Kreistag beruft zwei Kreisbeigeordnete ab – 400.000 Euro Kosten drohen
StartseiteLokalesWitzenhausenStand: 13.08.2026, 19:36 UhrKommentareUns auf Google folgenStehen vor dem Ende ihrer Karrieren beim Werra-Meißner-Kreis: Über die Abberufung von Dr. Philipp Kanzow und Friedel Lenze...
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Stand: 13.08.2026, 19:36 Uhr
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Der Kreistag stimmt am Freitag zum zweiten Mal über die Abberufung von Friedel Lenze und Dr. Philipp Kanzow ab. Weil beide vor Ende ihrer Amtszeit gehen, stehen ihnen Lohnfortzahlungen von bis zu 400.000 Euro zu.
Eschwege – Im Vorfeld der Sondersitzung zur Abwahl des Ersten Kreisbeigeordneten (EKB) Friedel Lenze (SPD) und des hauptamtlichen Kreisbeigeordneten Dr. Philipp Kanzow (CDU) um 14 Uhr in der Stadthalle Eschwege ist es zu einer Datenpanne gekommen. Im Ratsinformationssystem des Kreistags wurde das Ende der Amtszeit der Kreisbeigeordneten bereits mit dem 15. August hinterlegt.
„Es entsteht der Eindruck, dass das Ergebnis längst feststeht“, sagt Inge Harder, seit 26 Jahren SPD-Stadtverordnete in Hessisch Lichtenau, der das Problem aufgefallen war. Landrätin Nicole Rathgeber erklärt auf Anfrage unserer Zeitung, dass es sich hierbei um ein technisches Problem gehandelt habe. Der Fehler sei behoben und inzwischen korrigiert.
Mehrheit stimmte bereits für Abberufung der Kreisbeigeordneten
Ich bin nicht Mitglied des Kreistags und werde mich zu der Abberufung nicht öffentlich äußern. Ich habe in vielen Gesprächen im Hintergrund vermittelt.
Der Kreistag kommt am Freitag, 14. August, außerplanmäßig zusammen, um ein zweites Mal über die Abberufung der beiden abzustimmen. Bereits im Juni hatte sich eine Mehrheit des Kreistags für das vorzeitige Ende ihrer Amtszeit ausgesprochen. Am 15. Juni stimmten CDU, Freie Wähler, Grüne, FDP und AfD mit 31:15 Stimmen dafür, dass die beiden Stellvertreter von Landrätin Nicole Rathgeber nicht länger im Amt bleiben sollen. SPD und Linke stimmten gegen die vorzeitige Abberufung der beiden Kreisbeigeordneten.
CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Schneider erklärte, dass die Kreistagskoalition aus CDU, Grünen und FWG in der Analyse des Kommunalwahlergebnisses vom 15. März zu der Bewertung gekommen sei, dass die Wählerschaft Veränderung erwarte. Nach § 49 der hessischen Landkreisordnung dürfen sie innerhalb von sechs Monaten nach der Wahlzeit mit einfacher Mehrheit vorzeitig abberufen werden. Ansonsten braucht es eine Zweidrittelmehrheit. Über diese Abberufung muss zweimal beraten werden.
Neuwahl des Ersten Kreisbeigeordneten schon im September?
Der Vorstoß zur Abberufung war von CDU, Grünen und FWG gekommen. Sie sind es auch, die die Abschaffung des zweiten hauptamtlichen Kreisbeigeordneten und die Neuwahl eines Ersten Kreisbeigeordneten in der Sitzung am Freitag anstoßen werden. Es soll ein Wahlvorbereitungsausschuss gegründet werden, der die Neuwahl des EKB im schnellsten Fall schon für die Septembersitzung vorbereiten soll. Eine Ausschreibung der Stelle soll auf Kreistagsbeschluss nicht stattfinden.
Nicht mehr für die Nachfolge wird nach Informationen unserer Zeitung Christoph Hoffmann aus Wanfried gehandelt. Zu Personalien wollte sich die CDU gegenüber unserer Zeitung nicht äußern. „Erst wenn die Stelle frei ist, werden wir nominieren“, sagt Schneider. Die CDU-Spitzen Stefan Schneider, Dr. Lutz Bergner, Lena Arnoldt und Wilhelm Gebhard scheiden nach eigenem Bekunden als Kandidaten aus. Eine Fraktionssitzung ist für Mitte September vorgesehen.
Kreisbeigeordneten stehen Lohnfortzahlungen nach Abberufung zu
Weil die beiden hauptamtlichen Kreisbeigeordneten vor Ende ihrer Amtszeit gehen, stehen ihnen weitere Lohnzahlungen per Gesetz zu. Die könnten sich bei der B3- und B4-Stelle auf bis zu rund 400.000 Euro summieren. Sollten sie am Freitag abberufen werden, steht ihnen erst einmal drei weitere Monate ihr volles Gehalt zu. Ab dem 1. Dezember bekommen sie bis zum Ende ihrer Dienstzeit 71,75 Prozent ihres Ruhegehalts, sollten sie vorher keinen anderen Job gefunden haben. Finden Sie einen neuen Arbeitgeber, fallen die Fortzahlungen weg. Die Amtszeit von Friedel Lenze (SPD) endet im März 2029, die von Dr. Philipp Kanzow (CDU) am 25. Juni.
Insgesamt hätte sich Harder, die sich schriftlich an unsere Redaktion gewandt hatte, von Landrätin Nicole Rathgeber mehr eine „Rolle als Vermittlerin gewünscht“, um politische Gräben zu überbrücken. Vermittelt habe sie in vielen Gesprächen im Hintergrund, sagt Rathgeber. Sie werde aber der politischen Willensbildung des Kreistags nicht vorgreifen. „Ich bin nicht Mitglied des Kreistags und werde mich zu der Abberufung nicht öffentlich äußern.“