Fast 40 Grad auf Station: So erlebt eine Pflegefachkraft den Klinikalltag
"Als ich morgens früh um 6.00 Uhr auf die Station gekommen bin, wusste ich schon: Heute wird's richtig schlimm." Anna L.* erinnert sich an ihren Dienst Ende Juni. Draußen sind für den Tag fast 40 Grad angekündi...
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"Als ich morgens früh um 6.00 Uhr auf die Station gekommen bin, wusste ich schon: Heute wird's richtig schlimm." Anna L.* erinnert sich an ihren Dienst Ende Juni. Draußen sind für den Tag fast 40 Grad angekündigt. Die Pflegefachkraft arbeitet in einem Krankenhaus im Ruhrgebiet und möchte anonym bleiben. Auf ihrer Station gibt es keine Klimaanlage, erzählt sie - obwohl dort Menschen liegen, die besonders schwer erkrankt sind und rund um die Uhr überwacht werden müssen.
Eine Kollegin kollabiert während der Arbeit
Die Station heizt sich im Laufe des Vormittags immer weiter auf. "Drinnen war es irgendwann genauso heiß wie draußen. Es fühlte sich so an, als würde man in einem aufgeheizten Zelt arbeiten ", erzählt Anna L. Im Laufe der Schicht kämpft sie immer wieder mit Schwindel. Eine Kollegin kollabiert sogar und muss ihren Dienst abbrechen. "Ich habe mir immer nur gedacht: Bitte lass heute nichts passieren. Keine Reanimation. Ich hatte gar nicht die Kraft dafür", erinnert sie sich.
Warum Hitze in Kliniken zum Problem wird
Was die Pflegefachkraft an diesem Tag erlebt, steht für ein Problem, das viele Krankenhäuser zunehmend beschäftigt: Wie kommen sie mit immer längeren Hitzeperioden zurecht? Eine WDR-Recherche zeigt: Viele Krankenhäuser in NRW sind nur teilweise klimatisiert. Gekühlt werden meist nur besonders sensible Bereiche wie Operationssäle oder Intensivstationen. Im St. Josef Hospital in Bonn-Beuel gibt es selbst eine Intensivstation, die nicht klimatisiert ist. Hier kletterte die Temperatur am letzten Juniwochenende bis auf 35 Grad.
"Wir haben Medizin aus dem 21. Jahrhundert, aber Bauten aus dem letzten Jahrhundert", sagt Intensivmediziner Prof. Uwe Janssens vom St.-Antonius-Hospital in Eschweiler. Krankenhäuser müssten deshalb in den nächsten Jahren deutlich hitzeresistenter werden, fordert er.
"Sein Blutdruck ist immer wieder abgesackt" Anna L.
Vor allem schwer kranke Patienten leiden unter der Hitze. Anna L. erinnert sich besonders an einen Patienten. "Sein Blutdruck ist immer wieder abgesackt", erzählt sie. Um ihn zu kühlen, wäscht sie ihn mehrmals mit kaltem Wasser ab. "Ich habe sogar ein paar Waschlappen eingefroren und überall am Patienten verteilt."
Warum können Kliniken nicht einfach nachrüsten?
Eine Nachrüstung ist teuer und in Krankenhäusern besonders aufwendig. Die Klimaanlagen müssen strenge Hygienevorgaben erfüllen. Viele Kliniken können solche Investitionen nicht allein stemmen. Intensivmediziner Prof. Uwe Janssens sieht deshalb die Länder in der Pflicht. Sie seien ihren Investitionsverpflichtungen für Krankenhäuser über Jahre nicht ausreichend nachgekommen, sagt er.
Mit Kühlwesten und Wärmepumpen gegen die Hitze
Aber man könne auf die Politik nicht warten und müsse selbst handeln, erklärt er. Die Kliniken reagieren unterschiedlich auf die Hitze. Im Klinikum Dortmund beispielsweiseweise helfen Kühlwesten, gekühlte Infusionen und spezielle Duschliegen. Bei starker Hitze könnten geplante Operationen auch verschoben werden. In Ostwestfalen sollen Wärmepumpen neue Klinikgebäude der Mühlenkreiskliniken runterkühlen.
Auch Anna L. versucht, die Hitze für ihre Patienten erträglicher zu machen. Aber für sie ist die Arbeit an solchen heißen Tagen eine enorme Belastung, sagt sie. "Ich bin ehrlich, das ist für mich ein Kündigungsgrund. Denn das waren ja nicht die letzten heißen Tage."
*Name geändert. Der echte Name ist der Redaktion bekannt.