Wir sollten aus Erfahrung klüger werden - und die Schule in den nächsten Jahren vor Dauer-Reformen bewahren

Die Politik nimmt vermehrt Einfluss auf die Schule. Wenn dies dazu führt, dass sich die Schule wieder stärker am gesunden Menschenverstand ausrichtet, ist allen gedient. Bedauerlich ist, dass es für diese Rückbesinnung politischen Druck braucht.

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Wir sollten aus Erfahrung klüger werden - und die Schule in den nächsten Jahren vor Dauer-Reformen bewahren

Kommentar

Wir sollten aus Erfahrung klüger werden – und die Schule in den nächsten Jahren vor Dauerreformen bewahren

Die Politik nimmt vermehrt Einfluss auf die Schule. Wenn dies dazu führt, dass sich die Schule wieder stärker am gesunden Menschenverstand ausrichtet, ist allen gedient. Bedauerlich ist, dass es für diese Rückbesinnung politischen Druck braucht.

23.08.2026, 05.30 Uhr

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Der Schulalltag ist zurück – und mit ihm die lebhaften Diskussionen, welche Art von Schule wir für unsere Kinder wollen.

Der Schulalltag ist zurück – und mit ihm die lebhaften Diskussionen, welche Art von Schule wir für unsere Kinder wollen.

Keystone

Nun laufen sie wieder zur Schule, sofern sie nicht im SUV direkt vors Klassenzimmer gekarrt werden. Oder die Eltern vor Gericht ziehen, weil sie einen knapp 600 Meter langen Schulweg als nicht zumutbar für ihren Sprössling erachten – so geschehen in der Stadt Zürich. Der Schulalltag ist zurück, und mit ihm die lebhaften Diskussionen, welche Art von Schule wir für unsere Kinder wollen. Und was die Politik dazu zu sagen hat.

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In einer idealen Welt erarbeiten Experten ohne ideologische Hintergedanken im Auftrag der Bildungsdirektoren Lernziele und -methoden und berücksichtigen dabei die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes. Die Realität indes ist eine andere. Sie verkorkst zu nennen, wäre eine Untertreibung.

Die Schule ist zur Spielwiese geworden für praxisferne Bildungstheoretiker, klagebereite Eltern, bemühte Politiker und Lehrpersonen, die es allen recht machen sollen. Und mittendrin sind die Kinder, die regelmässig als Testpersonen für reformpädagogische Ideen herhalten müssen. So ist das Langzeitprojekt Integrative Schule dabei, Schiffbruch zu erleiden. Inzwischen steht sogar die Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer der Idee skeptisch gegenüber. War es wirklich nötig, über Jahre so viel Raum und Geld in diese Idee zu investieren – obwohl von Beginn weg die warnenden Stimmen nicht zu überhören waren?

Wie es scheint, setzt nun an vielen Schulen eine Gegenbewegung ein, ein Zurück zu den Basistugenden sozusagen. So setzt im Kanton Zug der SVP-Bildungsdirektor Stephan Schleiss wieder vermehrt auf einheitliche Tests, Leistung und das Erlernen der elementaren Kulturtechniken. Die berechtigten Klagen der Wirtschaft über mangelnde Deutsch- und Mathekenntnisse, ernüchternde Pisa-Resultate sowie der gestiegene Druck der bürgerlichen Parteien scheinen erste Früchte zu tragen.

Wenn dies dazu führt, dass sich die Schule wieder mehr am gesunden Menschenverstand und weniger an neuen Konzepten von Bildungstheoretikern ausrichtet (das Selbstverständnis der Pädagogischen Hochschule Zürich lautet: «Wir gestalten Bildung aktiv mit»), so kommt das unseren Kindern zugute.

Anlass zur Freude ist es jedoch nicht, dass es dafür verstärkten politischen Druck braucht. Denn eine Schule, die sich den wechselnden Mehrheiten in Regierung und Parlament anpasst, wird zum Spielball der Politik. Anschauungsunterricht liefert die AfD mit ihrer Ankündigung, im Fall eines Wahlsiegs in Sachsen-Anhalt den Bildungskanon umzukrempeln.

Darum ein Vorschlag zur Güte: Bewahren wir die Schule in den nächsten Jahren vor Dauerreformen, konzentrieren wir uns auf das Machbare, und fordern wir dabei Leistung ein. Gewichten wir die Rückmeldungen von Lehrkräften mit zum Teil jahrzehntelanger Praxiserfahrung mindestens ebenso stark wie neue pädagogische Erkenntnisse. Und lassen wir auf dieser Grundlage die Lehrpersonen ihren Job machen.