Höcke reicht Wagenknecht die Hand: Brisantes Bündnis-Angebot – und was dahinter steckt
StartseitePolitikStand: 13.08.2026, 19:42 UhrKommentareUns auf Google folgenIn Sachsen-Anhalt steht die AfD knapp vor einer Alleinregierung. Gut drei Wochen vor der Wahl kommt neue Bewegung in die Konstellation...
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Stand: 13.08.2026, 19:42 Uhr
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In Sachsen-Anhalt steht die AfD knapp vor einer Alleinregierung. Gut drei Wochen vor der Wahl kommt neue Bewegung in die Konstellation: AfD (rechts) und BSW (irgendwie links) nähern sich an.
München/Magdeburg – Björn Höcke hebt die rechte Hand, er streckt sie Sahra Wagenknecht entgegen. „Werden Sie Ministerpräsidentin“, bietet er ihr in einem eigens aufgenommenen Video an, „ich reiche Ihnen die Hand“. Gemeinsam könne man „ein neues Kapitel in der Parteiengeschichte“ aufschlagen. Gemeinsam? Das Angebot des Thüringer AfD-Fraktionschefs an die BSW-Gründerin ist ungewöhnlich, spektakulär – aber ist es auch ernst gemeint?

Was Höcke da vorschlägt, ist mathematisch möglich. In Thüringens Landtag hätten AfD und BSW gemeinsam eine Mehrheit. Bisher stützt das BSW die Regierung von CDU-Ministerpräsident Mario Voigt. Höcke zielt auf ein konstruktives Misstrauensvotum, um Voigt zu stürzen. Das ist ihm wert, als größerer Partner (AfD: 32 Sitze) dem kleineren BSW (15) den Chef-Posten zu überlassen. Also: Lieber eine BSW-Ministerpräsidentin als einer von der verhassten CDU.
Gehen die sehr rechte AfD und das sehr linke BSW ein Bündnis ein?
Wer noch ans alte, eindimensionale Parteienspektrum glaubt, stutzt: Die sehr rechte AfD und das sehr linke BSW? Wagenknecht lehnt schroff als „unseriös“ ab, das MP-Amt sei „kein Wanderpokal“, den Höcke rumreichen könne. Auch viele im Bündnis schaudert es da. „Absoluter Quatsch, ein billiger PR-Gag“, sagt etwa Vorstandsmitglied Klaus Ernst, es gehe um eine „in Teilen faschistische und rechtsradikale Partei“. Auch BSW-Minister äußern sich ähnlich. So fern sind sich die beiden Lager aber nicht. Sie eint neben den Inhalten (Migrationspolitik, Russland-Nähe) auch die Systemkritik.
Auch in Sachsen-Anhalt gibt es diese Gedankenspiele. Da steht die Wahl in gut drei Wochen bevor. Je nach Umfrage, das waren zuletzt einige, führt die AfD mit bis zu 43 Prozent, ganz knapp vor der absoluten Mehrheit. Hier flirtet Wagenknecht mit der Idee, sich irgendwie zusammenzufinden, falls es ihre Partei doch über die fünf Prozent schafft. Man könne einen überparteilichen Ministerpräsidenten wählen, der auch mit der AfD regiere, sagte sie mehrfach. Zudem kursiert die Idee, sich im dritten Wahlgang einer MP-Wahl zu enthalten; dann würde die relative Mehrheit für einen AfD-Ministerpräsidenten reichen.
Zweifel an möglicher Zusammenarbeit zwischen BSW und AfD in Sachsen-Anhalt
Höcke repräsentiert nur einen Teil der AfD, bei Wagenknecht und ihrem Bündnis ist es ähnlich. Ein Pakt der beiden, wie ihn Höcke nun vorschlägt, könnte den radikalen Rändern im Osten aber zur Macht verhelfen. Oder? Unter Experten gibt es noch Zweifel. „Ein absolut vergiftetes Angebot“, sagt der Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke bei ntv. In Wahrheit stecke nur der Versuch dahinter, sich gegenseitig Wähler abzujagen.
Die Münchner Politikprofessorin Ursula Münch sieht in den Angeboten vor allem den Kampf um Aufmerksamkeit. Gerade das BSW habe ja große Mühe, in den Landtag von Sachsen-Anhalt einzuziehen, sagt die Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing unserer Zeitung. Sie rechnet vorerst nicht mit einer gemeinsamen Regierung. Aber: Falls das BSW einziehe und die AfD die Alleinregierung knapp verfehle, sei eine Zusammenarbeit doch eine Option. „Inhaltlich haben die beiden Parteien einige Berührungspunkte.“
Siegmund setzt auf AfD-Minister
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund will nach einem Bericht des „Spiegel“ im Falle eines Wahlsiegs bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt vor allem auf Personen aus dem eigenen Landesverband setzen. „Ich habe das Kabinett zusammen. Zu 95 Prozent, würde ich sagen“, sagte Siegmund dem Magazin. „Es werden Leute sein, die ich schon lange kenne.“ Man werde Angriffen ausgesetzt sein. „Da muss man seinen Mitstreitern vertrauen können.“ Die jüngste Umfrage (Pollytix) sieht die AfD bei 43 Prozent vor CDU (23), Linke (13), SPD (7), Grünen (5), BSW (4) und FDP (2). Bisher regieren in Sachsen-Anhalt CDU, SPD und FDP mit einer stabilen Mehrheit.
Münch glaubt nicht, dass es das BSW in diesem Fall zerreißen würde. „Die Partei, oder das, was von ihr übrig ist, scheint stark vom Kampf gegen das ,Establishment‘ und vor allem vom Kampf um die eigene Existenz motiviert. Beide Motive sind mit einer Zusammenarbeit mit der AfD vereinbar“, sagt sie. Vielleicht werde es bei einer Duldung oder gar Koalition einzelne Austritte geben, in Summe agiere das BSW aber machtorientiert – „da vergisst man dann auch schnell die frühere ,antifaschistische‘ Ausrichtung der ursprünglichen Herkunftspartei“.