Hausarzt gibt Kassenzulassung zurück – aus Protest gegen Gesundheitspolitik
StartseiteDeutschlandStand: 11.08.2026, 14:00 UhrKommentareUns auf Google folgenDr. Martin Ebel © Porträt: Verena Hahnelt, Hintergrund: Sebastian Kahnert/dpaDr. Martin Ebel macht seine Praxis in Hessen ab Oktob...
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Stand: 11.08.2026, 14:00 Uhr
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Dr. Martin Ebel macht seine Praxis in Hessen ab Oktober zur reinen Privatpraxis, auch aus Protest gegen die Gesundheitspolitik.
Bad Hersfeld – Einer der bekanntesten Hausärzte des Kreises zieht Konsequenzen aus den immer schwierigeren Bedingungen im Gesundheitswesen: Dr. Martin Ebel gibt zum 30. September seine Kassenzulassung zurück. Seine Praxis am Markt in Bad Hersfeld bleibt bestehen, wird ab Oktober jedoch nur noch als Privat- und Selbstzahlerpraxis geführt. Dr. Ebel versteht seine Entscheidung ausdrücklich als Protest gegen die immer restriktivere Gesundheitspolitik der Regierung.
Gerade Hausärzte müssten immer mehr Energie aufbringen, um sich gegen Bürokratie und Misstrauen zu verteidigen, statt sie in die Behandlung der Patienten zu investieren, erklärt Ebel. Seine Entscheidung versteht Ebel auch als Warnsignal. Er befürchte, dass weitere Hausärzte den gleichen Weg einschlagen könnten, wenn sich die Rahmenbedingungen nicht verbesserten. Zudem werde es für niedergelassene Ärzte immer schwieriger, Nachfolger für ihre Praxen zu finden. Gerade junge Mediziner scheuten die hohe persönliche Verantwortung und den überbordenden Verwaltungsaufwand.
Hausarzt warnte lange vor Bürokratie im Gesundheitssystem
Dr. Ebel, der seit vielen Jahren Sprecher der Hausärzte im Kreis ist, hatte auch in der Vergangenheit immer wieder vor den bürokratischen Auswüchsen der Gesundheitspolitik gewarnt und die Bildung von medizinischen Versorgungszentren mit Steuermitteln kritisiert. Auch den drohenden Mangel an Hausärzten hatten er und seine etwa gleichaltrigen Kollegen vorhergesehen, weil eine ganze Ärztegeneration bald in den Ruhestand geht.
Für die gesetzlich versicherten Patienten bedeutet die Entscheidung, dass sie sich einen neuen Hausarzt suchen müssen. Seine Praxis betreue über 1500 Patienten. Ebel hofft, dass möglichst viele Kolleginnen und Kollegen im Landkreis Patienten aufnehmen können – räumt jedoch ein, dass viele Praxen bereits heute an ihrer Belastungsgrenze arbeiten.
Kritik an der elektronischen Patientenakte
Dr. Martin Ebel hat sich schon früh gegen die Pläne zur Einführung der elektronischen Patientenakte ausgesprochen. Er sorge sich vor allem um die ärztliche Schweigepflicht. Gesundheitsdaten gehörten zu den sensibelsten Informationen überhaupt. Niemand könne garantieren, dass digitale Systeme hundertprozentig vor Missbrauch geschützt sind, wenn immer mehr Stellen Zugriff auf diese Daten erhalten sollen. Das zerstöre das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient.
Obwohl Dr. Ebel das gesetzliche Renteneintrittsalter erreicht hat, hätte er seine Praxis gern normal weiterbetrieben. Der 67-Jährige betont, dass nicht die Arbeit mit seinen Patienten ihn zu diesem Schritt bewogen habe. Ausschlaggebend seien vielmehr die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Dr. Ebel legt auch seine Ehrenämter als Vorsitzender des Hausärzteverbandes und als Sprecher der Hausärzte nieder. In der Hausarztakademie will er sich weiter engagieren.