Pflege, Handwerk, Versorgung: Warum Ostdeutschland ohne Zuwanderung in die Krise rutscht
StartseiteWirtschaftIW-Studie: Ostdeutschland gehen ohne Zuwanderung die Arbeitskräfte ausStand: 21.08.2026, 14:28 UhrKommentareUns auf Google folgenDer Fachkräftemangel könnte im Osten die Versorgung in Gefahr...
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IW-Studie: Ostdeutschland gehen ohne Zuwanderung die Arbeitskräfte aus
Stand: 21.08.2026, 14:28 Uhr
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Der Fachkräftemangel könnte im Osten die Versorgung in Gefahr bringen. Betroffen wären etwa Pflege, Handwerk, Friseure und Ärzte.
Berlin – Schon jetzt fehlen fast einem Viertel der Unternehmen in Deutschland nach eigenen Angaben Fachkräfte. Das geht aus einer aktuellen Studie des ifo-Instituts hervor. „Die schwache Konjunktur hält den Fachkräftebedarf derzeit in Grenzen“, erläutert die Ifo-Forscherin Daria Schaller am Freitag (20. August). „Mit einer stärkeren wirtschaftlichen Erholung dürfte auch der Fachkräftemangel aber wieder deutlicher zunehmen.“ Eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) schätzt die Lage besonders im Osten Deutschlands als angespannt ein. Dort droht ein Teufelskreis aus Fachkräftemangel und sinkender Wirtschaftskraft.

Sofern es keine Zuwanderung gebe, werde die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in Ostdeutschland bis 2045 um mehr als ein Fünftel sinken, heißt es in der Analyse des IW-Köln. „Sollte die Migration ausbleiben, würde die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 66 Jahren dort bis 2045 um fast 22 Prozent auf etwa sechs Millionen sinken“, heißt es in einer Mitteilung dazu. Derzeit leben demnach etwa 7,7 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter in den ostdeutschen Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Ohne Zuwanderung würde die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter beispielsweise in Sachsen-Anhalt bis 2045 um gut 24 Prozent sinken, in Mecklenburg-Vorpommern gar um 25 Prozent. Demnach stünden in den beiden Bundesländern dann „abzüglich der Personen in Ausbildung oder jener, die wegen Krankheit nicht arbeiten können, nur noch 43 Prozent dem Arbeitsmarkt zur Verfügung“, so die Analyse. Dies könnte die Versorgung der Bevölkerung gefährden. „Pflegekräfte, Friseure, Handwerker oder Ärzte müssen vor Ort sein und lassen sich nicht durch KI ersetzen“, kommentierte IW-Experte Wido Geis-Thöne die Ergebnisse. „Dabei droht ein Teufelskreis aus weniger Arbeitskräften, weniger Wirtschaftskraft, geringerer Attraktivität für jüngere Menschen und noch mehr Wegzügen.“
Deutschland braucht mehr Fachkräfte aus dem Ausland: Experten fordern Willkommenskultur
Weitere renommierte Ökonomen hatten sich bereits ähnlich geäußert. Die Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, hatte bereits 2023 vorgerechnet, dass Deutschland pro Jahr 1,5 Millionen Zuwanderer brauche, nur um die Zahl der Arbeitskräfte zu halten. Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung forderte sie damals auch eine Willkommenskultur in Deutschland. „Wenn Intel eine Fabrik in Magdeburg baut und dafür auch ausländische Fachkräfte gewinnen will, müssen die sich dort willkommen fühlen“, betonte die Expertin, die als Expertin die Bundesregierung in Wirtschaftsfragen berät.
Wirtschaftlich wäre mehr Zuwanderung laut Experten also sinnvoll, doch politisch gewinnt im Osten Deutschlands die Alternative für Deutschland (AfD) laut Umfragen immer mehr an Wählerstimmen. In Sachsen-Anhalt sehen Meinungsforschungsinstitute die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei bei 41 Prozent bis 42 Prozent. Auch in Thüringen und Sachsen erreicht die AfD derzeit Umfragewerte um die 40 Prozent. Die IW-Experten indes raten: Es sei wichtig, dass die „ostdeutschen Flächenländer in den nächsten Jahren sehr gezielt darauf hinarbeiten, ihre Erwerbsbevölkerung durch Zuwanderung zu stabilisieren.“ (Quellen: AFP, dpa, Süddeutsche Zeitung, ifo-Institut, IW) (bme)