Barend Fruithof, Chef von Aebi Schmidt, fordert Zugeständnisse im Zollstreit mit den USA

Barend Fruithof, Chef des Spezialfahrzeugherstellers Aebi Schmidt, lobt den Bund für die Verhandlungen mit Trump – und er weist warnend darauf hin, dass eine strenge UBS-Regulierung dem Werkplatz massiv schaden würde.

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Barend Fruithof, Chef von Aebi Schmidt, fordert Zugeständnisse im Zollstreit mit den USA

Interview

Peter Spuhlers Vertrauensmann fordert Zugeständnisse an die USA: «In der Summe ist der Zollstreit bisher nicht schlecht verlaufen für die Schweiz»

Barend Fruithof, Chef des Spezialfahrzeugherstellers Aebi Schmidt, lobt den Bund für die Verhandlungen mit Trump – und er weist warnend darauf hin, dass eine strenge UBS-Regulierung dem Werkplatz massiv schaden würde.

11.07.2026, 21.45 Uhr

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Vom Bauern zum Banker zum Industriechef: Barend Fruithof, der Chef von Aebi Schmidt, hat eine aussergewöhnliche Karriere hingelegt.

Vom Bauern zum Banker zum Industriechef: Barend Fruithof, der Chef von Aebi Schmidt, hat eine aussergewöhnliche Karriere hingelegt.

Mathias Förster / CH Media

Auf den Festbänken sitzen rund hundert Männer. Viele tragen kurze Hosen und robuste Schuhe, nicht wenige ein Käppi mit Schweizerkreuz. Die Szenerie erinnert an ein Schwingfest – hier oben auf der Alp Blüemlisberg im Kanton Schwyz, mit Blick auf den Kleinen und den Grossen Mythen. Am Mikrofon steht Barend Fruithof, CEO und Verwaltungsratspräsident des Spezialfahrzeugherstellers Aebi Schmidt. Das Unternehmen feiert das 50-Jahr-Jubiläum des Landmaschinenfahrzeugs Terratrac.

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Fruithof tritt in Hemd und Jackett auf; auf die Alp ist er in einem Porsche angereist. Das Ländliche ist ihm dennoch nicht fremd: Der grossgewachsene Zürcher mit niederländischen Wurzeln absolvierte einst selbst eine Bauernlehre. Später wurde er Banker bei Raiffeisen, Credit Suisse und Julius Bär. 2017 holte ihn Peter Spuhler als CEO zu Aebi Schmidt. Seither ist das Unternehmen stark gewachsen – und ist seit einem Jahr an der amerikanischen Börse kotiert.

Herr Fruithof, wir treffen uns im Herzen der Schweiz. Wie viel Schweiz steckt noch in Aebi Schmidt?

Sehr viel. Die Schweiz ist unser Erbe und unsere Geschichte – das vergessen wir nicht. Deshalb sind wir auch an der amerikanischen Börse Nasdaq mit dem Namen Aebi gelistet. Und deshalb befindet sich unser Hauptsitz weiterhin hier. Unsere Expansion in den USA stärkt den Standort Schweiz. Sie bringt mehr Nachfrage für Produkte, die hier produziert werden, und erhöht die Auslastung am Standort Burgdorf. Zudem steht die Schweiz für höchste Qualität – davon profitieren wir.

Die Gruppe vereint mehr als zehn Hersteller von Spezialfahrzeugen. Führt die Expansion in den USA zu zusätzlichen Produktionsjobs in der Schweiz?

Für Burgdorf bedeutet die Expansion vor allem eine Absicherung der Arbeitsplätze. In der Verwaltung und auch im Engineering entstehen aber auch neue Stellen in der Schweiz. Zum Beispiel entwickeln und pflegen wir unsere digitale Plattform zur Echtzeitüberwachung unserer Maschinen in Deutschland und der Schweiz. Und die wird nun auch in den USA eingesetzt. Auch bei der Forschung zu neuen Technologien, etwa dem autonomen Fahren, nutzen wir Synergien zwischen den Marken.

Aebi Schmidt ist seit gut einem Jahr an der amerikanischen Börse. Ihr Fazit?

Der Börsengang ist ein Erfolg, brachte aber zahlreiche Herausforderungen mit sich, etwa die vollständige Umstellung des Buchhaltungsstandards innert drei Monaten. Entscheidend ist jedoch, dass wir die Markterwartungen und unsere eigenen Ziele erfüllen. Das schafft Vertrauen und führt dazu, dass sich vermehrt institutionelle Investoren für uns interessieren.

Die Aktie liegt zurzeit unter dem Ausgabepreis – während die amerikanische Börse insgesamt deutlich zugelegt hat.

Die amerikanische Börse wurde stark von einzelnen Titeln im Bereich der künstlichen Intelligenz getrieben. Es gibt aber auch Investoren für klassische Industriebetriebe wie Aebi Schmidt. Dass sich das im Kurs bis jetzt nicht zeigt, liegt unter anderem daran, dass nur ein kleiner Teil unserer Aktien überhaupt gehandelt wird. Die grössten 80 bis 100 Investoren halten 93 bis 94 Prozent – und wollen nicht verkaufen, da sie mit der Entwicklung zufrieden sind. Wenn nur wenige Prozent frei handelbar sind, erschwert dies Investitionen für Fonds und Family-Offices. Wir sind uns bewusst, dass die Frage des Free Float mittel- und langfristig gelöst werden muss.

Sie wollen den Umsatz bis 2030 von heute 2 auf 3 Milliarden Franken steigern. Planen Sie weitere Zukäufe?

Seit ich vor neun Jahren angefangen habe, sind wir etwa zur Hälfte organisch und zur Hälfte durch Akquisitionen gewachsen. Das wollen wir beibehalten. Wichtig ist, dass die übernommenen Firmen deutlich wachsen. Marken wie MB, spezialisiert auf die Schneeräumung an Flughäfen, konnten ihren Umsatz nach der Übernahme verdoppeln oder gar verdreifachen. Die Produkte waren immer gut, doch der Vertrieb war zu schwach – oft, weil die Firmen zu klein waren. Heute werden diese Marken von allen relevanten Marktteilnehmern wahrgenommen.

Die Schweiz hat starke Industriefirmen, doch viele Produktionsschritte wurden ins Ausland verlagert. Wie lange lässt es sich noch in der Schweiz produzieren?

Die Produktion in einem Hochlohnland ist nur mit einem flexiblen Arbeitsmarkt möglich. Hier sehe ich leider auch in der Schweiz Verschlechterungen. So könnte die Finanzierung der 13. AHV-Rente teilweise den Arbeitgebern übertragen werden. Zusätzliche Bauvorschriften belasten die Industrie ebenfalls. Hinzu kommt eine mögliche neue Konzernverantwortungsinitiative mit strengeren Regeln als in der EU. Entscheidend für den Werkplatz ist, dass die 42-Stunden-Woche erhalten bleibt und wir bei hoher Nachfrage kurzfristig hochfahren können. Ebenso wichtig sind neue Freihandelsabkommen.

Da müssen Sie mit Ihren Kunden sprechen, den Bauern. Die lehnen das Mercosur-Abkommen mit Südamerika ab.

Offenbar ist nicht allen bewusst, wie wichtig der Zugang zu diesen Märkten ist. Freihandelsabkommen sind eine Grundvoraussetzung, um die industrielle Basis in der Schweiz langfristig zu erhalten.

Der starke Franken beschäftigt Sie nicht?

Für Aebi Schmidt ist er nicht so ein Problem, da wir ein «Local for local»-Modell haben. Deshalb sind wir weniger von Währungsschwankungen betroffen. Für den Werkplatz Schweiz ist er jedoch eine grosse Herausforderung. Gleichzeitig profitieren wir hier von besseren Zinskonditionen als die Konkurrenz im Ausland. Eine zu starke Regulierung der UBS könnte jedoch den Werkplatz belasten, da höhere Kapitalanforderungen zu höheren Zinsen führen. Für die Industrie könnten die Zinsen um 1 bis 1,5 Prozent steigen. Bei einem Kredit von 500 Millionen Franken entspricht das Mehrkosten von 5 bis 7,5 Millionen. Kurz: Wenn die UBS ihre Wettbewerbsfähigkeit verliert, verliert auch die Schweizer Industrie ihre Wettbewerbsfähigkeit. Die Regulierung ist also von grösster Bedeutung.

Finanzministerin Karin Keller-Sutter und auch die Nationalbank sehen das anders. Sie befürworten strengere Eigenkapitalvorschriften.

Man strebt offenbar eine Vollkaskoabsicherung an, blendet aber deren Preis aus. Gleichzeitig werden Banken in den USA und teilweise auch in der EU dereguliert. Ein Swiss Finish für die UBS passt nicht in dieses Umfeld. Zudem ist die UBS nicht mit der Credit Suisse vergleichbar: Sie ist weniger vom Investment Banking abhängig und bewertet ihre Tochtergesellschaften anders.

Das kann sich ändern. Tatsache ist, dass die Steuerzahler in den vergangenen zwanzig Jahren zwei Grossbanken retten mussten.

Auch andere Länder mussten ihre Banken stützen, etwa in den USA. Und vergessen wir nicht: Der Bund hat bei jeder Rettungsaktion letztlich Geld verdient, nicht Geld verloren. Aber Sie haben recht: Eine Bank sollte gar nicht in eine solche Situation geraten. Dafür sorgt die UBS vor: Sie hat heute deutlich mehr Kapital, als die CS und die UBS zuvor zusammen hatten. Die Verantwortlichen der Bank tun viel, um die Risiken zu minimieren.

Behält auch in Hängen mit bis zu 75 Prozent Steigung die Bodenhaftung: Der Terratrac von Aebi geniesst bei vielen Landwirten Kultstatus.

Behält auch in Hängen mit bis zu 75 Prozent Steigung die Bodenhaftung: Der Terratrac von Aebi geniesst bei vielen Landwirten Kultstatus.

Aebi Schmidt

Sie waren lange Banker und wurden 2017 Industriechef. Was unterscheidet den Finanz- vom Werkplatz?

Die Banken betonen immer, wie wichtig die Mitarbeitenden sind, weil sie im direkten Kundenkontakt stehen. In der Industrie sind qualifizierte und motivierte Mitarbeitende noch viel entscheidender, da die Margen tiefer sind. Langjährige Mitarbeitende tragen wesentlich zur Profitabilität bei. Gleichzeitig hat die Industrie den Vorteil, konkrete Produkte zu haben, wie einen Terratrac. Und doch gibt es Ähnlichkeiten: Es gilt, Strategien zu entwickeln, diese umzusetzen und das Unternehmen finanziell zu steuern. Da ich kein Ingenieur bin, verbringe ich viel Zeit mit den Kunden, um ihre Bedürfnisse zu verstehen.

Sie sind nun CEO und Verwaltungsratspräsident zugleich. Das ist verpönt. Warum tun Sie es trotzdem?

Das hängt mit der Verkleinerung des Verwaltungsrats zusammen, den wir wie geplant von elf auf acht Mitglieder reduziert haben. Zudem war es schwierig, einen amerikanischen Verwaltungsratspräsidenten für eine Schweizer Firma zu haben. Die Generalversammlung ist auf Deutsch, und wir sind rechtlich wie kulturell stark schweizerisch geprägt. Uns schien es sinnvoll, die letzten Integrationsschritte von Aebi Schmidt und Shyft – etwa die Zusammenlegung von Werken in den USA – aus einer Hand zu vollziehen. Ein Lead Independent Director sorgt zudem für eine unabhängige Stimme im Rat. Klar ist aber, dass diese Doppelfunktion befristet bleibt – auch weil ich ja bald 60 Jahre alt werde.

Wurde James Sharman als Verwaltungsratspräsident abgesägt?

Nein, Peter Spuhler ist ja ebenfalls aus dem Verwaltungsrat ausgeschieden. Entscheidend ist nicht die Nationalität, sondern die gut abgestimmte Kompetenz im Verwaltungsrat: Technologie, Vertrieb, Governance und Finanzen. Unser Verwaltungsrat ist breit und divers aufgestellt und arbeitet sehr gut zusammen.

Bei Aebi Schmidt dominieren die Schweizer. Im Zollstreit diktieren die USA, und es herrscht das Recht des Stärkeren. Kann sich die Schweiz in diesem Umfeld behaupten?

Das wird sich zeigen. Ein Erfolg war, dass wir die Zölle von 39 Prozent deutlich senken konnten. Das verschafft Luft. Rechnet man sauber – inklusive Pharmabranche, die von den Zöllen befreit ist –, steht die Schweiz besser da als Europa. In der Summe ist der Zollstreit bisher nicht schlecht verlaufen für die Schweiz.

Diese Meinung teilen nicht alle.

Es spielt keine Rolle, ob wir die Entwicklungen gutheissen oder nicht: Die USA verfügen aufgrund ihrer Grösse über enormes Gewicht. Damit müssen wir umgehen. Wir sollten deshalb nicht ständig das Haar in der Suppe suchen. Wenn die USA den Import amerikanischer Trucks verlangen, importieren wir halt einige – die Nachfrage dürfte gering sein. Entscheidend ist, dass die Schweiz im Verhältnis mit anderen Staaten gleich lange Spiesse hat und so wettbewerbsfähig bleibt.

Werden uns solche Zugeständnisse wirklich helfen, ein verbindliches Abkommen zu erreichen? Trump macht am Ende doch sowieso, was er will.

Präsident Trump ist Präsident Trump. Wir müssen schlichtweg eine Lösung mit den USA finden, wir sind auf diesen Markt angewiesen. Deshalb müssen wir eine stabile Planungsgrundlage haben. Wie die Lösung im Detail aussehen soll, kann ich nicht sagen. Die Lage wurde lange unterschätzt – nicht nur in der Schweiz. Aber mittlerweile haben meiner Meinung nach Bundesrat Parmelin und Staatssekretärin Budliger unter schwierigen Umständen gute Ergebnisse erzielt.

Sie haben Glück gehabt: Aebi Schmidt ist von den Zöllen nur am Rande betroffen, weil viel vor Ort produziert wird.

Wir spüren vor allem die globale Unsicherheit, welche die Nachfrage dämpft. Aber die Zölle belasten auch uns: Wenn wir etwa einen Caterpillar-Motor kaufen, der chinesische Komponenten hat, wird er für uns teurer – für unsere Konkurrenten allerdings auch.

Sie geniessen grosses Vertrauen des Aebi-Hauptaktionärs Peter Spuhler. Das zeigt nicht nur Ihr Doppelmandat: Sie sitzen auch im Verwaltungsrat seiner Beteiligungsgesellschaft PCS Holding sowie seines Gastrobetriebs Villa Florhof. Woher rührt dieses ausgeprägte Vertrauen?

Wir kennen uns lange und haben ähnliche Vorstellungen von Unternehmensführung. Unsere Zusammenarbeit ist unkompliziert, der Austausch direkt und ehrlich. Peter Spuhlers grosse Stärke ist seine Ruhe, auch in Krisensituationen. Wir haben gemeinsam viele solcher Krisen bewältigt – Covid, Ukraine, amerikanische Zölle. Das verbindet. Wir haben trotz den diversen Erschütterungen unsere Projekte erfolgreich umgesetzt. Das schafft Vertrauen. Zudem verstehen wir uns auch privat gut. Das hilft.

Produktionshalle von Aebi Schmidt in St. Blasien im Schwarzwald. Hier wurden etwa Pistenräummaschinen für den Flughafen Zürich produziert.

Produktionshalle von Aebi Schmidt in St. Blasien im Schwarzwald. Hier wurden etwa Pistenräummaschinen für den Flughafen Zürich produziert.

Christoph Ruckstuhl / NZZ-Fotografen-Team

Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»

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