wiedereinzug in den Landtag von Sachsen-Anhalt. Bei einem wichtigen Wahlthema kann die Zusammenarbeit mit Nachbarn helfen.
Magdeburg – Deutschland steht auf einem Spitzenplatz, auf den niemand wirklich stolz sein kann. 39 Cent kostete die Kilowattstunde (kWh) Strom im zweiten Halbjahr 2025, wie das Statistische Bundesamt informiert. Inklusive Steuern und Abgaben. Im Vergleich aller 27 EU-Staaten ist das der zweithöchste Wert nach Irland, wo sogar 40 Cent pro kWh aufgerufen wurden. Der EU-Durchschnitt liegt bei 29 Cent je kWh.

Die hohen Kosten treiben die Bürger bereits seit Jahren um. Daher haben auch die Grünen im Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt das Thema für sich entdeckt. Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz sagte im MDR-Interview: „Wir haben als Grüne vorgeschlagen, dass Deutschland wegkommt von der einheitlichen Strompreiszone und wir das Land aufteilen in Strompreiszonen, die sich an der Frage orientieren, wie dort zum Beispiel der Strom produziert wird.“
Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Grüne wollen an den Strompreis ran
Ihre Idee lautet wie folgt: Regionen oder Länder, die auf erneuerbare Energie bauen, können sich über niedrigere Strompreise freuen. „Erneuerbare sind die günstigste Energie, weil wir für den Rohstoff ja nichts bezahlen müssen. Wir müssen für die Sonne nichts bezahlen, wir müssen für Wind nichts bezahlen“, erklärt die 48-Jährige.
Als Beispiel nannte sie einen potenziellen Zusammenschluss Sachsen-Anhalts mit den Nachbarländern Brandenburg und Niedersachsen sowie mit Mecklenburg-Vorpommern. Diese seien allesamt Vorreiter bei den erneuerbaren Energien. Würden diese vier Bundesländer eine gemeinsame Strompreiszone bilden, „dann könnten wir den Strom hier sehr, sehr günstig haben“.
Allerdings seien eben auch andere Maßnahmen wie die Stromsteuer zu beachten. Diese beträgt in Deutschland seit 2003 unverändert 2,05 Cent pro kWh. Seit jenem Jahr legt auch die EU per Richtlinie fest, dass innerhalb des Bündnisses Mindeststeuersätze von 0,05 Cent pro kWh bei gewerblicher Nutzung und 0,1 Cent pro kWh bei nicht-gewerblicher Nutzung gelten müssen.
Eine Senkung in Deutschland wird seit Jahren diskutiert. CDU, CSU und SPD hatten diese auch im Koalitionsvertrag angekündigt, wegen der angespannten Haushaltslage jedoch vorerst nur für das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft umgesetzt.
Grüne im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt: „Dann merken die Leute das im Portemonnaie“
Sziborra-Seidlitz erwähnte daher „die Kosten drumherum“ als Problem. Würden diese in Deutschland sinken, profitiere Sachsen-Anhalt.

Zugleich stellte sie bezüglich der Strompreiszonen klar: „Das ist nichts, was wir auf Landesebene regeln können. Aber das müssen wir als Land anstoßen, das müssen wir als Land unterstützen, dass der Strom, dort, wo er günstig produziert wird aus Erneuerbaren, auch günstiger ist. Dann merken die Leute das im Portemonnaie, und das ist auch für die Unternehmen wirtschaftlich ein Vorteil.“ Es handele sich um „eine Frage der Fairness“.
Im Vordergrund steht für die Grünen aber der Klimaschutz, wie Sziborra-Seidlitz betonte. Beispiele seien die Dürre, unter der auch die Landwirte leiden, und der Borkenkäferbefall im Harz, der abgestorbene Bäume hinterlässt.
Sachsen-Anhalt vor Landtagswahl: Grünen-Spitzenkandidatin tritt für „gelingende Zuwanderung“ ein
Zum ebenfalls heißdiskutierten Thema Migration sagte sie: „Wir brauchen Fachkräfte, wir brauchen Arbeitskräfte, das werden wir aus eigener Kraft nicht lösen können. Wir brauchen in Sachsen-Anhalt gelingende Zuwanderung.“
Auf die Zahl von 5000 ausreisepflichtigen Ausländern in Sachsen-Anhalt angesprochen, verwies sie auf den Rechtsstaat. „Wenn es Hindernisse gibt, dann können die nicht gehen“, gab Sziborra-Seidlitz zu bedenken und verwies auf die Regierungspartei: „Ich traue der CDU Vieles zu. Ausreisen, die möglich und die nötig sind, zu verzögern, traue ich ihr nicht zu.“ So könne nicht abgeschoben werden, wenn die Person keinen Pass habe oder im Herkunftsland Krieg herrsche oder Verfolgung drohe.
Wichtig sei, dass die Menschen, die ins Land kommen, „schnell in Arbeit kommen“ und „schnell die Jobs machen, für die wir sie brauchen“. So würden aus ihnen „Nachbarn und Freunde, und die zahlen hier auch Steuern“.
Sachsen-Anhalt wählt Landtag: Nur AfD, CDU und Linke wohl sicher im Parlament dabei
In Sachsen-Anhalt wird am 6. September ein neuer Landtag gewählt. Die Grünen, die vor fünf Jahren 5,9 Prozent der Stimmen holten, drohen die Fünf-Prozent-Hürde zu verpassen. Klar ist auch, dass die bisherige Deutschland-Koalition aus CDU, SPD und FDP nicht fortgeführt werden kann. Die Liberalen werden in den Umfragen teilweise nicht einmal als eigene Partei ausgewiesen, sondern zu den Sonstigen gezählt.
Stärkste Kraft ist mittlerweile die AfD, die in der jüngsten Umfrage von Infratest dimap für MDR, WDR, Mitteldeutscher Zeitung und Volksstimme auf 41 Prozent der Stimmen kam und damit sogar auf eine Alleinregierung hoffen kann. Die CDU erreichte 24 Prozent. Außerdem ist nur die Linke ziemlich sicher im neuen Parlament dabei, sie vereinte 13 Prozent der Stimmen auf sich. Die SPD erhielt sieben Prozent Zustimmung, die Grünen fünf Prozent. (Quellen: Statistisches Bundesamt, MDR, EU-Richtlinie, Koalitionsvertrag, Umfrage von Infratest dimap) (mg)