Frühlingshafte Temperaturen in der Antarktis - Beklemmender Verdacht steht im Raum
StartseiteDeutschlandJuni-Rekord in der Antarktis: Thermometer klettert plötzlich auf über 15 GradStand: 18.07.2026, 06:12 UhrKommentareUns auf Google folgenAusgerechnet im tiefsten Südwinter kletterte das Ther...
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Juni-Rekord in der Antarktis: Thermometer klettert plötzlich auf über 15 Grad
Stand: 18.07.2026, 06:12 Uhr
Ausgerechnet im tiefsten Südwinter kletterte das Thermometer in der Antarktis auf frühlingshafte Werte. Was steckt dahinter? Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Kassel – Anfang Juni war in der Antarktis eigentlich alles wie immer: Polarnacht, Sturm, klirrende Kälte. Und dann das. An der Station Esperanza an der Nordspitze der Antarktischen Halbinsel zeigte das Thermometer plötzlich 15,4 Grad. Zur Erinnerung: Wir reden hier vom südlichen Winter, wo Minusgrade der Normalfall sind. Ein neuer Juni-Rekord für diese Station, seit dort überhaupt gemessen wird. Und es blieb nicht bei einem einzelnen Ausreißer.

Auf weiten Teilen der Halbinsel lagen die Temperaturen deutlich über dem, was für die Jahreszeit üblich ist, stellenweise mehr als zehn Grad über dem langjährigen Mittel. Das ist kein Messfehler, das ist ein Signal. Auch in Deutschland sind die Temperaturen aktuell ungewöhnlich hoch.
Warme Luft zieht nach Süden und sorgt für milde Temperaturen
Der Grund für den Wärme-Hammer liegt in der Anordnung der Druckgebiete. Über dem Südatlantik saß ein ungewöhnlich kräftiges Hoch, über dem Südpazifik ein Tief. Zwischen beiden bildete sich eine regelrechte Luft-Autobahn, auf der milde Luft aus den mittleren Breiten schnurstracks Richtung Südpol geschickt wurde.
Dazu kommt vermutlich noch ein Föhneffekt: Feuchte Luft steigt an den Westhängen der Gebirgskette auf, regnet sich ab und rauscht auf der Ostseite wieder hinunter. Beim Absinken wird sie zusammengedrückt und heizt sich rasant auf. Genau dieser Mechanismus hat schon bei früheren Extremen in der Region für Rekorde gesorgt.
Fehlendes Eis als heimlicher Turbo für das Rekord-Wetter?
Ein Verdacht macht Fachleute besonders hellhörig. In der Bellingshausensee fehlten Anfang Juni rund 650.000 Quadratkilometer Meereis – eine Fläche fast doppelt so groß wie Deutschland. Wo kein Eis liegt, kühlt die heranströmende Luft auf ihrem Weg nach Süden kaum noch ab.
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Sie behält ihre Wärme also, statt sie unterwegs abzugeben. Ob das der entscheidende Turbo war, ist noch nicht abschließend geklärt. Aber die Vermutung liegt auf dem Tisch. Und sie ist alles andere als beruhigend.