Oetinger-Chefin fordert Elternführerschein für Deutschland
Hamburg Hamburger Verlagschefin warnt: „Bildungsniveau geht katastrophal nach unten“ Manche Grundschüler haben mit dem Lernen Schwierigkeiten (Symbolbild). dpa Die Chef...
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Hamburg
Hamburger Verlagschefin warnt: „Bildungsniveau geht katastrophal nach unten“
Die Chefin des Hamburger Oetinger-Verlags kritisiert das deutsche Bildungssystem jetzt heftig. Besonders eine fehlende Kompetenz bereitet ihr Sorge.
Die Chefin des Hamburger Oetinger-Verlags, Julia Bielenberg, sieht das Bildungsniveau in Deutschland auf dem absteigenden Ast – unabhängig von sozialen Milieus. Vor allem eine abnehmende Lesekompetenz bereite ihr Sorge. Sie fordert darum jetzt einen „Elternführerschein“.
Jedes vierte Kind, das die vierte Klasse verlasse, könne nicht mehr richtig lesen. „Das ist dramatisch“, sagte Bielenberg im Interview mit dem „Handelsblatt“. Maßnahmen würden laut Bielenberg aber zu wenige ergriffen.
Hamburger Verlegerin fordert „Elternführerschein“
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Bielenberg fordert eine frühe Sprachförderung, um das Niveau der Kinder beim Schuleintritt anzugleichen. Außerdem plädiert sie für einen „Elternführerschein“. Denn es gebe Kinder, die bei der Einschulung „einfachste Aufgaben nicht können – da muss eine Erwartungshaltung an die Eltern formuliert werden“. Zudem kritisierte sie die Politik. Sie habe das Gefühl, von „Mittelmaß“ regiert zu werden.
Im Oetinger Verlag sind unter anderem Bücher wie „Das Sams“, „Pippi Langstrumpf“ oder „Pettersson und Findus“ erschienen, sowie Bücher der Hamburger Autorinnen Kirsten Boie und Cornelia Funke.
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Erziehungswissenschaftler spricht von „Bildungsnotstand“
Kürzlich kritisierte auch der Erziehungswissenschaftler Klaus Zierer das deutsche Bildungsniveau in einem Interview mit der „Welt“. Zierer ist seit 2015 Inhaber des Lehrstuhls für Schulpädagogik an der Universität Augsburg.
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„Wir beobachten seit zehn Jahren einen regelrechten Sturzflug bei den Lernleistungen“, sagt er in dem Interview. Gleichzeitig verschlechtere sich die psychosoziale und gesundheitliche Situation vieler Kinder und Jugendlicher. In diesem Zusammenhang spricht er auch von einem „Bildungsnotstand”.
Lesekompetenz: So ist es um Hamburgs Kinder bestellt
Tatsächlich zeigte die letzte IGLU-Studie (Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung) von 2023 für Deutschland alarmierende Ergebnisse: Rund 25 Prozent der Viertklässler erreichen am Ende der Grundschulzeit nicht einmal mehr die Mindeststandards beim Lesen.
In bundesweiten Vergleichsstudien haben sich Hamburgs Schüler zuletzt jedoch verbessern können. Im Bereich „Lesen“ des IQB-Bildungstrends Grundschule ging es von Platz 14 (2011) hoch auf Platz 3 (2021). Allerdings lagen immer noch 17,7 Prozent der Hamburger Grundschüler mit ihren Leistungen unter dem Mindeststandard.
Daher hat Hamburg das „BiSS“-Lesertraining eingeführt: An mindestens vier Tagen pro Woche wird in der Grundschule eine feste Lesezeit von 20 Minuten eingerichtet. Für Hamburger Grundschulen mit niedrigem Sozialindex ist die Teilnahme inzwischen verbindlich.