Kirchenrat Björn Mensing geht nach 21 Jahren in den Ruhestand

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Kirchenrat Björn Mensing geht nach 21 Jahren in den Ruhestand

Stand: 13.07.2026, 16:56 Uhr

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Segen zum Abschied: Dagmar Ahrens-Mensing und Björn Mensing (r.) mit Regionalbischof Thomas Prieto Peral.

Segen zum Abschied: Dagmar Ahrens-Mensing und Björn Mensing (r.) mit Regionalbischof Thomas Prieto Peral. © hab

Der Pfarrer an der Versöhnungskirche verlässt Dachau und zieht zurück in seine Heimat um Lüneburg. Charlotte Knobloch und Bodo Ramelow würdigten ihn im Gottesdienst.

Dachau – So viel Lob mag ihm den Abschied nicht gerade leichter gemacht haben: Nach 21 Jahren als Pfarrer an der Versöhnungskirche verlässt Kirchenrat Dr. Björn Mensing Dachau und zieht zurück in seine Heimat um Lüneburg. In einem Gottesdienst in der Friedenskirche konnte der 64-Jährige aus zahlreichen Grußworten prominenter Gäste nur Anerkennung für seine Arbeit in den Ruhestand mitnehmen.

Bevor Mensing von Regionalbischof Thomas Prieto Peral von seinem Amt entpflichtet wurde, hielt er seine letzte offizielle Predigt. Er erinnerte an zwei Gedenktage: zum einen an den 90. Jahrestag der Veröffentlichung der NS-kritischen Denkschrift der Bekennenden Kirche. Am Donnerstag, 16. Juli 1936, hatte eine Gruppe evangelischer Christen in der auch im Ausland viel beachteten Erklärung geschrieben, Antisemitismus, der zum Judenhass verpflichte, stehe gegen das christliche Gebot der Nächstenliebe. Die Existenz von Konzentrationslagern wurde darin erstmals benannt und verurteilt.

Ein Mensch mit aufrechtem Gang.

Mehrere der Mitverfasser kamen später in Konzentrationslager – unter ihnen der evangelische Pfarrer Martin Niemöller. Er wurde vor 85 Jahren, am Freitag, 11. Juli 1941, von Sachsenhausen nach Dachau verlegt, wo er bis kurz vor Kriegsende in einer Einzelzelle inhaftiert war. Der Historiker Mensing beschrieb auch den Weg, den Niemöller gegangen sei: von einem, der zunächst mit vielen Ansichten der Nationalsozialisten sympathisierte, hin zu einem, der offen Kritik übte, nachdem Adolf Hitler 1933 an die Macht gekommen war. Seine mahnenden Worte „Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen … ich war ja kein Kommunist“ seien Zeichen dieses Weges zur Umkehr, so Mensing.

Als Ehrengäste im Rahmen des Gottesdienstes sprachen Charlotte Knobloch, Shoah-Überlebende und jüngst wiedergewählte Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, sowie Bodo Ramelow, Vizepräsident des Deutschen Bundestags und Präsidiumsmitglied des Deutschen Evangelischen Kirchentags.

Für Knobloch hat Mensing durch seine Erinnerungen an Überlebende „Solidarität“ gezeigt. Er sei ein Mensch „mit moralischem Kompass“. Bodo Ramelow, der von 2014 bis 2020 Ministerpräsident in Thüringen war und der Partei Die Linke angehört, beschrieb die aktuelle Lage als zum „Verrücktwerden“ – und als eine, in der vieles „unter den Teppich gekehrt werde“, was aufhören müsse.

Im anschließenden Empfang erinnerte sich Zeitzeuge Ernst Grube an die anfängliche Skepsis, die er gegenüber dem jungen Mensing gehabt habe. Im Laufe von 20 Jahren Zusammenarbeit habe er jedoch festgestellt, wie „tolerant, offen, zugewandt“ er sei: „Ein Mensch mit aufrechtem Gang.“

Für den örtlichen Bundestagsabgeordneten Michael Schrodi (SPD) zeichnete sich Mensing durch seine „Beharrlichkeit“ und seine Verantwortung für das „öffentliche Erinnern“ aus – was gerade jetzt gegen rechtsextremen Populismus wirke. Oberbürgermeister Florian Hartmann sagte, Mensing sei ein „kritischer Geist auch der Stadt Dachau gegenüber gewesen“ und habe „schonungslos“ die Finger in offene Wunden gelegt. Landrat Stefan Löwl hob hervor, es sei eine besondere Gabe des Historikers gewesen, sensibel auf die Überlebenden zuzugehen – man habe gemerkt: „Das kommt aus dem Herzen.“ Eine „beeindruckende Intensität in zahlreichen Projekten“, betonte Karl Freller als Stiftungsdirektor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten. Auch Dominique Boueilh, Sohn eines KZ-Überlebenden aus Frankreich, Johannes Wischemeyer von der Evangelischen Kirche in Deutschland sowie Christian Roß von der Coventry-Nagelkreuzgemeinschaft würdigten Mensing.

Gottesdienst und Empfang bekamen Schwung und Gefühl durch den Gospelchor St. Lukas. Er sang israelische Weisen, das Widerstandslied der Bürgerrechtsbewegung in den USA und „When I‘m sixty-four“ der Beatles – passend zum 64-jährigen Ruheständler.

Elfriede Peil