Jazz: Swing, Sonne, Stimmung – so war das letzte Wochenende beim Homburger Musiksommer
Gute Musik, gutes Wetter, gute Stimmung: Der Homburger Musiksommer hat am letzten Wochenende geliefert. Coverband KIM sorgte freitags für Tanzlaune, das Jazz-Quintett von Chris Hopkins für hochkarätigen Swing.
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Jazz Swing, Sonne, Stimmung – so war das letzte Wochenende beim Homburger Musiksommer
Homburg · Gute Musik, gutes Wetter, gute Stimmung: Der Homburger Musiksommer hat am letzten Wochenende geliefert. Coverband KIM sorgte freitags für Tanzlaune, das Jazz-Quintett von Chris Hopkins für hochkarätigen Swing.
03.08.2026 , 18:28 Uhr
Gitarrist Tijn Trommelen sang Jazzklassiker; Chris Hopkins animierte zum Mitklatschen.
Foto: Sebastian Dingler
Der Wettergott meint es mittlerweile wieder gut mit dem Homburger Musiksommer. So konnten sowohl Querbeat am Freitagabend als auch der Jazzfrühschoppen am Samstag unter idealen Bedingungen stattfinden. Beide Konzerte passten sehr gut ins Konzept der Verantwortlichen, freitags etwas mehr Partystimmung anzubieten und tags drauf dem Jazz zu frönen. Den beschwingten Teil übernahm am letzten Wochenende die saarländische Coverband Kim. Die Formation aus dem Neunkircher Raum setzt stark auf den Gesang: Neben Bass, Schlagzeug und Gitarre gibt es zwei Sängerinnen und einen Sänger. Die weiblichen Parts teilten sich Mutter Silvia Petrovic und Tochter Angela Rita Matheis, den männlichen übernahm Thomas Müller. Das ging dann quer durch die Musikgeschichte, von „Sugar Baby Love“ über Michael Sembellos „Maniac“ bis hin zu letztjährigen Hit „Apt.“ von Bruno Mars und Rosé. Klar, dass da auf dem Marktplatz eine tolle Stimmung herrschte und viel getanzt wurde.
Bei angenehmer Temperatur war der Marktplatz gut besetzt.
Foto: Sebastian Dingler
Tags drauf gab es dann qualitativ hochwertigen Jazz zum Zuhören. Gekommen war das Quintett Chris Hopkins Meets the Young Lions. Der ungewöhnliche Bandname ist leicht erklärt: Der erfahrene Saxofonist und Pianist Chris Hopkins, Jahrgang 1972, hat während seiner Lehrtätigkeit an der Hochschule für Musik in Köln ein paar Talente entdeckt, mit denen er gerne auftritt. Hervorzuheben waren auf dem Marktplatz Gitarrist Tijn Trommelen, der die alten Swingjazz-Nummern auch sehr gut sang, sowie Trompeter Thimo Niesterok, der sich mit Hopkins einige Duelle lieferte und dabei wirklich nicht schlecht abschnitt.
„Swing so spielen, dass auch jüngere Menschen etwas damit anfangen können“
Young Lions, das war übrigens auch das Etikett, das jungen Jazzern wie dem weltbekannten Trompeter Wynton Marsalis in den 80er Jahren umgehängt wurde. Diese opponierten gegen Strömungen wie Fusion oder Free Jazz, weil sie lieber traditionellen Jazz spielen wollten. Heute ist es keine große Rebellion mehr, den guten alten Swing zu spielen die Young Lions von Chris Hopkins zeigten, dass das auch jungen Leuten sehr viel Spaß machen kann. „Wir wollen den Swing so spielen, dass auch jüngere Menschen etwas damit anfangen können“, meinte Trommelen hinterher. Interessant, was der holländische Sänger über die Atmosphäre beim Musiksommer sagte: „Die Leute saßen hier, haben sich entspannt und aktiv dem Jazz zugehört. Das hat sich für uns richtig gut angefühlt. So etwas findet man in den Niederlanden oder auch in Frankreich, wo ich oft spiele, nicht.“ Typisch deutsch sei das also, aber in einem positiven Sinne.
Saxofonist Chris Hopkins hat vier junge Talente um sich geschart.
Foto: Sebastian Dingler
Hopkins selbst lobte das Ambiente des Musiksommers ebenfalls. Ihm gefiel besonders, dass die Band hier auch mal andere Leute erreichen könne als in den Konzertsälen, in denen sie normalerweise auftritt. Zur Gründung von Chris Hopkins Meets the Young Lions meinte der Deutsch-Amerikaner, er sei in seiner Karriere häufig der jüngste Musiker in einer Band gewesen. Vor drei Jahren sei in ihm die Idee gereift, mal etwas Neues zu wagen. „Da habe ich mir überlegt, dass es Zeit ist, der Gesellschaft mal etwas zurückzugeben und mich mit jugendlicher Frische zu umgeben.“ In der Band habe er einige der größten Talente versammelt, die es hierzulande gebe.
Meister ihres Faches beim Homburger Musiksommer
Auch Hopkins hob Trompeter Niesterok dabei hervor: „Der Thimo war mein bemerkenswertester Student in all den Jahren.“ Als er mit 18 Jahren an die Musikhochschule kam, sei noch nicht alles ausgereift gewesen. Aber Hopkins habe sein unglaubliches Talent erkannt. Jetzt sei Niesterok Deutschlands führender Jazztrompeter in seiner Generation. Auch Trommelen stieg in die Lobeshymnen auf seinen Mitmusiker ein: „Thimo spielt die Trompete, als sei er schon 50 Jahre lang im Musikgeschäft.“ Das soll jetzt nicht die Leistung von Kontrabassistin Caris Hermes und Schlagzeuger Jakob Hein schmälern, die sich gleichwohl als Meister ihres Faches erwiesen.
Mit der Setliste zeigte sich die Formation äußerst flexibel: „Es gibt keinen Plan. Wir gehen raus und schauen, was passiert“, so Hopkins. Auf der Bühne agiere man viel mit Zeichensprache, um sich darauf zu verständigen, welcher Part gleich kommt. Das Repertoire stammte aus der Bibel der Jazzmusiker, dem sogenannten Real Book. Darin sind sämtliche Klassiker des Swings ausnotiert, dazu auch solche aus dem Bereich der lateinamerikanischen Musik. Den Bossa nova „Desafinado“ hörte man da oder den Evergreen „Bésame mucho“ („Küss mich ganz fest“), zu dem Hopkins die schöne Entstehungsgeschichte erzählte: Die mexikanische Komponistin Consuelo Velázquez sei im Alter von 16 Jahren das einzige Mädchen ihres Freundeskreises gewesen, das noch keinen Freund hatte. Aus Verzweiflung habe sie dann dieses Lied geschrieben. Mit Bésame mucho endete das wunderbare Konzert von Chris Hopkins Meets the Young Lions, leider ohne Zugabe: Der Bandchef hatte nach dem Schluss nur noch 20 Minuten Zeit, um den passenden Zug zum nächsten Konzert zu erreichen.
„Ganz, ganz toll“ hatte das Konzert der Homburgerin Vera Musseleck gefallen. „Das war genau die Musik, die ich jetzt gebraucht habe.“ Herbert Kraß aus Riegelsberg hatte einst selbst in der Band The Swinging Barbershop gespielt. Mit seiner Frau Christa besuche er den Musiksommer regelmäßig, denn: „Solche Musik findet man nur noch selten. Da könnten sich andere mal ein Beispiel an Homburg nehmen.“ (ian/hcr)