Starkregen und Gewitter werden durch die Klimakrise häufiger und stärker

Heftiger Regen und orkanartige Böen sorgten am Donnerstag teils für Weltuntergangsstimmung. Am Freitag ist mit Ähnlichem zu rechnen. Der Klimawandel trägt stark zu solchen Wetterextremen bei

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Starkregen und Gewitter werden durch die Klimakrise häufiger und stärker

Superzellen

Starkregen und Gewitter werden durch die Klimakrise häufiger und stärker

Heftiger Regen und orkanartige Böen sorgten am Donnerstag teils für Weltuntergangsstimmung. Am Freitag ist mit Ähnlichem zu rechnen. Der Klimawandel trägt stark zu solchen Wetterextremen bei

Frage & Antwort

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Julia Sica Marlene Erhart

Eine mächtige Gewitterzelle mit dunklen, dramatischen Wolken zieht am Donnerstagnachmittag über Odelzhausen im Landkreis Dachau. Im Vordergrund ist eine landwirtschaftliche Fläche und im Hintergrund Gebäude zu sehen. Der Himmel wird von der markanten Gewitterfront dominiert.
Gewitter können sintflutartige Regenfälle, Hagel und extreme Sturmböen mit sich bringen. Besonders gefährlich sind Superzellen, die enorme zerstörerische Kraft bergen.

Heftige Unwetter haben gestern vor allem im Osten Österreichs für teils schwere Schäden gesorgt, von überschwemmten Kellern und umgestürzten Bäumen bis hin zu Böen, die ganze Autos inklusive Insassen über die Straße schoben. Rund 400 Feuerwehreinsätze wurden im Bezirk Bruck an der Leitha in Niederösterreich durchgeführt, häufiger als sonst mussten Menschen aus Autos und Häusern gerettet werden. Im Raum Kittsee im Burgenland haben orkanartige Windböen und Starkregen ein Bild der Verwüstung hinterlassen. Über das Gebiet war eine Superzelle gezogen, die enorme Schäden verursachte. Auch über Wien fegten Gewitter und kurzzeitig Starkregen hinweg.

Nach den besonders trockenen vergangenen Monaten sind auch die Böden stellenweise hart wie Beton. Sie können Regen sehr schwer aufnehmen – insbesondere keine großen Mengen – weshalb sich viel Wasser an der Oberfläche sammelte. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Einordnung der Unwetter.

Frage: Wie kam es zu den heftigen Gewittern und Regenfällen am Donnerstag?

Antwort: Die Hitze der vergangenen Wochen hatte einen Einfluss auf die jetzigen Gewitter und sorgte für eine extreme Aufladung der Luftmassen, erklärt Andreas Tröscher, Sprecher der Geosphere Austria: "Und je aufgeladener und energiehaltiger die Luft, desto heftiger entladen sich die Gewitter." Diesmal seien die Luftmassen aus dem Südosten feucht und energiegeladen genug gewesen, um es in den äußersten Osten Österreichs zu schaffen – eine Region, die gerade im Vergleich zum Alpenraum weniger Gewitter hat und wo schwere Unwetter tendenziell eher abnehmen.

Schließlich komme es immer wieder vor, dass Gewitter unmittelbar vor Wien oder dem Nordburgenland in sich zusammenfallen. "In puncto Niederschlag möchte man fast sagen: Gott sei Dank sind die Gewitter dieses Mal bis weit in den Osten vorgedrungen", sagt Tröscher. Dort sei die anhaltende Trockenheit immerhin am dramatischsten. Allerdings hatten hier nun viele Haushalte mit Wasser im Keller zu kämpfen, die ausgepumpt werden mussten.

Dunkle Gewitterwolken ziehen am Abend über den Großen Feldberg in Schmitten, Hessen, Deutschland, auf. Im Vordergrund ist ein bewaldeter Hang zu sehen.
Die Wahrscheinlichkeit für intensive Gewitter steigt durch den Klimawandel stark an. Die Heftigkeit und Häufigkeit von Extremwetterereignissen schlägt sich auch in der Bilanz der einhergehenden Schäden nieder.

Frage: Wie ungewöhnlich waren die Unwetter? Werden sie immer heftiger?

Antwort: Ja, generell kommt es durch die Klimakrise häufiger zu Extremwetterereignissen, die auch intensiver ausfallen können. "Starkregen und orkanartige Winde sind kein neues Phänomen", sagt Tröscher. Auch das "Verwehen" von Autos sei immer wieder vorgekommen. Aber: "Neu sind die steigende Häufigkeit und Heftigkeit." Der Klimawandel sei ein Verstärker, der sich auch in den Schadensbilanzen der Hagelversicherung niederschlägt.

Frage: Was sind die Gründe für die intensiveren und häufigeren Regenfälle?

Antwort: Einerseits wird es im Durchschnitt wärmer, und wärmere Luft kann mehr Wasserdampf halten. Pro Grad Erwärmung sind das etwa sieben Prozent mehr Wasserdampf in der Atmosphäre. Mehr Wasser in der Luft heißt, dass auch mehr Wasser bei Regen aus den Wolken fallen kann. Andererseits gibt es Indizien dafür, dass Wetterlagen länger an einem Ort verbleiben und dadurch heftiger ausfallen – das gilt sowohl für Trockenheit als auch für Niederschlag. "Hochdruckgebiete 'hängen' wochenlang über Süd- und Mitteleuropa, bewegen sich kaum von der Stelle und schaufeln immer mehr heiße Luft aus Afrika heran", sagt Tröscher.

Eine mögliche Erklärung ist, dass der Jetstream schwächer werden könnte. Dieses Windband zieht durch Europa und wird vom Temperaturunterschied zwischen Arktis und südlicheren Regionen angetrieben. Da es am Nordpol jedoch besonders schnell immer wärmer wird, hat das womöglich zur Folge, dass der Jetstream langsamer wird und damit Wetterlagen langsamer weiterbewegt. Ob etwaige Veränderungen des Jetstreams wirklich zu den anhaltenden Hoch- oder Tiefdruckgebieten beitragen, wird in der Fachwelt jedoch noch diskutiert. Die Dynamik der Wetterbedingungen ist komplex und kann sich regional durchaus unterschiedlich verändern.

Frage: Weiß man, wie sich die Regenmengen verändert haben?

Antwort: Ja, eine Studie unter Beteiligung von Geosphere Austria, TU Wien und Uni Graz hat sich damit befasst. Die Ergebnisse zeigen, dass die Regenmengen innerhalb eines Tages bei Starkregen-Ereignissen in den vergangenen 40 Jahren um acht Prozent zugenommen haben. Innerhalb einer Stunde fällt der Erhebung zufolge 15 Prozent mehr Regen als früher. Die Veränderungen bei den Tagesmengen von Starkregen stimmen mit Änderungen von Hochwasser-Ereignissen mit großen Einzugsgebieten um ebenfalls acht Prozent überein. Auf ähnliche Weise korrelieren die veränderten stündlichen Mengen von Starkregen mit kleinräumigen Hochwasser-Ereignissen, die in den vergangenen 40 Jahren um 25 Prozent zunahmen.

Frage: Wie sieht es mit Gewittern aus?

Antwort: Die Zahl der Wetterlagen, die schwere Gewitter begünstigen können, ist in Europa seit den 2000er-Jahren um 30 bis 50 Prozent angestiegen. Besonders betroffen sind davon der Süden und Osten des Kontinents, wie Analysen der Geosphere bereits 2020 ergaben. In Österreich hat das Potenzial für (heftige) Gewitter um etwa 20 Prozent zugenommen. Allerdings bedeutet diese Zahl nicht, dass es tatsächlich zu einer Häufung dieser Wetterereignisse um diesen Wert kommt. Nicht jede gewitterbegünstigende Wetterlage führt letztlich auch tatsächlich zu Gewittern.

Frage: Was ist eine Superzelle?

Antwort: Es handelt sich dabei um besonders langlebige Gewitterwolken, die Hagel, sintflutartige Regenfälle oder Tornados mit sich bringen können. Sie gelten aufgrund ihres zerstörerischen Potenzials als der gefährlichste Gewittertyp. Meist entstehen Superzellen im Sommer, wenn warme und feuchte Luftmassen in rotierender Aufwärtsbewegung hochsteigen. Im Vergleich zu anderen Gewitterformen treten sie zwar seltener auf, durch den Klimawandel könnten sie allerdings wesentlich häufiger werden.

Ein Schweizer Forschungsteam berechnete, dass ihre Zahl an der Alpennordseite um bis zu 52 Prozent zunehmen könnte. Von dieser Häufung ist auszugehen, wenn die Erderwärmung um drei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau ansteigt. Betroffen wäre davon auch die Südseite der Alpen, wo die verwendeten Modelle eine Zunahme von Superzellen um 36 Prozent vorhersehen. Superzellen, die durch starke Winde in der Höhe zustande kommen, sind zu unterscheiden von sogenannten Supergewittern, die sich aufgrund fehlender Winde nur langsam weiterschieben. Auch letztere dürften allerdings klimawandelbedingt künftig öfter vorkommen.

Frage: Wie viel häufiger werden Starkregenereignisse?

Antwort: Derzeit hat sich die Welt im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter um etwa 1,4 Grad erwärmt. Für eine Erwärmung um 1,5 Grad nimmt der aktuelle Bericht des Weltklimarats IPCC aufgrund umfangreicher Analysen an, dass Niederschläge wie am regenreichsten Tag einer Dekade 1,5-mal häufiger auftreten. Dabei handelt es sich um eine relativ konservative Schätzung. Wenn die globale Erhitzung zwei Grad erreicht, was angesichts der anhaltenden Verwendung von Kohle, Erdöl und Erdgas um 2050 eintreten dürfte, steigt die Wahrscheinlichkeit für Starkregen in Zentraleuropa wohl nochmals um 50 Prozent und die Intensität um fünf Prozent. Global sorgen weiterhin hohe Emissionen bis 2100 global einer Studie zufolge für fast 50 Prozent mehr Überflutungsvolumen.

Frage: Wie gut waren die Unwetter zu prognostizieren?

Antwort: "Unwetter vorherzusagen ist sehr schwierig, weil sich die Gewitterzellen sehr schnell aufbauen – oder auch nicht – und immer regionaler werden", sagt Tröscher. Die Geosphere habe durchaus vor Unwettern gewarnt, allerdings sei dies nur für größere Regionen möglich, nicht punktgenau mehrere Tage im Voraus. Das zeige sich auch an den Regenmengen innerhalb von Wien, wo es im Westen trocken blieb, während in der Innenstadt bereits zwei bis drei Regengüsse heruntergekommen waren, erklärt der Geosphere-Sprecher: "Auf lediglich 415 Quadratkilometern gab es die unterschiedlichsten Gewitterverläufe."

Frage: Wie sieht der Ausblick für die kommenden Stunden und Tage aus?

Antwort: Im Laufe des Freitags kann es wieder zu Regenschauern und Gewittern kommen, zunächst im Westen und bis zum Abend auch im Osten. Wieder ist lokal laut Geosphere mit Starkregen, Hagel und Sturmböen zu rechnen. In vielen Regionen ist es schwül. Samstag und Sonntag kann es vor allem im Westen und Süden wieder lokale Schauer- und Gewitterzellen geben bei generell wechselhafter Wetterlage. So ähnlich setzt sich das Wetter auch Anfang kommender Woche fort, nach etwas niedrigeren Temperaturen soll es am Dienstag wieder bis zu 30 Grad warm werden. (Julia Sica, Marlene Erhart, 21.8.2026)

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