Harley-Club lädt EVIM-Bewohner seit 25 Jahren zur Spritztour ein
Der Harley Davidson Owners Club Wiesbaden fährt jedes Jahr mit Menschen mit Behinderung vom EVIM-Schlockerhof durch Hattersheim. Zum Jubiläum gab es diesmal gerahmte Fotos und ein selbstgebasteltes Motorrad-Kunstwerk.
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Stand: 10.08.2026, 20:00 Uhr
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Der Harley Davidson Owners Club Wiesbaden fährt jedes Jahr mit Menschen mit Behinderung vom EVIM-Schlockerhof durch Hattersheim. Zum Jubiläum gab es diesmal gerahmte Fotos und ein selbstgebasteltes Motorrad-Kunstwerk.
Hattersheim – Zuerst war es nur ein dumpfes Brummen, das aus Richtung Autobahn zur Dürerstraße herüber schallte. Es dauerte jedoch nicht lange, bis sich das anhaltende Geräusch zum Rattern mehrerer Motorräder gewandelt hatte. Kurz darauf bogen die ersten Harleys auf den Parkplatz vor den Wohnhäusern des EVIM-Schlockerhofes ein. Dort wurden die Fahrer bereits sehnsüchtig erwartet. Bewohner der Anlage für Menschen mit Behinderung standen im Freien und hielten Helme in den Händen. Sie fieberten ihrer jährlichen Ausfahrt entgegen.

Das Treffen von Bikern und beeinträchtigten Menschen hat in Hattersheim lange Tradition. EVIM (Evangelischer Verein für Innere Mission) arbeitet seit 25 Jahren mit dem Harley Davidson Owners Club – Chapter Wiesbaden zusammen. Vor einem Vierteljahrhundert sei der Motorradclub auf die Hattersheimer Behindertenhilfe zugekommen, erzählt Nils Bayer, EVIM-Verbundleiter für Wohnen, Soziales und Teilhabe. Seither laden die Harley-Fahrer die Menschen aus den Hattersheimer Wohnstätten jedes Jahr zur Spritztour ein. Am Samstag war es wieder so weit. Wer körperlich in der Lage war, durfte sich hinter einem Biker in den Sattel schwingen und für einige hundert Meter den Fahrtwind spüren. Auf der Strecke in Richtung Weilbacher Kiesgruben genossen die Mitfahrer den Rausch von Tempo und Freiheit. „Manche wollen gar nicht mehr absteigen“, berichtete Nils Bayer. Die Harley-Tour sei einer der Höhepunkte im EVIM-Kalender. Bewohner würden schon einen Tag nach der Veranstaltung fragen, wann die nächste Ausfahrt kommt, so der Verbundleiter.
„Für uns ist das eine Selbstverständlichkeit“, betonte Chapter-Mitglied Wilma Goebel. „Wir sind sehr sozial eingestellt“, erklärte die Motorradfahrerin. Die Ausfahrt in Hattersheim gehöre für den Wiesbadener Harley Club zu den Hauptveranstaltungen des Jahres. Am Samstag kehrte das beliebte Ereignis zu seinen Wurzeln zurück. Nachdem die Ausfahrt über mehrere Jahre in der Schulstraße startete, traf man sich nun vor den in diesem Jahr eröffneten Neubauten in der Dürerstraße. „Hier ist mehr Platz“, erläuterte Verbundleiter Bayer. Auf derselben Fläche waren die Ausfahrten vor einem Vierteljahrhundert gestartet. Sowohl aufseiten der Biker als auch bei den EVIM-Bewohnern gab es Teilnehmer, die die Aktion von Beginn an begleiten. Genauso seien auf beiden Seiten aber auch schon Begleiter verstorben, erzählte Wilma Goebel.
In 25 Jahren hätten sich persönliche Beziehungen zwischen dem Harley Club und den Menschen mit Beeinträchtigung entwickelt. Am Samstag fielen sich einige Teilnehmer nach Ankunft der Motorräder in die Arme. Wie wichtig allen Beteiligten das Jubiläum war, bezeugten auch die rührenden Geschenke, die sich die Gruppen gegenseitig überreichten. Die Biker hatten eine gerahmte Sammlung von Fotos aus den vergangenen 25 Jahren im Gepäck. Das Erinnerungsstück erhielt sofort einen gut sichtbaren Platz im Eingangsbereich des EVIM-Wohnhauses. Die EVIM-Bewohner überreichten ein kleines Kunstwerk: Sie hatten zwei Spielzeugmotorräder auf eine Leinwand geklebt. „Danke für eure Besuche“, stand daneben zu lesen.
„Es ist immer eine Freude für die Bewohner und auch für uns“, erklärte Michael Koch, Präsident des Wiesbadener Harley Chapters. Der Besuch bei EVIM tue den Bikern auch persönlich gut. „Man kommt mal wieder runter und sieht, wie gut es einem eigentlich geht“, so Koch. Im Anschluss an die Ausfahrten ließ die Gemeinschaft ihr 25. Treffen noch beim geselligen Grillen ausklingen.