Flammen-Inferno in Hürtgenwald: Wie ist die Situation jetzt für Anwohner und Helfer?
Die Nacht ist überstanden - und damit auch eine schlaflose Nacht für die Einsatzkräfte, aber auch die Einwohner des evakuierten Orts Gey. Denn das Flammen-Inferno glühte am Horizont die ganze Nacht. Vorsichtig...
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Die Nacht ist überstanden - und damit auch eine schlaflose Nacht für die Einsatzkräfte, aber auch die Einwohner des evakuierten Orts Gey. Denn das Flammen-Inferno glühte am Horizont die ganze Nacht.
Vorsichtiger Optimismus, aber noch keine Entwarnung in Hürtgenwald
Seit Tagesanbruch können die Löschhubschrauber wieder fliegen. Der Samstag startet vorsichtig optimistisch für die rund 2.000 Bewohner von Hürtgenwald-Gey. Der Ort war wegen der Flammen evakuiert worden. Am Samstag können sie zwar noch nicht zurück, aber es gibt Hoffnung: Wie die Feuerwehr gegenüber einem WDR-Reporter sagt, ist Gey zumindest im Moment sicher. Die Flammen sind nicht näher gerückt.
Wir starten positiv in den Tag. Die massiven Löschangriffe vom Boden und der Luft zeigen Wirkung. Peter Berndgen, Pressesprecher des Feuerwehrverbandes Kreis Düren
Trotzdem kann die Feuerwehr noch keine Entwarnung geben. Viel hängt davon ab, wie sich das Wetter und vor allem der Wind entwickeln. Denn der Wind frischt gerade wieder auf. Aktuell werden deshalb noch Pferde, Hühner und Haustiere aus Gey evakuiert. Das Feuer ist nach wie vor noch mehr als 100 Meter von dem Ort entfernt, die Brandbekämpfung läuft weiter. 300 Hektar des Hürtgenwalds sind insgesamt betroffen. Und noch ist der Brand nicht unter Kontrolle.
Sorgen bei den Bewohnern von Hürtgenwald-Gey
Hinter den rund 2.000 Einwohnern, die bei der Evakuierung von Gey ihr Zuhause in kürzester Zeit zurücklassen mussten, liegen bange Stunden. Manuela Maus-Mutscher ist mit ihrer Familie in einem Hotel untergekommen. Aus der Ferne sehen sie den Rauch aufsteigen. Das sorgt für Ängste, hat sie dem WDR erzählt.
Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Ich habe beruflich jetzt erstmal schnell Urlaub genommen - weil man einfach nicht weiß, was bringen die nächsten Tage. Habe ich noch mein Haus? Manuela Maus-Mutscher aus Gey
Viele der Menschen, die ihre Häuser verlassen mussten, sind bei Verwandten, Freunden oder In Hotels untergekommen; nur wenige in der Notunterkunft. Sie beschäftigt nicht nur die Sorge um ihr Zuhause, sondern auch um ihre Lieben. So wie bei Kinga Claßen aus Gey.
Jetzt im Moment bin ich ziemlich erleichtert und ruhiger. Mein Mann ist jetzt wieder vom Einsatz zurück – er ist wohlauf, zwar ziemlich erschöpft, aber er ist wieder bei mir und unseren Kindern. Tina Claßen aus Gey
Feuerwehr, Landwirte und Bundeswehr zusammen gegen den Waldbrand
Die Einsatzkräfte sind noch deutlich aufgestockt worden - inzwischen sind 1.400 Leute von Feuerwehr, THW, Polizei und weiterer Gewerke vor Ort. Feuerwehren aus ganz NRW rücken an, um ermüdete Einsatzkräfte abzulösen. Damit die Helfer bei Kräften bleiben, ist eine Versorgungsstation eingerichtet worden.
Die Bundeswehr schlägt mit Bergepanzern Schneisen durch den Wald. Denn alte Munition aus dem zweiten Weltkrieg erschwert die Löscharbeiten. Und auch Landwirte aus der ganzen Region helfen bei der Brandbekämpfung. Zum Beispiel, indem sie unermüdlich Wasser aus Talsperren und Teichen holen und es an den Einsatzort bringen.
Eine Welle der Hilfsbereitschaft
Viele helfen einfach freiwillig mit - so auch Luca Franke. Er kommt aus der Gegend, sagt er. Als er gestern nach Hause kam und die Rauchwolke sah, habe er das Gefühl gehabt etwas tun zu müssen. "Da kam es sehr gelegen, dass ich über den Bauernhof an die Arbeit gekommen bin und jetzt hier helfen kann."
Schon am Ortseingang zu Kleinhau werden die Helfer sehr herzlich begrüßt - auf ein provisorisches Schild wurde mit schwarzer Farbe gesprayt: "Danke an alle Helfer". Ein Zeichen der Dankbarkeit in diesen schlimmen Zeiten. Das geht auch Bürgermeister Stephan Cranen so: "Also ich bin überwältigt von dieser ganzen Unterstützung, die uns hier zuteil wird."
Dankbarkeit, absolute Dankbarkeit und Wertschätzung... Dass man sich hier in Hürtgenwald nicht alleine fühlt, sondern dass alle uns nach ihren Kräften hier unterstützen! Stephan Cranen (parteilos), Bürgermeister von Hürtgenwald
Und das wird auch noch eine ganze Weile nötig sein, um das Flammen-Inferno im Hürtgenwald in den Griff zu bekommen. Denn es ist der größte Waldbrand in der Geschichte NRWs. Die Feuerwehr rechnet damit, dass sich die Löscharbeiten noch mehrere Tage hinziehen.