In Horst Schimanskis Wagen: Stadt wirbt mit altem Citroën – „Der gehört hierhin“
wa.deNRWStand: 07.08.2026, 17:51 UhrKommentareUns auf Google folgenDie fast 40 Jahre alte französische Limousine aus dem Duisburger „Tatort“ ist TV-Historie auf vier Alufelgen. Seit 2021 besitzt das Stadtmarket...
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Stand: 07.08.2026, 17:51 Uhr
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Die fast 40 Jahre alte französische Limousine aus dem Duisburger „Tatort“ ist TV-Historie auf vier Alufelgen. Seit 2021 besitzt das Stadtmarketing den Oldtimer.
Duisburg – Familie Ullenboom ist jetzt doch mal stehen geblieben, nachdem dieses alte, silbergraue Auto leicht klappernd aufs Gelände des Landschaftsparks in Duisburg gerollt ist. Es ist noch früh am Morgen hier am stillgelegten Hüttenwerk im Stadtteil Meiderich, wo früher die Malocher funkenstrahlend den Stahl gossen und wo man heute zwischen all den verrosteten Industrie-Denkmälern so schön flanieren kann.

Vater Rajmund und Mutter Sabine sind mit ihren beiden Kindern im Schulalter mit die ersten Besucher an diesem sonnigen Ferienmorgen. Die Eltern blicken jetzt auf den Citroën CX, als hätten sie einen alten Bekannten getroffen, dessen Gesicht man kennt, dessen Name einem aber nicht auf Anhieb einfällt. Ihre beiden Kinder bestaunen den stromlinienförmigen Wagen mit diesem seltsamen Lenkrad, als wäre dieser gerade selbstfahrend aus irgendeinem Science-Fiction-Museum entflohen. „Ist das wirklich das Auto vom ,Schimmi‘?“ fragt Rajmund Ullenboom schließlich, als er den lebensgroßen Aufsteller des wohl berühmtesten „Tatort“-Kommissars auf der Motorhaube entdeckt. Worauf Ullenboom ehrfürchtig fragt, ob er sich mal reinsetzen dürfe. Jau, er darf.
Etwas verbeult wie „Schimmi“ selbst
Dieser Citroën CX 2,4 Liter Turbo, Baujahr 1988, Kennzeichen „DU-S 69“, ist TV-Geschichte auf vier Alufelgen. Man kennt ihn aus zahlreichen „Tatort“-Folgen mit dem legendären Kommissar Horst Schimanski, kurz „Schimmi“. Besonders gut kam die silberne Limousine bei grauem, regenverhangenem Himmel über Duisburg zur Geltung. Im Laufe der Zeit näherten sich das Auto und der vom großen Götz George (1938-2016) gespielte Kommissar immer stärker an: Der ursprünglich so elegante Franzose wurde zunehmend ungepflegter und verbeulter und glich sich damit seinem unrasierten Fahrer mit den ausgelatschten Cowboy-Stiefeln an. Auch bei den Trinkgewohnheiten konnte man deutliche Parallelen zwischen dem durstigen 150-PS-Gefährt und Horst Schimanski („Grundregel 1: Trinke regelmäßig, aber niemals aus Kummer“) ziehen. Der CX wurde zu Schimanskis Markenzeichen wie sein ebenfalls grauer Schmuddel-Parka. In einem „Tatort“ sagt Schimmi: „Ich liebe diese Schüssel.“
Heute ist der Citroën für die Duisburger Außendarstellung eine Art leicht angerostetes Kronjuwel, es ist seit 2021 im Besitz des Stadtmarketings – genau 40 Jahre nach dem ersten „Tatort“ mit Götz George als Horst Schimanski. Das Auto hatte ursprünglich einem Kölner Zoo-Direktor gehört, der wiederum Kontakte zur damaligen Filmcrew hatte. So war der Citroën schließlich ans „Tatort“-Set gelangt. Als es vor einigen Jahren Gerüchte gab, dass der Wagen zum Verkauf stünde, wurde das Stadtmarketing, die Duisburg Kontor GmbH, aktiv.
„Die einhellige Meinung war: Der Wagen muss nach Duisburg, der gehört hierhin“, sagt Kommunikationschef Alexander Klomparend. Schimanski sei für ganz viele Menschen „immer noch eine wahnsinnige Identifikationsfigur“. Dieses Auto sei ein Botschafter für die Stadt. „Dieses Auto stellt den Wesenskern, den wir hier haben, dar: das absolut Authentische. Und was ist authentischer als dieses Auto?“ Auch Duisburg habe Beulen und Patina. „Diese Stadt und ihre Einwohner sind einiges gewöhnt, sie sind sehr robust“, so Klomparend. Man pflege hier einen „trotzigen Stolz“. Eine Eigenart, die auch Schimanski ausgezeichnet habe und die dieses Auto mit all seinen Versehrtheiten ebenfalls ausstrahle.
„Der is so, wie der Schimmi ihn uns hinterlassen hat“
Dass der Wagen wieder technisch in gutem Zustand ist, ist Daniel Ehm zu verdanken. „Ich bin der Problemlöser“, sagt der 36-jährige Inhaber der Duisburger Werkstatt „Pottgarage“ mit einem Lächeln. Der Wagen habe drei Jahre rumgestanden, weil er nicht mehr angesprungen sei. Ehm verortete das Problem schließlich innerhalb kürzester Zeit. „Ein Wassertemperatur-Sensor und ein Nockenwellen-Sensor waren kaputt.“ Naja, der Anlasser und die Batterie seien auch Schrott gewesen. Im Juli letzten Jahres sei der CX dann wieder fahrbereit gewesen.

„Am längsten hat eigentlich die Ersatzteil-Beschaffung gedauert“, sagt Ehm. Weil alles so gut lief, hieß es: „Der bleibt bei dir, den darfst du pflegen.“ Einmal im Monat wird der Citroën nun von Ehm ausgefahren. Zwischendurch steht er auf Messen oder anderen Veranstaltungen. Als automobiles Kulturgut aus Duisburg. Es gibt wohl keinen Oldtimer in Deutschland, der so ungepflegt ist, aber dennoch so verehrt wird. „Ich sach immer: Der is so, wie der Schimmi ihn uns hinterlassen hat“, sagt Ehm. Klomparend fügt hinzu: „Würden wir ihn restaurieren, würden wir Schimanski verraten.“ Auch für Hochzeiten oder andere Feiern stehe das Auto nicht zur Verfügung. Fahren dürfe den Citroën zudem nur Ehm.
Dieses Auto stellt den Wesenskern, den wir hier haben, dar: das absolut Authentische.
Ehrenmitglied im CX-Club Dortmund
Ehm kommt ursprünglich aus dem Allgäu. Am Anfang habe er mit dem Namen Horst Schimanski gar nichts anfangen können. Erst seine Frau habe ihn aufgeklärt, als er zu Hause erzählte, dass er das Auto reparieren solle. „Sie sagte: Du weißt schon, was du da bekommst, ne? Ich antwortete: Nee, keine Ahnung.“ Mittlerweile wisse er um die enorme Bedeutung des Autos. Nicht nur, weil ihn der CX-Club Dortmund mittlerweile zum Ehrenmitglied ernannt hat. Viele Leute hier seien extreme Fans, sie würden geradezu nervös im Angesicht des Citroëns. Ein Schimmi-Anhänger aus Stuttgart sei mal „aus allen Wolken gefallen“, als er den Wagen gesehen habe. Und ein Duisburger Motorrad-Polizist habe mal angehalten, sei abgestiegen und habe gefragt, ob das das Schimmi-Auto sei. „Da war es bei dem vorbei“, sagt Ehm: „Dem haben wir den Tag gerettet.“

Im Aschenbecher liegen noch Kippen
Wer wie Vater Ullenboom mal im Auto sitzen darf, sinkt tief in die weichen Polster ein. Das futuristische Lenkrad ist einspeichig und „selbstzentrierend“. Das heißt, dass es wieder in seine Ursprungsposition zurückkehrt, wenn man es loslässt. Es gibt viele Wippschalter und einen Schieberegler für die hydropneumatische Federung, die den Wagen wie von Zauberhand einige Zentimeter in die Höhe fahren lässt.

Wer den Aschenbecher öffnet, findet tief im Schacht noch einige Kippen. Die Filmfigur Schimanski war zwar Nichtraucher. Götz George griff allerdings gerne mal zum Glimmstängel. Wer weiß? Vielleicht sind die Kippen ja auch noch so original wie das Auto…