Wo alte Kinosessel Geschichten erzählen: Das Werlorama in Werl vermittelt Wohnzimmeratmosphäre

In dem kleinen Saal stehen gemütliche Sessel und ein Nierentisch samt Lampe in der Ecke, alte Filmplakate hängen an den Wänden, rote schwere Vorhänge vor den Fenstern. Vor Kopf befindet sich die Leinwand. Sie i...

  • 2 min read
Wo alte Kinosessel Geschichten erzählen: Das Werlorama in Werl vermittelt Wohnzimmeratmosphäre

In dem kleinen Saal stehen gemütliche Sessel und ein Nierentisch samt Lampe in der Ecke, alte Filmplakate hängen an den Wänden, rote schwere Vorhänge vor den Fenstern. Vor Kopf befindet sich die Leinwand. Sie ist im Gegensatz zu großen Multiplex-Kinos dezent, fast schon im Hintergrund. Die Einrichtung orientiert sich an den 1950er-Jahren - gemütlich und wie aus einer anderen Zeit.

Alte Kaugummis unter Kinosesseln

Besonders stolz ist Kinobetreiber Tobias Gebhardt auf vier alte Kinosessel. Sie stammen tatsächlich aus dem ehemaligen Central-Theater in Werl, das bis 1996 geöffnet war.

Historische Fassade und Verbindung zu Filmemacher Euler passen perfekt

Als der Werler vor einigen Jahren an einem leerstehenden Fotostudio vorbeikam, stellte er sich vor, wie hier wieder Leben einziehen könnte und zwar in Form eines kleinen Kinos.

Tobias Gebhardt lächelt in die Kamera
"Ich stand vor diesem leeren Ladenlokal und hab es einfach vor mir gesehen." Tobias Gebhardt, Kinobetreiber

Das ehemalige Studio passte für ihn perfekt: Historische Fassade, alte Werbeschriftzüge und die Verbindung zu Helmuth Euler, einem Filmemacher und Fotografen aus Werl. Der Name "Werlorama" ist nach einem Dokumentarfilm über Eulers Heimatstadt ausgewählt. Nach und nach wurde aus der Idee ein echter Kinosaal.

Vorführungen im Werlorama kosten keinen Eintritt

Einmal in der Woche gibt es im Werlorama eine Kinovorführung. Statt aktueller Blockbuster stehen vor allem alte Klassiker auf dem Spielplan. Allerdings auch, weil neue Filme schlicht zu teuer sind.

Das Werlorama versteht sich als gemeinnütziges Projekt, erklärt Tobias Gebhardt. Möglich hat das ein Verfügungsfond der Stadt Werl zur Belebung der Innenstadt gemacht. Jetzt ist dieser Fond zwar ausgelaufen, die Vorführungen bleiben aber kostenlos. Besucher können mit Spenden dazu beitragen, die laufenden Kosten zu finanzieren.

Tobias Gebhardt lächelt in die Kamera
"Nach jeder Vorführung gehe ich mit meinem Zylinder rum und sammle die Spenden ein, meistens trägt es sich. Manchmal zahle ich drauf." Tobias Gebhardt, Kinobetreiber

Das eigentliche Konzept endet für Tobias Gebhardt aber nicht mit dem Abspann. Die Zuschauer sollen nach dem Film noch sitzen bleiben, etwas trinken und über das Gesehene sprechen. Genau deshalb ist das Werlorama auch eher Wohnzimmer als klassisches Kino: klein und voller Persönlichkeit.