Grönland-Eskalation droht: Trump-nahe Öl-Firma bringt unerlaubt Ausrüstung auf Nato-Gebiet
Eine Trump-nahe US-Firma will offenbar in Grönland nach Öl bohren. Die Regierung zeigt sich alarmiert und eine kleine Stadt hat bereits deutlich gemacht, dass sie nicht richtig mitspielen will.
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"Deutliche Warnung"
Öl-Streit zwischen den USA und Dänemark bahnt sich an
Aktualisiert am 09.08.2026 - 08:05 UhrLesedauer: 3 Min.
Eine Trump-nahe US-Firma will offenbar in Grönland nach Öl bohren. Die Regierung zeigt sich alarmiert und eine kleine Stadt hat bereits deutlich gemacht, dass sie nicht richtig mitspielen will.
Ein erneuter Streit zwischen den USA und Nato-Partner Dänemark könnte sich anbahnen. Nach Informationen des "Guardian" soll sich das US-amerikanische Ölunternehmen Greenland Energy darauf vorbereiten, in abgelegenen Gebieten Grönlands nach Öl zu bohren. Dabei soll die Firma keine Genehmigung der örtlichen Behörden erhalten haben.
Während der US-Präsident kürzlich zum wiederholten Mal in einer Radiosendung bekräftigte, das riesige arktische Gebiet für sich zu beanspruchen, wurden nach Angaben der britischen Zeitung in den vergangenen Tagen an der Ostküste Grönlands Materialien für die Bohrvorbereitungen an Land gebracht.
Grönland spricht Warnung an Trump-nahe Öl-Firma aus
Eine Tatsache, die die Regierung in Grönland auf den Plan gerufen hat. Sie gab eine "deutliche Warnung" heraus, dass keine Genehmigung für die Anlandung der Ausrüstung erteilt worden sei. "Alle künftigen logistischen Maßnahmen müssen der Behörde für Bodenschätze gemeldet und von dieser genehmigt werden – bevor sie durchgeführt werden", erklärte die Regierung in ihrer Stellungnahme.
Führungskräfte von Greenland Energy hatten zuvor behauptet, dass unter der Region Jameson Land möglicherweise Rohöl im Wert von einer Billion US-Dollar lagern könnte. Sie kündigten an, in die Bohrung von zwei Bohrlöchern zu investieren, um die Behauptung zu überprüfen.
Öl-Firma pflegt offenbar enge Verbindungen in Trumps Umfeld
Greenland Energy wurde erst im vergangenen Jahr in Texas gegründet. Das Unternehmen soll enge Verbindungen zu Trumps Umfeld pflegen. Larry Swets, Vorstandsvorsitzender und Großaktionär von Greenland Energy selbst, soll Zugang zu Trumps engstem Zirkel haben. Als Berater engagierte "Greenland Energy" den TV-Moderator Phil McGraw, bekannt als "Dr. Phil", der unter Trump in einer Religionsfreiheitskommission saß.
Grönland hatte 2021 aus Umweltgründen einen Stopp für neue Öllizenzen verhängt. Die britische Firma "80 Mile" verfügt jedoch weiterhin über bestehende Explorationsrechte in Jameson Land. "Greenland Energy" will sich per Mehrheitsbeteiligung einkaufen, benötigt für die geplanten Bohrungen dennoch die behördliche Genehmigung.
Ölprojekt ist "keine Annexion durch die USA"
Swets betonte, das Ölprojekt stehe "in keinem Zusammenhang mit einer Annexion durch die USA". Zuvor hatte ein Unternehmensvertreter bei einer Bürgerversammlung in Jameson Land im Juni fälschlicherweise erklärt, man habe bereits die Genehmigung zur Anlandung von Bohrgeräten erhalten.
Doch im folgenden Monat bemerkten Anwohner der dünn besiedelten Region, wie ein Schlepper einen Lastkahn an Land zog und ein Dutzend Container entlud. "Das Ziel war es, die Ausrüstung im Zusammenhang mit geplanten Ölbohrungen in Jameson Land an Land zu bringen", hieß es in der Erklärung der grönländischen Regierung. Gleichzeitig zitierte das dänische Investigativmedium "Danwatch" den Leiter der Reederei, der bestätigte, dass die Lieferung für Greenland Energy bestimmt war.
Widerstand gegen Pläne regt sich vor Ort in Grönland
Doch die Begeisterung über die Pläne des Unternehmens hält sich in Grönland in Grenzen. Rund 50 Kilometer vom geplanten Bohrstandort entfernt liegt Grönlands kleinste Stadt: In Ittoqqortoormiit leben etwa 300 Menschen – und die stehen den Vorhaben skeptisch gegenüber. Um die Bedenken der Bevölkerung auszuräumen, reiste "Greenland Energy"-Chef Robert Price Anfang Juni persönlich in die abgelegene Gemeinde, um die Anwohner über die geplanten Aktivitäten seines Unternehmens zu informieren, wie das Portal "Arctic Today" berichtet.
Das Ortskomitee knüpfte die Zusammenarbeit mit der Trump-nahen Ölfirma aber an sechs konkrete Forderungen – darunter eine größere Sporthalle, ein beheiztes Freibad und sogar einen Hubschrauberflug, um Jagdgründe zu fotografieren, bevor Bohrungen sie womöglich zerstören. Price wies alle sechs Punkte zurück. Stattdessen stellte er einen lokalen Fonds von rund einer Million dänischer Kronen (etwa 133.000 Euro) sowie ungefähr zehn Arbeitsplätze in Aussicht. Die entscheidende Frage des Abends blieb jedoch offen: Was geschieht, wenn tatsächlich Öl gefunden wird? Price wich wiederholt aus – es könne "groß werden", mehr sagte er nicht.
Im Trump-Dilemma: Grönland darf über Ölbohrungen entscheiden
In einem aktuellen Schreiben von Greenland Energy an die Aktionäre, das dem "Guardian" vorliegt, heißt es: "Die jüngsten Treffen auf hoher Ebene zwischen der Projektleitung und den grönländischen Regulierungs- und Aufsichtsbehörden waren konstruktiv, und wir sind weiterhin zuversichtlich angesichts der Fortschritte bei der Erlangung der noch ausstehenden Genehmigungen für die Bohrungen."
Als halbautonomes Gebiet Dänemarks liegen Entscheidungen über die natürlichen Ressourcen Grönlands bei den lokal gewählten Politikern. Diese stecken womöglich im Trump-Dilemma und könnten nun vor einer heiklen Entscheidung stehen. Auf der einen Seite könnte die Regierung von Grönland die Genehmigung erteilen, obwohl die geplanten Bohrlöcher in ein Naturschutzgebiet fallen, das durch die Ramsar-Konvention zum Schutz von Feuchtgebieten geschützt ist. Oder sie könnten die Genehmigung verweigern und damit – wie manche befürchten – Trump einen Vorwand liefern, seine imperialistische Agenda voranzutreiben.