Kopie oder eigenes Modell? Neue US-Strategie soll Chinas Rohstoff-Dominanz brechen

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Kopie oder eigenes Modell? Neue US-Strategie soll Chinas Rohstoff-Dominanz brechen

Stand: 17.08.2026, 22:34 Uhr

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Die USA investieren Milliarden in Minen, Rohstoffe und Magnete – und wollen neue Lieferketten errichten, die nicht vom wirtschaftspolitischen Erzrivalen kontrolliert werden.

Washington – China dominiert bei Bergbau, Verarbeitung und Magnetproduktion den größten Teil der weltweiten Lieferketten für kritische Rohstoffe. Wenn diese Bodenschätze in Elektromotoren, Halbleitern und Elektronik landen, ist das eine Sache. Sind auch Kampfjets, Raketen oder Satellitensysteme betroffen, wird Abhängigkeit zur Sicherheitsfrage – und das ist für den größten wirtschaftspolitischen Widersacher besonders riskant.

Felsbrocken Roherz in der Mine von MP Materials in Mountain Pass, Kalifornien: Es handelt sich um die einzige Anlage zur Förderung und Verarbeitung von Seltenen Erden in den Vereinigten Staaten

Felsbrocken Roherz in der Mine von MP Materials in Mountain Pass, Kalifornien: Es handelt sich um die einzige Anlage zur Förderung und Verarbeitung von Seltenen Erden in den Vereinigten Staaten. © ZUMA Press Wire/Imago/Sebastian Gollnow/dpa; Bildmontage: IPPEN.MEDIA

Die USA haben offenbar genug davon, Rohstoffe in Reden als Sicherheitsrisiko zu behandeln. Washington finanziert künftig Minen, Raffination, Batterien und Magnete – und möchte ganze Lieferketten an sich reißen. Der Kurswechsel ist wirtschaftlich heikel und geopolitisch unausweichlich: Wer Materialien kontrolliert, hat im Zweifel auch die Produktion in der Hand.

Die USA kaufen nicht nur Rohstoffe, sie wollen Kontrolle übernehmen

Das Weiße Haus kündigte vor wenigen Tagen (7. August) ein Investitionspaket von mehr als zwei Milliarden US-Dollar an. Das Geld soll Magnete, Scandium-Legierungen sowie Silizium-Kohlenstoff-Anoden und Lithium-Ionen-Zellen voranbringen. Hauptsächlich sollen folgende amerikanische Unternehmen davon profitieren: 

  • 150 Millionen Dollar für Niron Magnetics
  • 400 Millionen für Sunrise Energy Metals
  • 1,4 Milliarden für Sila Nanotechnologies. 

Die Investitionen reichen bis zu feuerfestem Bauxit, dem Ausgangsstoff für Aluminium, und Bor für Glas, Halbleiter und Magnete. Graphit dient als Anodenmaterial in Batterien; Tantal wird für Kondensatoren und Elektronik gebraucht, Niob für hochfeste Stähle. Aus der veröffentlichten Regierungsmitteilung geht hervor, dass im Wesentlichen die Rüstungsindustrie profitieren soll.

China kontrolliert die Lieferketten hinter den Bodenschätzen

Der Grund für die US-Strategie liegt in Chinas integriertem Ökosystem: Es verbindet Rohstoffe, Raffination, Separation, Metalle, Legierungen und Permanentmagnete. Die Internationale Energieagentur warnte zuletzt vor einem Risiko von 6,5 Billionen Dollar (rund 5,6 Bio. Euro) aufgrund von Chinas Exportrestriktionen. IEA-Chef Fatih Birol sagte laut Reuters: „Enorme wirtschaftliche Werte hängen von vergleichsweise geringen Mengen kritischer Mineralien ab, deren Lieferketten nach wie vor stark konzentriert und somit anfällig sind.“

Das ist das Paradoxon kritischer Rohstoffe: Oft braucht die Industrie keine riesigen Mengen, sondern garantierten Zugang. Die USA, Europa oder auch andere asiatische Länder wie Japan können deshalb trotz eigener Vorkommen von Exportkontrollen getroffen werden. Fehlt ein einziges Element, geraten Autoindustrie, Verteidigung, Energie und Hochtechnologie ins Stocken – ökonomisch etwa so elegant wie ein Sandkorn im Getriebe.

USA vs. China: Schwere seltene Erden als geopolitischer Hebel

Im Juli wurde bekannt, dass China im vorangegangenen Monat weder Dysprosium noch Terbium oder Yttrium nach Japan lieferte. Auch die USA erhielten den zweiten Monat in Folge kein chinesisches Yttrium. Das sind keine Planspiele über Lieferketten: Dringend benötigtes Material wird zurückgehalten, worauf Regierungen versuchen, alternative Quellen für seltene Erden und andere Rohstoffe aufzubauen.

Donald Trump und sein Kriegsminister Pete Hegseth haben die einflussreichen Mormonen verärgert.

US-Präsident Donald Trump und seine Administration um Kriegsminister Pete Hegseth wollen die Rohstoff-Lieferketten an sich reißen (Archivbild). © dpa/Molly Riley/White House

Schwere seltene Erden stabilisieren Magnete bei hohen Temperaturen und in anspruchsvollen Anwendungen. Neodym und Praseodym liefern die magnetische Leistung. Die Mengen sind jeweils klein, die Abhängigkeit jedoch groß: Genau diese Rohstoffe können Motoren, Luftfahrt und Verteidigung ausbremsen, wenn China den Zugang verknappt.

US-amerikanische Lieferketten: Von Madagaskar bis Oklahoma

Die Strategie der USA lautet deshalb nicht, jeden Rohstoff im eigenen Land abzubauen. Washington sucht eine westliche und verbündete Lieferkette, welche die Volksrepublik China nicht kontrollieren kann. Auch Deutschland betrifft dieses Thema. In Madagaskar unterstützt die Development Finance Corporation (Entwicklungsbank der Regierung) das Projekt Harena Rare Earths, hier sollen jährlich rund 4000 Tonnen Seltenerdoxide gewonnen werden.

Auch aufstrebende Unternehmen wie Saga Metals Corporation erhalten ein neues strategisches Umfeld. Das Bergbauunternehmen USA Rare Earth beteiligte sich am französischen Verarbeiter Carester, der eine Anlage zur Separation schwerer seltener Erden baut. Zugleich entwickelt man mit einem US-Finanzierungspaket von 1,6 Milliarden Dollar neue Magnetkapazitäten im US-Staat Oklahoma.

Selbstversorgung der USA bleibt Wunschdenken – Kanada wird wichtig

Vollständig autark werden die USA nicht so schnell: Reuters berichtet, dass heimische Bergbau- und Verarbeitungskapazitäten trotz zweistelliger Milliardeninvestitionen bei mehreren kritischen Materialien nicht für die Nachfrage reichen. Zudem nähert sich der 1. Januar 2027: Dann sollen Beschaffungen bestimmter Metalle und Magnete aus China, Russland, Iran und Nordkorea eingeschränkt werden.

Kanada wird dadurch wichtiger. Der nördliche Nachbar verfügt über große Bergbauerfahrung und enge Industrie- und Verteidigungsbeziehungen zu den USA. Für weitere NATO-Länder wie Schweden ist der Abbau kritischer Metalle und seltener Erden zur Frage der nationalen Sicherheit geworden. Die Richtung ist klar: abbauen, separieren, raffinieren und produzieren. Das kostet Milliarden und Jahre – aber auch die Folgen von Stillstand sind bekanntermaßen massiv. (Quellen: wallstreet ONLINE, Reuters, The White House, IEA, NATO)