Imker warnt: Bienensterben hat viele Ursachen – nicht nur eine

StartseiteLebenTiereStand: 25.07.2026, 11:30 UhrKommentareUns auf Google folgenAls Referent gibt Imker Götz Neuber sein vielfältiges Wissen über Bienen, über Imkereiprodukte und über die Zusammenhänge in der Na...

  • 4 min read
Imker warnt: Bienensterben hat viele Ursachen – nicht nur eine

Stand: 25.07.2026, 11:30 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Als Referent gibt Imker Götz Neuber sein vielfältiges Wissen über Bienen, über Imkereiprodukte und über die Zusammenhänge in der Natur in vielen Institutionen weiter.

Als Referent gibt Imker Götz Neuber sein vielfältiges Wissen über Bienen, über Imkereiprodukte und über die Zusammenhänge in der Natur in vielen Institutionen weiter. © Bettina Pflaum

Götz Neuber aus Klattenhof wurde für sein Lebenswerk im Bienenschutz ausgezeichnet. Er sagt: Pestizide, Krankheiten und Lebensraumverlust verstärken sich gegenseitig.

Klattenhof – Es ist wörtlich zu nehmen, was auf einem kleinen Holzschild in der Diele von Götz Neubers Hof in Klattenhof steht: „Das Summen der Bienen ist die Stimme des Gartens.“ Draußen beweist sich dieser Satz mit jedem Schritt. Es brummt, sirrt und summt zwischen Stauden, Obstbäumen und Hecken. Schwebfliegen stehen in der Luft, Wildbienen verschwinden in Blütenkelchen, Honigbienen ziehen ihre Bahnen zwischen den fünf Bienenstöcken. Das rund ein Hektar große Grundstück wirkt an diesem Sommertag wie ein kleines, gut eingespieltes Universum.

In einer hinteren Ecke im naturnahen Garten stehen Götz Neubers fünf Bienenstöcke. Zu seinen Imker-Hochzeiten kümmerte er sich um 20 Völker.

In einer hinteren Ecke im naturnahen Garten stehen Götz Neubers fünf Bienenstöcke. Zu seinen Imker-Hochzeiten kümmerte er sich um 20 Völker. © Bettina Pflaum

Mittendrin steht Götz Neuber. 88 Jahre alt, aufmerksam, wach und voller Begeisterung für ein Lebewesen, das ihn seit fast vier Jahrzehnten nicht mehr losgelassen hat. Kürzlich wurde der Imker mit dem Umweltschutzpreis der Naturschutzstiftung des Landkreises Oldenburg für sein Lebenswerk im Bienen- und Artenschutz ausgezeichnet. Wer ihm zuhört, merkt schnell: Er spricht nicht einfach über Honig. Er spricht über das Funktionieren der Natur.

Der Beginn: Nachbarn schenkten ihm ein Bienenvolk

Dabei kam die Imkerei eher zufällig in sein Leben. Der ehemalige Referent für Städtebau in der Baubehörde Bremen hatte seine landwirtschaftlichen Nachbarn jahrelang damit aufgezogen, auf ihre großen Streuobstwiesen gehörten eigentlich Bienen. Zur Silberhochzeit schenkten sie ihm deshalb ein Bienenvolk – mit den Worten: „Nicht nur schnacken.“ Neuber trat einem Imkerverein bei und lernte das Handwerk von Grund auf.

Damals, erzählt er, ging es vor allem um gesunde Völker und guten Honig. Heute ist das Wissen über Bienen größer geworden – ebenso wie die Herausforderungen. Neuber sieht die Honigbiene als Wunderwerk der Evolution. Ein Volk umfasst 30.000 bis 40.000 Tiere. Die Königin legt bis zu 2.000 Eier täglich. „Was die Produktion von Lebendmasse angeht: Eine Frau müsste lebenslang jeden Tag 20 Kinder zur Welt bringen“, sagt er und lächelt über den drastischen Vergleich.

Doch Bienen produzieren weit mehr als Honig. Sie sichern die Bestäubung zahlloser Kultur- und Wildpflanzen und sind selbst Teil der Nahrungskette. Winterbienen liefern im Frühjahr eiweißreiche Nahrung für Jungvögel. Sommerbienen dagegen werden später zu energiereichem Futter für andere Tiere, sie sind fettreicher. „Die Natur synchronisiert das alles“, sagt Neuber fast ehrfürchtig.

Ursachen verstärken sich gegenseitig

Mit Sorge blickt er deshalb auf die öffentliche Diskussion über das Bienensterben. Blühstreifen seien sinnvoll, sagt er, aber sie lösten nur einen kleinen Teil des Problems. Entscheidend sei, endlich die vielen Ursachen gemeinsam zu betrachten. Pestizide und andere Biozide, eingeschleppte Krankheiten und Parasiten, schwindende Artenvielfalt im Nahrungsangebot sowie der Verlust geeigneter Lebensräume wirkten nicht nebeneinander, sondern verstärkten sich gegenseitig. „Die Faktoren multiplizieren sich – sie addieren sich nicht nur.“

Auch der Boom der Hobbyimkerei hat für ihn zwei Seiten. Es freue ihn, dass sich immer mehr Menschen für Bienen begeistern und die Imkerschaft jünger, weiblicher und vielfältiger werde. Gleichzeitig warnt er davor, Bienenvölker ohne ausreichende Fachkenntnisse zu halten. Krankheiten könnten sich so leichter verbreiten und gesunde Bestände gefährden.

Ein weiteres Thema treibt den erfahrenen Imker um: Honig aus dem Supermarkt. Immer häufiger werde gepanschter Honig, oftmals mit billigem Reissirup gestreckt, zu Dumpingpreisen verkauft. Für Verbraucher hat er deshalb einen einfachen Rat: „Am besten kauft man den Honig beim Imker um die Ecke.“ Wer im Handel einkaufe, solle auf das Deutsche Imkerglas, Bioqualität und die inzwischen verpflichtende Herkunftsangabe achten.

Während über den Beeten weiter das Summen der Insekten liegt, zeigt Neuber schließlich ein Foto einer rund 100 Millionen Jahre alten Biene, eingeschlossen in Bernstein. Er betrachtet das Bild einen Moment lang und sagt dann einen Satz, der nachklingt: „Die Biene ist ein Erfolgsmodell. Sie hat das Dinosauriersterben und andere Naturkatastrophen überlebt – hoffentlich überlebt sie den Menschen.“