Zwangsheirat in den Ferien: Wien warnt Lehrer – diese Warnzeichen müssen Pädagogen kennen
StartseiteWeltKurz vor Ferienbeginn: Bildungsdirektion in Österreich schickte brisante Warnung an alle SchulenStand: 18.07.2026, 17:57 UhrKommentareUns auf Google folgenIn Wien werden Schulen nun für Zwangsheir...
- 3 min read
Kurz vor Ferienbeginn: Bildungsdirektion in Österreich schickte brisante Warnung an alle Schulen
Stand: 18.07.2026, 17:57 Uhr
Kommentare
In Wien werden Schulen nun für Zwangsheirat sensibilisiert. Das Problem ist auch in Deutschland bekannt. Warnzeichen sind kurzfristige Reisen und sozialer Rückzug.
Wien – Die Bildungsdirektion Wien wendete sich mit einem ungewöhnlichen Aufruf an die Lehrer und Lehrerinnen der österreichischen Hauptstadt. Demnach sollen die Pädagogen rund um die Zeit des Ferienbeginns in Österreich ein besonderes Auge auf ihre Schülerinnen haben. Es bestünde die Gefahr, Jugendliche könnten während einer Reise in ihr Herkunftsland gegen ihren Willen verheiratet werden, hieß es in dem Brief, der dem österreichischen Medium Heute vorlag. Auch in Deutschland ist das Problem nicht unbekannt.

Warnsignale seien demnach unter anderem Angst vor Familienangehörigen, kurzfristige Reisepläne und sozialer Rückzug. Gegenüber Heute bestätigte die Bildungsdirektion Wien den Brief und teilte mit, dieser sei „im Rahmen eines präventiven Ansatzes“ versendet worden. Einer Analyse des Österreichischen Integrationsfonds zufolge gibt es jährlich rund 200 Fälle von Zwangsheirat in Österreich.
Die Studie nennt drei gefährdete Gruppen: Österreicherinnen in der zweiten oder dritten Generation, die oft gezwungen würden, ihre Schule oder Ausbildung abzubrechen. Teilweise würden Frauen aber auch „zum Zweck der Zwangsheirat nach Österreich gebracht“, so die Untersuchung weiter. Diese Gruppe sei isoliert, spreche oft kein Deutsch und sei in einer noch stärkeren Abhängigkeit als die erste Gruppe. „Die dritte Gruppe sind Frauen in unterschiedlichen Stadien des Asylverfahrens sowie unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“, heißt es in der Analyse.
Fast jede dritte Betroffene ist minderjährig: Studie zeigt Ausmaß
Eine ähnliche Untersuchung des Bundesfamilienministeriums in Deutschland kam zu dem Ergebnis, dass im Jahr 2008 mehr als 3.400 Personen Beratungsleistungen wegen einer drohenden oder bereits vollzogenen Zwangsverheiratung in Anspruch genommen hatten. Davon waren knapp ein Drittel minderjährig, fast die Hälfte besaß die deutsche Staatsbürgerschaft. Fachleute gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.
Besonders in den Sommerferien könnten längere Reisen ins Herkunftsland dazu genutzt werden, Mädchen gegen ihren Willen zu verheiraten und an der Rückkehr zu hindern. In Nordrhein-Westfalen machte das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung in der Vergangenheit bereits mit der Kampagne „Sommer, Sonne Zwangsheirat“ auf die Gefahr aufmerksam. Schulen sind aus Sicht von Experten jener Schutzraum, in dem bevorstehende Fälle am ehesten aufgedeckt werden können.
Elisabeth Gernhardt von Terre des Femmes empfiehlt, Lehrkräfte sollten in einem Verdachtsfall nicht eigenmächtig die Eltern kontaktieren, sondern eine spezialisierte Beratungsstelle einschalten. Eine Liste gibt es demnach auf zwangsheirat.de. „Dort kann man sich anonym beraten lassen“, so die Expertin im Interview mit rbb24. Sinnvoll sei es auch, das Thema Menschenrechte und Zwangsheirat im Unterricht zu behandeln. (Quellen: Heute, Bundesfamilienministerium, Österreichischer Integrationsfonds, rbb24) (bme)