Ukraine: Mangel an Flugabwehr, Angriffe auf Russland
Russland hat auch am Wochenende seine Luftangriffe auf zivile Ziele in der Ukraine fortgesetzt. In Kiew wurden dabei am Samstag neun Menschen getötet, mehr als 30 weitere wurden verletzt, teilte der staatliche ...
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Russland hat auch am Wochenende seine Luftangriffe auf zivile Ziele in der Ukraine fortgesetzt. In Kiew wurden dabei am Samstag neun Menschen getötet, mehr als 30 weitere wurden verletzt, teilte der staatliche Notfalldienst mit. Rettungskräfte bargen 105 Menschen aus beschädigten und teils zerstörten Wohnhäusern, 17 davon seien in Krankenhäuser gebracht worden, berichtete Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko. In fünf Stadtteilen brachen Feuer aus, insgesamt seien 18 Wohnhäuser, eine Schule, Brücken, Straßen und die litauische Botschaft beschädigt worden, berichtete der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj.
Der Angriff geschah wie schon 48 Stunden zuvor vor allem mit Raketen, was die Vorwarnzeit für die Bevölkerung auf nur wenige Minuten minimiert. „Wir hörten fast unmittelbar nach dem Auslösen des Luftalarms Explosionen“, berichtete eine 38 Jahre alte Anwohnerin dem Portal Kyiv Independent. „Wie sollten wir zu unserem Schutzraum kommen? Wir hatten nicht mal genug Zeit, Deckung zu suchen.“ Auch deshalb waren so viele Menschen unter den Trümmern ihrer Häuser eingeschlossen.
Nur eine von 27 Raketen abgeschossen
Allein in der vergangenen Woche habe Russland 16 der 21 unbesetzten Gebiete der Ukraine angegriffen, sagte Selenskyj am Sonntag. Dabei habe Moskau 1900 Drohnen, fast 1600 Bomben und 144 Raketen auf sein Land abgefeuert. Dadurch seien mehr als 1500 Objekte, darunter Hunderte Wohnhäuser, beschädigt worden. Auf seinen Kanälen in den sozialen Netzwerken bat Selenskyj beinahe schon verzweifelt, der Ukraine mit mehr Flugabwehrsystemen und -munition zu helfen. „Die Welt hat Patriot-Raketen“, schrieb der Präsident. Entscheidend sei jetzt, dass die Partner die politische Entscheidung träfen, die notwendigen Pakete bereitzustellen. „Abfangraketen müssen Menschen schützen, nicht in Lagern verstauben.“
Das Flugabwehrsystem Patriot ist das nahezu einzige, das ballistische Raketen zuverlässig abfangen kann. Seit Monaten verfügt die Ukraine jedoch kaum noch über Abfangraketen dieses Typs. In der Nacht zum Samstag hätten die ukrainischen Streitkräfte wegen des Mangels lediglich eine von 27 russischen Raketen abschießen können, berichtete Selenskyj. Diese Schwäche der Ukraine ermuntere Russland geradezu, seine Angriffe mit ballistischen Raketen auf die Zivilbevölkerung auszuweiten.
Immer mehr Wildberries-Lager gehen in Flammen auf
Zudem scheint sich die Hoffnung zu zerschlagen, dass die USA der Ukraine die Lizenz zur Produktion von Patriot-Raketen erteilen. Obwohl Selenskyj zuletzt bei Gesprächen mit US-Präsident Donald Trump auf dem NATO-Gipfel in Ankara und im Weißen Haus eine Zusage erhalten hatte, machte Trump einen Rückzieher. „Dem haben wir nicht zugestimmt“, sagte er am Freitag nach einer Kabinettssitzung. „Wir sprechen darüber, aber es ist schwer, solche Technologien zu verschenken.“
Die Ukraine verteidigte sich ihrerseits mit weiteren Langstreckenangriffen auf kriegswichtige Einrichtungen in Russland. Im mehr als 600 Kilometer von der Frontlinie entfernten Saratow nahe der Grenze zu Kasachstan trafen ukrainische Drohnen eine Ölraffinerie und die Militärflugbasis Engels, von der vielfach Langstreckenbomber in Richtung Ukraine starten. Im Gebiet Kaluga südwestlich von Moskau seien Öldepots und im Gebiet Brjansk nahe der ukrainischen Grenze ein Drohnen-Lager getroffen worden, teilte Selenskyj mit.
Darüber hinaus setzten ukrainische Drohnen offenbar ein weiteres Großlager des russischen Internethändlers Wildberries in Brand. Auf in sozialen Netzwerken verbreiteten Aufnahmen sind Flammen und schwarze Rauchwolken zu sehen, die das im vergangenen Frühjahr eröffnete, 130.000 Quadratmeter große Lager der Firma in Samara an der Wolga zeigen sollen. Die Ukraine hat bereits 16 dieser Lagerkomplexe in ganz Russland zerstört. Sie wirft dem Unternehmen, das als „russisches Amazon“ gilt, vor, kriegswichtige Güter, darunter Teile zum Drohnenbau, zu vertreiben.