"Kann keine Antwort sein": Umweltminister fährt neuem Kollegen Bilger in die Parade

Nach zwei Wochen in der Bundesregierung heißt auch SPD-Minister Schneider den neuen Kollegen im Verkehrsressort willkommen: CDU-Mann Bilger will als Antwort auf Niedrigwasserphänomene die Flüsse vertiefen, Umweltminister Schneider widerspricht ihm öffentlich. Umweltverbände sehen es ähnlich.

  • 3 min read
"Kann keine Antwort sein": Umweltminister fährt neuem Kollegen Bilger in die Parade

"Kann keine Antwort sein"Umweltminister fährt neuem Kollegen Bilger in die Parade

12.08.2026, 14:55 Uhr

00:00

/

03:33

Statement-von-Carsten-Schneider-SPD-Minister-fuer-Umwelt-Klimaschutz-Naturschutz-und-nukleare-Sicherheit-vor-dem-Bundeskanzleramt-in-Berlin-am-12-August-2026
Bei Wassermangel muss es nach Ansicht Schneiders darum gehen, das kostbare Gut so lange wie möglich im Land zu halten. Fahrrinnenvertiefungen lassen Wasser dagegen noch schneller ablaufen. (Foto: picture alliance / Andreas Gora)

Nach zwei Wochen in der Bundesregierung heißt auch SPD-Minister Schneider den neuen Kollegen im Verkehrsressort willkommen: CDU-Mann Bilger will als Antwort auf Niedrigwasserphänomene die Flüsse vertiefen, Umweltminister Schneider widerspricht ihm öffentlich. Umweltverbände sehen es ähnlich.

Innerhalb der Bundesregierung gibt es unterschiedliche Ansichten darüber, welche Konsequenzen aus den häufiger auftretenden Phasen von Niedrigwasser in deutschen Flüssen zu ziehen sind. Bundesumweltminister Carsten Schneider sprach sich gegen eine Vertiefung von Flüssen zur Aufrechterhaltung der Schifffahrt aus. Das könne nicht die Antwort auf die gegenwärtige Situation sein, sagte der SPD-Politiker. Vielmehr brauche es einen "Rückbau" der Flüsse, "weg von Kanälen hin zu natürlichen Flüssen mit mäandernden Flussarmen, mit Flussauenlandschaften, die das Wasser in der Fläche halten". Auf die Frage, was unmittelbar getan werden könne für die Schifffahrt, sagte Schneider: "Kurzfristig können Sie da nicht viel machen, denn es fehlt das Wasser."

Die großen deutschen Flüsse haben wegen der anhaltenden Trockenheit an vielen Orten Niedrigwasser. Am Rhein wurden am Wochenende in Nordrhein-Westfalen historische Tiefstände gemessen. Die Binnenschifffahrt stellt das vor große Probleme, da die Schiffe deutlich weniger Ladung transportieren oder sogar gar nicht mehr fahren können. Schneiders Kabinettskollege Verkehrsminister Steffen Bilger hatte sich deshalb zuvor für einen weiteren Ausbau der Wasserstraßen in Deutschland ausgesprochen.

"Wenn wir wollen, dass Güter verlagert werden von der Straße auf die Wasserstraße, dann muss Vertrauen in die Binnenschifffahrt bestehen", sagte der CDU-Politiker im "Frühstart" von RTL/ntv. "Deswegen können wir es uns nicht erlauben, regelmäßig mit so gravierenden Niedrigwasserproblemen konfrontiert zu sein." Zur Klimaanpassung gehöre an einigen Stellen ein Ausbau der Wasserstraße dazu.

Schneider fordert Umdenken

Auf ökologischen Ausgleich werde man sehr achten. Es gebe viele gute Beispiele, den Ausbau der Wasserstraße und den ökologischen Aspekt in Einklang zu bringen. Er werbe um Unterstützung für die Wasserstraße "als den umweltfreundlichsten Verkehrsträger, den wir haben". Er werde darüber auch mit Umweltverbänden sprechen, sagte der Minister dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Umweltschützer lehnen Fahrrinnenvertiefungen ab. "Sie schaden mehr, als sie nützen", erklärte Beatrice Claus vom WWF dazu. "Durch den Ausbau und die Begradigung fließt das Wasser noch schneller ab in die Nord- und Ostsee, statt in der Umgebung gehalten zu werden." Wichtiger sei es, mit naturnahen Landschaften mehr Speicherkapazität für Wasser zu schaffen.

Diese Auffassung vertritt auch Umweltminister Schneider. "In den vergangenen Jahrhunderten war Deutschland ein wasserreiches Land, es wurde viel Kraft aufgewandt, Flüsse zu begradigen, sie uns dienbar zu machen, aber auch die Landwirtschaft durch die Entwässerung der Moore möglich zu machen", sagte er. Nun sei Wasser wegen des Klimawandels jedoch zu einem knappen Gut geworden. Es brauche daher ein Umdenken.

Quelle: ntv.de, jog/AFP/dpa