Klassentreffen in Ungarn: Wenn makabre Tipps ausgetauscht werden
Eine SZ-Assistentin fährt zum Klassentreffen nach Ungarn und lernt dort nicht nur, was ihre ehemaligen Freunde so machen – sondern auch, wie man eine Leiche vergräbt. Kolumne "Mitten in"
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Mitten in ... Zebegény
Das Treffen der einstigen Grundschulklasse findet diesmal als Poolparty statt. 20 Menschen, die gemeinsam aufwuchsen, stellen erleichtert fest, dass aus mitunter ekelhaften Kindern lauter sozialverträgliche Erwachsene geworden sind. Oder liegt es daran, dass man vor dieser Kulisse nicht anders als nett sein kann? Die untergehende Sonne spiegelt sich rot in der Donau und im Pool, die Luft ist von Grilldüften erfüllt, alte und neue Geschichten werden erzählt. Unter all den Storys bleibt ein Ratschlag hängen, den jemand von jemandem gehört hat, der angeblich einen Auftragskiller kennt: Wenn du eine Leiche verbuddelst, grabe tief genug. Und lege auf halber Höhe einen toten Hund rein, denn falls man mit dem Ausgraben anfängt, hört man dort auf. Ob das einer von den Erstklässlern des Jahres 1977 jemals brauchen wird? Katalin Molnár

Mitten in … Cartagena
Auf dem Weg von der Isla Múcura in Kolumbien zurück nach Cartagena. 90 Minuten soll die Fahrt im Schnellboot dauern. Aber heute weht der Wind. Zu Beginn herrscht noch Freude, Gäste jauchzen, Wasser spritzt. Doch die Wellen werden höher. Das Boot knallt ins Wellental, alles scheppert, der Rücken schmerzt. Die nächste Welle wartet, erfasst uns, eine halbe Ewigkeit verschluckt sie uns. Kinder schreien, Erwachsene reißen die Augen panisch auf. Da hilft nur beten – oder singen? Mein Vater meinte mal, das blockiere das Angstareal im Gehirn. Aber mir fallen nur Zeilen von „I believe I can fly“ ein. Das Boot rummst, alles ist durchnässt, ächz, „Spread my wings and fly away“, das wäre schön! Nach drei Stunden haben wir endlich wieder festen Boden unter den Füßen. Fazit des Tages, eindeutig: lieber singen als sinken! Helen Krueger-Janson

Mitten in ... München
Sonntagvormittag, eine entspannte Zugfahrt steht an. Dachte zumindest die Passagierin. Keine Stunde vorher die Nachricht: Verbindung fällt aus. Hektischer Aufbruch, um einen der zwei, drei Ersatzzüge zu kriegen. Am Gleis wartend dankbar für jeden Windhauch. Der Zug, der einfährt, hat zwar nur knapp die Hälfte der Abteile, doch es gibt einen Sitzplatz. Aber er fährt nicht los. Nach 20 Minuten Wechsel in den Zug gegenüber. Klappt es diesmal? Der Zugbegleiter steht am Bahnsteig und wartet. Äußerlich sieht er ruhig aus, doch das muss ja nichts heißen. Also wartet man neugierig mit ihm, ob die Passagierin vorankommt. Noch weniger als eine Minute bis zur angeblichen Abfahrt. Der Zugbegleiter schaut auf die Uhr. Ein Blick zum Kollegen, dann hebt er den Arm und steigt ein, die Türen schließen. Der Zug fährt planmäßig ab. Florian Kaindl
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