In Mexiko herrscht Lebensgefahr für Journalisten: Wer schreibt, der stirbt
KI-Stimme. InfoAlejandro Leyva erwischten seine Mörder beim Frühstück auf offener Straße. Der Journalist saß in der kleinen Ortschaft San Pablo Etla im Bundesstaat Oaxaca an einem der in Mexiko so beliebten Ess...
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KI-Stimme. Info
Alejandro Leyva erwischten seine Mörder beim Frühstück auf offener Straße. Der Journalist saß in der kleinen Ortschaft San Pablo Etla im Bundesstaat Oaxaca an einem der in Mexiko so beliebten Essensstände auf einem kleinen Plastikschemel, als die Häscher ihn niederstreckten. Ihm wurde dreimal in den Kopf geschossen, und Leyva sah seine Angreifer nicht einmal. Sie näherten sich auf einem Motorrad und waren so schnell wieder weg, wie sie gekommen waren.
Der 60-jährige Leyva, dessen lange Karriere in den Medien von Oaxaca von seiner scharfen Kritik an den Regierungen der Linkspartei Morena geprägt war, ist der siebte Journalist, der in diesem Jahr in Mexiko ermordet wurde. Alleine seit Juni sind es fünf getötete Reporter. Damit nähert sich 2026 wieder den dunkelsten Jahren für die mexikanische Presse an, in denen mitunter jeden Monat eine Reporterin, ein Reporter oder ein Journalist ermordet wurde. Alleine 2020 waren es 19.
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In Mexiko haben alle Journalistenmorde eines gemeinsam: Straflosigkeit für die Täter
Wie in allen anderen Fällen versicherten die Behörden auch hier, dass Leyvas Fall „untersucht“ werde. Präsidentin Claudia Sheinbaum, ebenfalls von der Morena-Partei, ließ das immer Gleiche verlauten: Sie habe ihr Kabinett angewiesen, sich des Falls anzunehmen. Alle sieben Fälle haben eines gemeinsam: Straflosigkeit. „Es geht nicht nur um die Zahl der getöteten Journalisten, sondern um ein Umfeld, in dem Drohungen, körperliche Angriffe, das Verschwindenlassen der Kollegen und ihre Stigmatisierung anhalten“, sagt Mariana Suárez von der Journalistenschutzorganisation „Article 19“ in Mexiko und Zentralamerika. „Die Straflosigkeit vermittelt eine Botschaft: dass Angriffe auf die Presse keine Konsequenzen haben“.
Es handele sich nicht um Einzelfälle, sondern um ein Muster, präzisiert Suárez. Alle Todesopfer waren zuvor über verschiedene Kanäle bedroht worden, und einige hatten Schutzmaßnahmen vom Staat erhalten, was ihnen jedoch keine Sicherheit bot.
Die meisten ermordeten Journalisten recherchierten zum Thema Korruption
Auffällig ist, dass die meisten Opfer sich der Aufdeckung von Fällen politischer Korruption und Sicherheitsproblemen widmeten, so auch Leyva. Er leitete einen regionalen TV-Sender in Oaxaca und sparte nie mit Kritik an der Landesregierung und den Bürgermeistern der Region. Er prangerte immer wieder Nepotismus, Korruption und Fälle der Zusammenarbeit zwischen Staat und Organisierter Kriminalität an. Das allein reicht in Mexiko oft schon, um sein Todesurteil zu unterschreiben.

Die örtliche Polizei ermittelt. Doch die Morde an Journalisten werden in der Regel nicht aufgeklärt. © AFP | VIRGILIO LUIS
Leyva warnte im November in einem seiner Kanäle in den sozialen Netzwerken, dass, sollte ihm oder seiner Familie etwas zustoßen, er den Gouverneur von Oaxaca, Salomón Jara von der Morena-Partei, dafür verantwortlich mache. In seinem letzten Video kurz vor seiner Ermordung warf er dem Bruder des Gouverneurs Schutzgelderpressung vor. In früheren Äußerungen warf er dem Gouverneur Jara außerdem vor, dass seine Regierung „bis zum Hals in die Drogenkartelle verstrickt“ sei, was den Anstieg der Gewalt im Bundesstaat erkläre.
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Leyva sei ein „kritischer Journalist“ seiner Regierung gewesen, sagte Gouverneur Jara. „So wie viele andere Journalisten, die täglich ihr Recht ausüben, Fragen zu stellen, Missstände aufzuzeigen und ihre Meinung frei zu äußern, auch.“ Keine Meinungsverschiedenheit mit journalistischen Praktiken könne jemals einen Akt der Gewalt rechtfertigen, betonte der Gouverneur.
Allerdings steht diesen Worten die Erfahrung gegenüber, dass gerade in der mexikanischen Provinz die Gouverneure und Gemeindefürsten die größten Feinde der Pressefreiheit sind, weil ihnen kritische Berichterstattung ein Dorn im Auge ist. Auftraggeber der Verbrechen gegen Journalisten sind auch kleine Kartellbosse, aber immer wieder vor allem Politiker und Gouverneure.
Journalismus als Frage von Leben und Tod
In Mexiko ist Journalismus in vielen Regionen eine Frage von Leben und Tod. Reporter, Redakteure und Fotografen werden bedroht, verprügelt, gefoltert und entführt und vor allem ermordet. Eine der formell größten Demokratien der Welt beklagt eine Zahl von getöteten Journalisten, wie es sie nur in Staaten mit kriegerischen Konflikten gibt.
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„Mexiko bleibt das gefährlichste Land für Journalist*innen außerhalb von Kriegsgebieten“, schreibt „Reporter ohne Grenzen“ (RsF). „Die Verstrickung von Politik und organisiertem Verbrechen macht es lebensgefährlich, über sensible Themen wie Korruption oder Drogen- und Menschenhandel zu berichten, und lähmt die juristische Verfolgung von Straftaten gegen Medienschaffende.“ Das „Committee to Protect Journalists“ (CPJ) mit Sitz in New York beklagt in den vergangenen 25 Jahren rund 150 ermordete oder verschwundene Journalisten in Mexiko.

„Article 19“ erklärte, Leyva sei aufgrund seiner kritischen Äußerungen zu Angelegenheiten von öffentlichem Interesse auf Landesebene immer wieder Ziel von Angriffen und juristischen Schikanen geworden. Allerdings habe es wie so oft in Mexiko keinen wirklichen Schutz der Reporter gegeben. Die auch auf Bundesebene regierende Morena-Partei stellt Journalisten immer wieder an den Pranger, wenn ihr die Kritik der Medienschaffenden missfällt. Zudem bleiben in der Regel alle Morde an Journalisten unaufgeklärt.