Sexualisierte Gewalt in der Armee: Erste Massnahmen zeigen Wirkung
Publiziert21. August 2026, 19:13Nach Sexismus-Bericht«Hätte ich eine Tochter, würde ich ihr das Militär empfehlen»Vor zwei Jahren zeigte eine Studie, dass Diskriminierung und sexualisierte Gewalt in der Armee w...
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Publiziert21. August 2026, 19:13
Nach Sexismus-Bericht«Hätte ich eine Tochter, würde ich ihr das Militär empfehlen»
Vor zwei Jahren zeigte eine Studie, dass Diskriminierung und sexualisierte Gewalt in der Armee weit verbreitet sind. Am Freitag zog sie erstmals Bilanz zu den Massnahmen.

Darum gehts
- Eine Studie zeigte im Herbst 2024 gravierende Missstände in der Schweizer Armee auf: Diskriminierung und sexualisierte Gewalt sind weit verbreitet.
- Heute zieht die Armee erstmals ein Zwischenfazit über die beschlossenen Massnahmen und zeigt sich zufrieden: Die frühe, niederschwellige Prävention habe eine «erste sichtbare Wirkung auf die Kultur der Truppe».
- «Wir sind auf einem guten Weg, doch ein Kulturwandel gelingt nicht in zwei Jahren», sagt Mahide Aslan, Chefin der Fachstelle Frauen in der Armee und Diversity (FiAD).
Die Studie sorgte vor zwei Jahren für einen Aufschrei. Von 1126 Befragten gab rund die Hälfte an, im Militärdienst diskriminiert worden zu sein. Rund 40 Prozent erlebten demnach sexualisierte Gewalt. Frauen sind deutlich stärker betroffen als Männer: Neun von zehn befragten Frauen gaben an, dass sie in der Armee aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert wurden.
Am häufigsten erlebten die befragten Frauen sexualisierte, verbale Gewalt, Ungleichbehandlung und sexuelle Belästigung. Aber auch frauenfeindliche Sprüche und körperliche Gewalt wie Übergriffe beim Duschen, ungewollte Berührungen und Küsse, in seltenen Fällen gar Vergewaltigungen. Die Studie kritisierte zudem eine Kultur, die solche Vorfälle begünstige und Diskriminierung sowie sexualisierte Gewalt normalisiere.
Armee: «Erfreuliche Fortschritte»
Die Armee selbst sprach damals von einem «Weckruf»: Es habe keinen Platz für jegliche Formen von Diskriminierung und sexualisierter Gewalt, sagte der damalige Armeechef Thomas Süssli. Er kündigte 16 zusätzliche Massnahmen zum Schutz der Armeeangehörigen an, die bis Ende 2027 umgesetzt sein sollen. Am Freitag legte die Armee zur Halbzeit erstmals eine Zwischenbilanz vor.
Was die Armee schon umgesetzt hat – und was nicht
Die Armee ist zufrieden mit dem Erreichten: Die Zwischenbilanz zeige «erfreuliche Fortschritte». Die frühe, niederschwellige Prävention habe eine «erste sichtbare Wirkung auf die Kultur der Truppe». Bei der Fachstelle Frauen in der Armee und Diversity (FiAD) gingen mehr Meldungen ein, auch von Männern. Weiter streicht die Armee die «klarere Haltung der Kader» zu Beginn von Rekrutenschulen hervor.
«Melden ist kein Verrat»
«In der Armee ist der Mensch das höchste Gut», sagte Korpskommandant Gregor Metzler, Chef Kommando Ausbildung, an der Medienkonferenz. Im Einsatz sei die psychische Belastbarkeit unabdingbar, deshalb gelte es gegen jede Form von Machtmissbrauch vorzugehen. Eine Kaderfrau habe ihm erzählt, dass sie sich vor zwei Jahren in der RS noch sexistische Sprüche habe gefallen lassen müssen. Das sei heute anders.

Schulkommandant Thomas Huber sagt, in der letzten RS hätten von 16 Frauen acht weiter gemacht, davon vier bis zur höheren Unteroffizierin: «Das ist für mich ein klarer Beleg, dass sie sich wohl- und sicher gefühlt haben.» Die Zahl der Meldungen hätte in den letzten zwei Jahren zugenommen – auch von Männern: «Es geht nicht um Verrat, sondern um ein sicheres Miteinander.»
FiAD-Chefin: «Wir sind noch im ersten Drittel»
Tatsächlich hat sich die Zahl der Meldungen zu sexualisierter Gewalt und Diskriminierung laut FiAD-Chefin Mahide Aslan seit Erscheinen der Studie verzweieinhalbfacht. Auch Männer würden vermehrt Kontakt aufnehmen: «Mehr Meldungen bedeuten nicht unbedingt, dass es mehr Fälle gibt, sondern könnte auch die Folge sein von einem grösseren Vertrauen», sagt sie. Wäre der ganze Prozess ein Marathon, befindet sich die Armee laut Aslan noch im ersten Drittel: «Es wird ein langer Weg», sagt sie.
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Netter Versuch, aber ich glaube nicht an einen Kulturwandel in der Armee.
Ich finde nicht, dass die Armee ein grundsätzliches Sexismus-Problem hat.
Ich habe dazu keine Meinung.
Ich will nur die Antworten sehen.
«Es war ein mutiger und wichtiger Schritt der Armee, diese Befragung überhaupt durchzuführen», sagt FiAD-Chefin Mahidé Aslan. Denn mit dem, was man aufdecke, müsse man dann auch umgehen. «Wir sind auf einem guten Weg, doch ein Kulturwandel gelingt nicht in zwei Jahren», sagt sie. Dafür brauche es eher zehn Jahre.

Trotzdem legt sie den Frauen den Dienst ans Herz: «Hätte ich eine Tochter, würde ich ihr das Militär empfehlen.» Man lerne Neues und treffe die unterschiedlichsten Menschen. Zudem könne man sich heute darauf verlassen: «Wenn man etwas meldet, wird etwas gemacht», sagt Aslan.
Ob und wie gut die Massnahmen effektiv wirken, soll 2028 eine erneute Befragung zeigen.

Delia Bachmann (dba), Jahrgang 1993, arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Als Redaktorin im Ressort Politik berichtet sie über das Geschehen in Bundesbern.
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